Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- James Balfour, Einführung in die Geschichte des Zionismus von R. Sokolow
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 6)
- Language
- German
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Zweifellos gibt es Schwierigkeiten, gibt es Einwände — große Schwierigkeiten, berechtigte Einwände. Und sie werden, vermute ich, selbst unter den Juden sehr fühlbar sein. Aber niemand kann vernünftigerweise zweifeln, daß der Zionismus, falls er sich, wie ich glaube, zu einem wirklichen Arbeitsplan entwickelt, dem jüdischen Volke und besonders dessen bemitleidenswertestem Teile großen und bleibenden Segen bringen werde. Nicht nur, daß viele von ihnen eine Zuflucht vor religiöser und sozialer Verfolgung finden könnten, sie würden vielmehr korporative Verantwortlichkeiten und korporative Betätigungen solcher Art bekommen, wie sie sie als Bürger eines nichtjüdischen Staates niemals erlangen könnten. Von ihren Kritikern ist ihnen zur Last gelegt worden, daß sie ihre großen Gaben benutzen, fremde Kultur zu persönlichen Zwecken auszu» beuten, in Gemeinwesen, zu deren Erhaltung sie nur wenig beitragen. Eine so formulierte Anklage ist sicher falsch. Aber es ist sicherlich richtig, daß in vielen Ländern Europas ihre Loyalität zu dem Staate, in dem sie wohnen, mild ausgedrückt, nur schwach ist im Vergleich zur Loyalität gegenüber der eigenen Religion und der eigenen Rasse. Wie hätte es auch anders sein können? In keinem der Länder, die ich meine, ist ihnen gleiches Bürgerrecht eingeräumt, in einigen ist ihnen überhaupt kein Bürgerrecht gegeben worden. Große Leiden sind die unvermeidliche Folge; aber nicht Leiden allein. Andere Übel folgen, welche das ursprüngliche Unheil verschlimmern. Beständige Bedrückung mit gelegentlichen Ausbrüchen heftiger Verfolgung müssen entweder ihre Opfer zermalmen oder in ihnen egoistische Eigenschaften entwickeln, die nicht immer genehm sind. Die Juden sind niemals zermalmt worden. Weder Grausamkeit 196