Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- James Balfour, Einführung in die Geschichte des Zionismus von R. Sokolow
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 5)
- Language
- German
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Anstrengung, den Lauf der Geschichte umzukehren. Keinem Menschen fällt es ein, die Gründung buddhistischer Kolonien in Indien, als der einstigen Heimat des Buddhismus, vorzuschlagen, noch zugunsten des Christentums die Kreuzzüge des Mittelalters zu wiederholen. Wenn nun dieser Gedankengang richtig ist, der den Buddhismus und das Christentum betrifft, könne man fragen, warum er nicht auch für das Judentum und die Juden Geltung haben solle? Darauf läßt sich nur antworten, daß die Dinge nicht parallel laufen. Die Lage der Juden ist einzigartig. Für sie haben Rasse, Religion und Land so innige Beziehungen zueinander wie in keiner anderen Rasse, keiner anderen Religion und keinem anderen Land der Erde. Nirgends sind die Bekenner der verbreitetsten Religionen der Welt ausschließlich unter den Gliedern eines einzigen kleinen Volkes zu finden; bei keineranderen Religion ist die vergangeneEntwicklung so eng verknüpft mit der langen politischen Geschichte eines kleinen Landes, das eingebettet ist zwischen weit machtvolleren Staaten, als es selbst je sein könnte. In keiner anderen Religion ist das ganze Sehnen und Hoffen in Wort und Schrift so in unerschütterlicher Überzeugung begründet, daß nur durch dieses eine Land, nur durch diese eine Geschichte und durch dieses eine Volk der Gottesgedanke über die Welt verbreitet werden kann. Durch ein seltsames und höchst unglückliches Geschick ist dieses Volk, das sein volles Rassenselbstbewußtsein behielt, von seiner Heimat getrennt worden, mußte wandern durch alle Länder und war nirgends imstande, sich eine eigene Heimat zu schaffen. Nur der Zionismus — wenigstens nach Ansicht derZionisten — kann in dieser großen Tragödie Abhilfe schaffen. 13* 195