Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (März-April 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 123 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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die Beschaffung von Arbeitsstellen usw. vermag das Heim nur in Gemeinschaft mit der einweisenden Stelle sinnvoll zu besorgen. Die nachgehende Fürsorge soll nach Möglichkeit nur von solchen Personen ausgeübt werden, die das Kind oder den Jugendlichen kennen. Nachgehende Fürsorge. FrauN a s s a u e r-Frankfurt beschrieb den Versuch, den der Frauenbund macht, um ein lückenloses Netz von Stellen für die Durchführung der nachgehenden Fürsorge zu schaffen. In den Orten, in denen keine genügend ausgebauten jüdischen Wohlfahrt«- oder Jugendämter bestellen, sollen durch den Frauenbund Vertrauenspersonen ernannt werden, denen die Schutzaufsichten über die Jugendlichen nach der Entlassung übertragen werden können. Der statistischen Erfassung des Erfolges der Erziehungsmethoden, sowie der statistischen Erfassung der Mischehen soll eine Zentralstelle in Frankfurt dienen. Erziehung der Familienlosen, der Unehelichen und d er K i n d er u u s zerrüttet e n Ehen. Ergreifend waren die Worte, die Frl. l'appcnhcim über die „Bindungslosen" sprach, deren Nöte, deren sexuelle Not, der Sehnsucht nach Bindung, dem Ucberdruß an Fessellosigkeit entspringen. Für diese Heim- und Familienlosen geschehe noch immer zu wenig. Den Kindern aus Mischehen müsse der Zutritt zum Judentum erleichtert werden. F a m i 1 i e n e r z i e h u n g. Frau Dr. S tra us-München stellte Richtlinien auf, nach denen für das heutige jüdische Familienleben, für die Familienerziehung neue pädagogische Werte geschaffen werden können: der allgemeine Schulzwang habe der Familie die Grundlagen ihrer erzieherischen Wirkungsmöglichkeit entzogen, die neue Familienerziehung müsse den Charakter eines wirklichen Gemeinschaftslebens gewinnen, es sei notwendig, daß sich auch der Vater sehr stark an der Erziehung der Kinder beteiligt. Die Kinder sollen am Leben der Eltern, an deren beruflichen, wirtschaftlichen und sonstigen Sorgen Anteil nehmen. Kein Glied der Familie dürfe autokratisch innerhalb der Familie herrschen. Die Familie habe sich gegen fremde Einflüsse von außen zu schützen. Das Kind soll in der Familie das Gefühl der Geborgenheit haben; der beste Schutz gegen fremde Einflüsse sei die Pflege der jüdischen Kultur. Eine gute Erziehung sei nicht denkbar bei einem Kind oder zweien: sie sei erst bei einer großen Kindersehar möglich. Zum Schluß gab Frl. Pappen- Ii e i m eine Anregung zu etil e m freien Zusammenschluß jüdischer Eltern. Der Zusammenschluß soll die jüdischen Frauen dazu erziehen, daß sie das Leben in der Familie wieder jüdisch zu gestalten vermögen. Während auf der Seesener Tagung des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände die Wertung der Person des Befürsorgten in allen Referaten und Aussprachen der selbstverständliche Ausgangspunkt war, klang in der Frankfurter Konferenz die — durch die Gesetzgebung im wesentlichen überwundene — Subjekt—Objekt-Stellung noch durch. Der Gegensatz zur jüngeren Generation trat auch in der Diskussion vielfach zutage. Zur Kritik an der Erzieherin wurde die so notwendige Kritik an der Stellung der Leiterin und an der jüdischen Gesellschaft der Erzieherin gegenüber hinzugefügt. Nicht ohne Eindruck blieb der Hinweis, daß es eine größere Verantwortung bedeutet, wenn man riskiert, daß die Statistiken der Anstalt weniger gut aussehen, als wenn man die Mädchen so erzieht, daß sie mit Bestimmtheit im Augenblick der Entlassung das nachholen, wus man