Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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dem Leitgedanken „Aufbau" (A u fbauinder Jugend,durch die Jugend) stehenden Tagung. Anlaß dazu war, wie die Vorsitzende, Frau Falkenberg ausführte, die Frage nach den Ursachen und dem Umfang der Jugendnot, wie sie uns z. B. symptomatisch in den verschiedenen Prozessen gegen Jugendliche in der letzten Zeit entgegengetreten ist und die sich daraus ergebende Frage nach der positiven Auswirkung der gesellschaftserneuernden Kräfte der Jugend auf religiösem, pädagogischem, sozialwirtschaftlichem Gebiet, sowie zur Verbreitung der Friedensbewegung. Zum religiösen Aufbau sprachen Frau Bergel-Gronem a n n und Dr. MartinGoldner. Während Frau B. ausführte, daß es weniger ein Zeichen mangelnden religiösen Gefühle sei, wenn die Jugend die Formen der jüdischen Religion ablehne, sondern vielmehr ein Symptom dafür, daß dieses Gefühl zu intensiv und verfeinert sei, als daß es von den Formen der Tradition umschlossen werden könne, suchte Dr. G. eine Vorstellung von dem Wesen dieses religiösen Gefühls der Jugend zu geben. Er definierte es als das Geheimnis hinter allen Dingen und allem Geschehen, zu dem sich die Jugend auf vielen Wegen Zugang zu verschaffen versucht. Herr Falkenberg gab einige Streiflichter aus der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen zum pädagogischen Neuaufbau. Hier handelt es sich weniger um neue Gedanken und neue Wege als um das neue Prinzip: Das Erziehungsproblem als allgemeine öffentliche Angelegenheit zu betrachten und nicht, wie früher, nur als eine solche des" Fachmannes. Er schilderte außerdem die Annäherungsversuche zwischen Schule und Haus und die Auswirkung des Jugendproblems in der Schule. F r ä ulein Karminski skizzierte das Neue in der Mädchenerziehung, der Anstalts- und Gefährdetenerziehung. Bei allen drei Gebieten stellte sie als Gemeinsames fest, daß die zu Erziehenden noch viel zu wenig aktiv an der Erziehung beteiligt werden. Im Gegensatz zu dem religiösen und pädagogischen Aufbau, welcher in der Hauptsache von der Jugend selbst getragen ist, ist ihr Einfluß auf dem Gebiete der Wirtschaft so gering, daß Dr. Georg I, ubinski nur von wenigen Versuchen der Jugend berichten konnte, hinter die festgeschlossenen Tore der Wirtschaft, von der im Grunde ihr Schicksal mehr abhängt als von jedem anderen Lebensgebiet, zu dringen. Alle diese Versuche sind mehr oder weniger gescheitert. Die Jugend versucht nun an ganz peripheren Stellen der Wirtschaft etwas abzuringen: hierher gehört die Freizeitbewegung, der Kampf um die Regelung der Lehrlingsausbildung. Ein Versuch sozialwirtschaftlichen Aufbaus ist der Aufbau in Palästina, ein typisches Jugendwerk, das versucht, alle Sehnsucht junger Menschen nach Lebenserneuerung zu verwirklichen. In der festgefügten Wirtschaft in Deutschland besteht eine Möglichkeit des Durchbruchs: in der sozialen Arbeit. Fräulein P e y - s e r ergänzte diese Ausführungen dahin, daß man der Jugend Hilfe leisten müsse, damit sie zu aufbaufähigen und aufbauwilligen Menschen heranwachse. Dies versucht die neue Jugendhilfe, deren Bestrebungen im Reichsjugendwohlfahrtsgesetz zum Ausdruck kommen; sie ist? aber nicht nur ein Hilfsgerüst, sondern ein Teil der neuen Formen zur gesellschaftlichen Erneuerung. Von der Arbeit der Jugend, der Idee des Friedens zur Wirklichkeit zu verhelfen, sprach zum 66