Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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bringung in die Anstalt, um eine Reihe von Symptomen oder alle Symptome aufzuheben. Der Grund für das Zurücktreten der Symptome war aber nicht die „innere Wandlung", sondern das veränderte Milieu. In der Abgeschlossenheit der Anstalt fielen die mannigfachen Reize, die draußen wirkten, weg, die Gelegenheit zu Delikten fehlte, und viele sahen ein, daß es keinen Zweck hätte, in der Anstalt zu rebellieren: hier gab es kein Ausweichen, und jede Auflehnung gegen die Hausordnung führte zu Konsequenzen, die schmerzlich waren, und denen sich der Zögling oder der Gefangene nicht entziehen konnten. Dazu kam das geregelte Leben, die Anstaltsdisziplin, die Führung durch die Vorgesetzten. Sobald aber der Versuch gemacht wurde, den Zögling der Freiheit wiederzugeben, sobald der Gefangene seine Strafe verbüßt hatte, und nun wieder in das Leben hinaustrat, wurde er rückfällig, und es kam wieder zu neuen Störungen. Der Grund hierfür ist leicht zu erkennen: die Charakterstruktur hatte sich nicht verändert, und in dem Moment, in dem wieder stärker gefährdende Reize wirkten, mußte es wiederum zur Symptombildung kommen, zu neuen Zusammenstößen mit der Gesellschaft. Nun taucht seit längerer Zeit in immer stärkerem Maße die Forderung auf, daß in den Erziehungsanstalten mehr wirkliche Erziehungsarbeit geleistet und daß in den Strafanstalten mehr für die Besserung der Inhaftierten getan werden soll. Der pädagogische Gedanke, oder besser gesagt, die pädagogische Forderung, beginnt immer weitere Kreise zu ziehen. Aber sehen wir uns die Praxis an: in den Strafanstalten bemüht man sich heute, die verschiedensten Mittel in den Dienst der Erziehung, der Besserung der Gefangenen zu stellen: Anstaltsdisziplin, geregelte Arbeit, überwachte Lektüre, religiöse Beeinflussung, Unterricht, Bepflanzung der Höfe mit Blumen, gelegentliche Veranstaltung von Konzerten usw., in letzter Zeit auch der progressive Straf Vollzug, sind gewiß nicht ohne Bedeutung, aber sie sind keineswegs ausreichend, zumal manche der Mittel draußen schon ihre Wirkung verfehlt haben, wie z. B. der Unterricht. Die Arbeit könnte nur dann wirken, wenn der Bestrafte Gelegenheit hätte, einen Beruf zu erlernen und wenn er nicht nur die Möglichkeit, sondern auch den Willen hätte, ihn 11