Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1905-04-14 · 1 (14.4.1905) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
1 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/8295971-9045908-6435542--016-4781240
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

LITERATURBLATT No. 1 yzantiniseheni , Zellensehinelze, der seines gleichen an Schönheit und Kostbarkeit sucht, aufgedeckt worden. Jene, von wellchen sich das hervorragendste Stück im Museum zu Mainz befindet, erhalten ihren wesentlichsten Schmuck durch dicht gereihte, leicht In Gold gefasste Plättchen regelmässig zugeschnittener Almandine, einen unserem Granat ähnlichen, jedoch in der Farbe helleren Halbedelstein, der nur im Orient vorkommt. Er bildete in seiner kennzeichnenden' Art der Fassung (verroterie) den Stolk? merovingischer Fürsten, z. B. Childerichs und seines in Tournai getundenen Schatzes, so dass man Franken und Alemannen lange für seine Verfertiger hielt. Die Form des Adlers jedoch, die entwickelte Technik und nicht 'zum mindesten' das Material veranlassten kritischere Kunstforscher, vor allem Friedrich Schneider, den Ursprung dieser Kunst im Orient, speziell in Aegypten zu suchen. Jüdische Grosskaufleute waren die Vermittler dieser kostbaren Erzeugnisse, bis sich der Geschmack dem noch viel kunstvolleren Zeilenschmelze auf Gold zuwandte, der im Orient vom 9. bis ins 13. Jahrhundert hinein von den Byzantinern mit unerreichter Meisterschaft betrieben wurde. Die edle Ornamentik an ihnen ist ein Erbteil der Antike, die Leuchtkraft und Transparent der Farben, wie sie z. B. an dem erwähnten, jetzt im Besitze von Baron Max v. Heyl in Darmstadt befindlichen Schmucke hervortritt etwas vorher Unbekanntes. Es ist nun, nachdem einmal die regelmässigen Handelsbeziehungen jüdischer Grosshändler am Rhein mit dem Orient erwiesen waren, in hohem Grade wahrscheinlich, dass sie nicht nur Kunstgegenstände dier genannten Art, sontiern auch andere Ooldschtuiedear.böiteni, EilfJenbeSnea gemalte iBücher etc. nach Europa gebracht haben. Die byzantinische Frage, eine der kunstgeschichtliehen Seeschlangen,, würde dadurch eine neue überraschende Beleuchtung erfahren. Anstatt der durch politische Ereignisse hervorgerufenen Plötzlichkeiten könnte die Kunstgeschichte mit ständigen, gut fundierten Handelsbeziehungen operieren und dem für die historische Darstellung immer etwas unbequemen Zufall, Sympathien und Antipathien von Herrschern ausschliessen. Es ist vornehmlich dieses Ziel, das Friedrich Schneider mit einer kleinen, aber sehr sorgfältigen Veröffentlichung eines Kreuzreliquiares in der hl. Kreuzkürche zu Donauwörth in den Mitteilungen des dortigen Historischen Vereins im Auge hat. Das Stück hat die Form einer Staurothek und konnte wie ein Buch an einer Kette vorn an der Brust getragen werden. 11er kostbare vordere Deckel, geschmückt mit fünf Zellenschmeteen und Schneckenfiligran, ist nur noch in einem Kupferstiche des 17. Jarhunderts erhalten* der aber deutlich den byzantinischen Ursprung, nach Schneiders wohlbegnindcter Ansicht aus der Blütezeit der Dukas (867-—(1081). erkennen lässt. Das innere silberne Behältnis zeigt auf der Vorderseite die Kreuzpartikeil, umgeben' von vier kreuzförmig durchbrochenen Türchen, hinter welchen sich andere Reliquien bergen rückwärts fünf gestanzte, von Perlkreisen .umgebene Adler und eine breite Pailmettcnbordüre. Beide weisen auf den Anfang des 13. Jahrhunderte hin. auf eine Umbildung byzantinischer in sarazenische Formen, welche aber sicher nicht unter den Händen eines geübten byzantinischen Goldschmiedes, sondern Jahrhunderte später bei einer Erneuerung des Stückes etwa im Sizilien oder Apurtieii oder durch einen dort herangebildeten Künstler entstand. Die regen Verbindungen der Hohenstaufen mit Augsburg einerseits und Süditalien anderseits begünstigten das Entstehen solcher kosmopolitischen M.ischformen, zumal bei der künstlerischen Freizügigkeit des frühen Mittelalters. (Nach dier Fr. Ztg.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.