Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (März-April 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 109 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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sationen und die Erweiterung ihres Wirkungskreises brachte nicht nur einen direkten Zufluß von Mitteln seitens der Mitgliedschaft mit sich, sondern bewirkte auch indirekt die Beteiligung der staatlichen und kommunale n Organe am Unterhalt der ,,Ort"-Anstaltcn. Anschauliches Material über die Tätigkeit des „Ort" hat die im Dezember vorigen Jahres veranstaltete Ausstellung des Verbandes gebracht. Die Schriitleitun^. Aus Palästina. The Women's International Zionist Organization-London bittet uns um Veröffentlichung nachstehenden Berichtes von Nursc Herschlcr, Oberschwester der Fürsorgesteile der W. I. Z. O. im Yemenitenviertel in Tel-Aviv. Unsere fortgesetzte Arbeit im Yemenitenviertel gewährt uns manchen Einblick in die Art und Weise, wie die Yemenitin ihr Kleines aufzieht. Unser Einfluß hat, obwohl noch immer die alten, barbarischen Gebräuche angewendet werden, doch Wunder gewirkt. Regelmäßige, pünktliche Ernährung wird freilich noch immer nicht entsprechend gewertet, denn — so sagt die yemenitische Mutter — wenn mein Kind zu sterben bestimmt ist, dann muß es eben sterben. Im Juli gebar eine yemenitische Mutter ein Zwillingspärchen, einen Knaben und ein Mädchen. Eine alte Hebamme brachte die Kinder in diese Welt. Ich kam (berichtet Nnrse Herschlcr) ins Haus, als die Kinder eine Woche alt waren. Ich fand sie von Kopf bis zu Fuß eingewickelt in Watte, die zweimal täglich mit warmen öl getränkt wurde. Das Köpfchen des Knaben zeigte Brandwunden. Es ist ein arabischer Brauch, Neugeborenen ein Zeichen mit einem heißen Eisen auf den Kopf zu brennen, um Zauber zu bannen; das Köpfchen des kleinen Yemenitenjungen war ganz verbrannt; ich konnte nicht herausfinden, wie dies geschehen war. Das Kindchen starb nach vier Tagen. Noch ein anderer Aberglaube herrscht unter den Yemeniten: Zwillinge dürfen nicht von derselben Brust genährt werden und es kostet viel Mühe, bis man die Mütter dazu bringt. Das Mädchen kam zwei Wochen später in unsere Klinik. Es wog etwas über fünf Pfund, nahm aber in der ersten Woche schon zu. Obwohl ich mich darüber freute, hatte ich dennoch meine Bedenken, daß dies nicht allein der Brustnahrung zu danken war. Tags darauf betrat ich unangemeldet das Haus; das Kind saugte an einem Lappen, der mit Mandelmilch getränkt war; neben der Wiege stand eine Schale mit Milchtee, auf dem eine dicke Schicht Fett schwamm. Es war aufgelöste Butter und die Mutter erklärte mir, daß dieses Getränk während der ersten drei Monate für das Kind außerordentlich bekömmlich wäre. Sieben ihrer zehn Kinder freilich sind gestorben. Jetzt kommt sie wohl in unsere Fürsorgestelle, aber ich fürchte, sie beachtet unsere Anordnungen nicht sehr genau. Ich bin überzeugt, daß das Kindchen wenigstens einmal täglich eine Mahlzeit nach ihrem eigenen Rezept bekommt. So wertvoll unsere Erziehungsarbeit in jedem andern Viertel ist, im Yemenitenviertel wirkt sie bahnbrechend, trotz der kleinen Fortschritte, die eigentlich zu verzeichnen sind. Vorigen Monat besuchte ich das Amt für öffentliche Gesundheit in Jaffa. Ich bat den Leiter, die Straßen im Yemenitenviertel sauberer zu halten, um die Verbreitung von Krankheiten, die sich gern Ende des Sommers einstellen, zu verhüten. Er versprach mir jede Unterstützung. Dabei kamen wir ins Gespräch über Jemeniten und Araber (wir haben etwa 30 arabische Kinder in unseren Listen, die allerdings sehr unregelmäßig zu uns kommen). Ich sagte, daß mich meine Arbeit sehr befriedige und daß ich recht optimistisch wäre und oft 109