Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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36 Er war schon stundenlange, rechnend, Notizen machend, da gesessen, als er plötzlich mit dem leichten Ausrufe: ״Aha, jetzt habe ichs boruch ha schenk) gefunden!" nach einem frischen Blatt Papier griff, auf dieses einige Ziffergruppen niederschrieb und augenscheinlich eine separate Berechnung anstellte. Nachdem er diese beendet und sie zweimal sorgfältig geprüft, legte er die Feder aus der Hand, schritt zur Thür und rief seinem im Vorzimmer seiner Befehle harrenden Schnellgabbe?): ״Ikr müßt mir gleich die Iorschim^) nach Reb Eljokim Bondy herschaffen. Ihr wißt ja, wer sie sind!" ״Ja Nebbe," entgegnete der Schämest; ״soll ich auch Reb Lippmann Teweles den Goldschmied, was der Vormund von dem jüngsten Ioresch ist, heraufbestellen?" ״Auch den . . Da zu jener Zeit alle Juden im Ghetto, das allabendlich geschloffen wurde, beisammen wohnten, bot es keine Schwierigkeit, die vom Rabbiner gewünschten Personen in kurzer Zeit zusammenzurusen. Sie versammelten sich im Vorzimmer, und als sich alle eingefunden hatten, traten sechs Personen, drei Söhne aus erster, zwei aus zweiter Ehe, und Reb Lippmann Teweles — der letztgenannte als ältester voran — in das Studierzimmer des Rabbi. Rabbi Michael Bacharach war noch im Greisenalter — er stand schon in den Siebzigen — ein Mann von fast idealer Schönheit. Er war etwas über Mittelgröße und hielt sich noch vollkommen aufrecht. Unter einem schwarzen Sammtkäppchen wallten lange Silberlocken, auf seiner breiten Brust sank ein wohlgepflegter, milchweißer, langer Vart herab. Die Züge seines edelgeformten Gesichtes, aus welchem zwei große blaue Augen noch immer feurig und glänzend leuchteten, drückten den höchsten Grad von Milde und Sanftmuth aus, die sich auch in allen seinen Handlungen und Worten kund gaben, ja die man schon aus dem Klange seiner weichen melodischen Stimme zu erkennen vermochte. Gelobt sei Gott. 2) Diener zur Dienstleistung um die Person des Rabbi. - ף Erben. 4) Diener.