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Jüdische Rundschau · 1905-04-14 · 1 (14.4.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
1 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt No. 1. Berlin, den 9. Nissan 5665 (14. April 1905) Jahrg. I. EineNationalbibliothekfürdasJüdischeVolk Mit einer Energie ohne Gleichen hat ein einzelner Mann, Dr. Josef Chasanowicz, es unternommen« den Grundstein zu legen für eine künftige Nationalbübliothek in Jerusalem. Cr hat den ungeheuren Kulturwert verstanden, der in einem solchen Werke liegt, und hat. um die Idee zum Reifen zu bringen und um Verständnis für ein solches nationales Bedürfnis zu schaffen, sein ganzes Leben in den Dienst dieser Sache gestellt. Ks ist freilich selbstverständlich, dass kein Privatmann, noch dazu kein reicher Mann, mit blossem Idealismus etwas Bedeutendes in dieser Richtung schaffen kann, wo uns nicht einmal' mehr die grossen Naitionalbibliiotheken zu genügen scheinen, die mittel- und westeuropäische und amenilkanische Staaten in Jahrhunderte langer Arbeit mit den gewaltigen Mitteln des Staates allmählich aufgebaut und entwickelt haben. Wenn man freilich die Arbeit Chasanowi'czs 'beurteilen will, so darf mau sie nicht an den Werken von Nationen und Völkern messen, da er wohl geringe Unterstützimg gefunden hat, aber schliesslich doch alles, was da in Jerusalem existiert, sein eigenes persönliches Werk allein zu nennen ist. Ob nun seine Kraft noch lange in der Lage sein wird» sich ganz in den Düenst seines Ideals zu stellen, ob er etwa erlahmen oder unmutig werden wird, einmal muss die Sache ins Stocken geraten, da sie nur auf der Aufopferung eines einzigen Mannes beruht, der freilich ein opferwilliger Idealist ist, wie es kaum einen zweiten geben mag. Aber ganz abgesehen davon müssen wir eingestehen, ist bereits jetzt das Werk an der Bibliothek, die ihr Oriinder alte den Grundstock der zukünftigen Nationalbibliothek angesehen wissen will, auf dem toten Punkte angelangt. Schon jetzt muss es offen ausgesprochen werden, dass selbst die Arbeitskraft eines Josef Chasanowicz nicht mehr imstande sein wird,, eine gedeihliche Woiterentwickehing durchzusetzen. Das Werk ruht. Die Gründe dazu sind mannigfaltige. Aber der Hauptgrund ist doch 'er. dass es nach wie vor ein Werk unseres verehrten Chasanowicz gelieben ist aber nicht ein Werk der jüdischen Nation wurde. Daraus, ergibt sich dann alles weitere. Der Gründer der Bibliothek war immer nur auf die Anschaffung und Vermehrung des Biicherschatzes bedacht. Auf ihre Verwaltung und Sicherung hat er weniger sein Augenmerk gerichtet. der Rundschau Beilage zu „Jüdische Rundschau" Jahrg. X. No. 15. Herausgegeben f? Redaktion: von BERLIN N.W. 52, Dr. Heinrich £oeVß. Melanchthonstrasse 4.

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