Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Wenn einmal ein Chronist des Landesverbandes den Geburtstag des Wohlfahrtsausschusses wird feststellen wollen, so wird er mit Verwunderung sehen, daß fünfzehn Monate seit der erstmaligen Tagung der Landesversammlung vergangen waren, ehe er mit seiner ersten Sitzung seine Tätigkeit beginnen konnte, und trotzdem die Genugtuung hatte, daß er unter allen in der Verfassung vorgesehenen Ausschüssen der erste auf dem Platze war. Diese Verzögerung der eigentlichen Arbeit hatte ihre Ursache in der Ueberorganisation, unter der der Verband besonders in seinen Anfängen stark gelitten hat. Als die Landesversammlung nach den Wahlen am 21. Juni 1925 zusammentrat, war unter den Abgeordneten die Ueberzeugung allgemein, daß der Landesverband weitgehende soziale Aufgaben in Preußen-Deutschland zu übernehmen habe. Eine Soziale Kommission bildete sich unter Führung von Paula Ollendorff und trat mit einem fertigen Programm auf den Plan. Die Ueberschriften der Kapitel dieses Programms zeigen, welche umfassenden Aufgaben dem Landesverbände zugedacht waren: 1. Erziehung, 2. Gefährdetenfürsorge, 3. Gesundheitsfürsorge, 4. Wirtschaftsfürsorge, 5. Wohnungsfürsorge, 6. Landwirtschaftliche Siedlung, 7. Hauswirtschaftliche Ausbildung. Diesem Programm entsprach es vollkommen, daß der Haushaltsausschuß statt der vom Rate mit großer Vorsicht eingesetzten 50 000,— RM für die soziale Arbeit den über die finanzielle Lage des L.V. hinausgehenden Betrag von 235 000,— RM verlangte, eine Summe, von der der W.A. noch heute weit entfernt ist. Leider hatte man nicht bedacht, daß nach der Verfassung dieser sozialen Kommission der Landesversammlung nur ein Eintagsleben beschieden sein konnte, und man hatte nicht genug berücksichtigt, daß bereits eine Stelle in Preußen-Deutschland bestand, an der fast alle oben genannten Aufgaben bearbeitet werden sollten: Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Begreiflicherweise herrschte in manchen Kreisen die Besorgnis, daß der W.A. durch die Uebernahme der gesamten sozialen Arbeit die Z.W.St. überflüssig machen könnte. Nur so ist die Warnung zu erklären, die Dr. Ollendorff- Barmen im ersten Heft der „Zedakah" ergehen ließ. Er sah in der eigenen Betätigung des Landesverbandes in der 22