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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 59

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 59 (sequence 66)
Language
German
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59 So sprechend hatte der Pastor ein Papier aus der Brusttasche gezogen und Nobitz überreicht. Dieser hatte seinen Gast mit lebhafter Spannung angehört, nicht um eine Welt hätte er sich jetzt daran zu erinnern vermocht, daß er je ein Diplom erhalten hatte, daß ihm ein solches abhanden gekommen war, er griff neugierig hastig nach dem Papier. ״Ah!" rief er überrascht, ״das ist ja — mein Chower! ich konnte ihn nie finden und wußte nicht, wo er mir hingekommen; — auf welche Weise gelangte dieses Papier in Ihre Hände, geehrter Herr Pastor?" ״Auf mir völlig unbegreifliche Weise! . . . Diesem Papiere danke ich mein Leben, die Freiheit, Alles! — und ich bin den unwissentlichen Urhebern meines Glückes, sowohl den würdigen Männern, die es unterfertigt als dem Manne, für den es bestimmt war — Ihnen, ewig dankbar! — Ich spreche in Räthseln für Sie — nicht wahr? Gestatten Sie mir, Ihnen meine Lebensgeschichte zu erzählen, ein Moment derselben wird sie gewiß interessiren!" Nobitz verbeugte sich zum Zeichen, daß er zu hören bereit sei, und da die Erzählung seines Gastes voraussichtlich eine längere zu werden versprach, ließ auch er sich auf einen Stuhl nieder, und der Pastor begann. ״Ich bin der Sohn eines Schullehrers, und es war meiner Ellern sehnlichster Wunsch, daß ich Theologie studirte, Pastor würde. Wir waren sieben Kinder im Hause, und bei jdem kärglichen Einkommen eines sächsischen Schullehrers können Sie sich denken, daß Meister Schmalhans oft genug bei uns Küchenmeister war: aber meine guten Eltern legten sich die härtesten Entbehrungen auf, um mich das Gymnasium und später die Universität besuchen zu lassen. Als ich meine theologischen Studien beendet und nicht rasch genug eine Stelle bekommen konnte, hatten sich die Bedürfnisse meiner Eltern in eben so hohem Maße gesteigert, als sich ihr Einkommen verringerte. Mein Bater, der in seiner freien Zeit als unentbehrlichen Nebenerwerb — zuweilen ganze Nächte hindurch — Noten abschrieb, hatte seinen Augen Uebermäßiges zugetraur, und drohte zu erblinden. Er konnte seinem Amte in Schule und Kirche nicht mehr vorstehen und wurde mit einer kleinen Pension entlassen. Die Mutter war durch anstrengende häusliche Arbeiten brustleidend geworden, bedurfte ärztliche Hilfe, theuerer Medikamente, sorgfältiger Pflege, meine jünger»

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