Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 21 auf das Jahr 5624 -1864
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 122)
- Language
- German
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105 worfen wurden. Man verurtheilte die Opfer zum ״Sacklaufen", einem Schimpfe, welcher vor 1789 alljährlich während der Carnevalszeit auf dem Corso zur Belustigung der Menge an einer Anzahl Juden verübt wurde. Doch man berief sich auf ein späteres Edict, wonach das Sacklaufen für eine hohe Geldsumme der Curie abgekauft werden konnte, zahlte die Summe und das Urtheil ward nicht vollstreckt. — Chevalier I. Artom aus Turin (Israelit) ward zum Secretär bei der italienischen Gesandtschaft in Paris ernannt. — König Victor Emanuel ernannte die Herren vr. Donati in Turin und vr. Calligo in Pisa zu Rittern, sowie den Banquier Königs- Wärter in Paris zum Commandeur des Mauritius-Ordens, und ehrte den verdienstvollen Dichter Michael Corinaldi in Florenz dadurch, daß er ihm den Grafentitel verlieh. (Alle vier sind Jsraeliten.) — Nizza wurde (durch Decret des Kaisers Napoleon) zum Rabbinatssitze erhoben und dem Consistorium von Marseille die Besetzung der Stelle befohlen. — Weil ein einziger Jude in Belle tri (Kirchenstaat) es verabsäumte, sich beim heil. Officium die vorgeschriebene Aufenthaltskarte zu lösen, so hat der Bischof jener Stadt, Cardinal Mattai, sämmtliche jüdische Ortseinwohner aus ge wiesen. — Dr. Schiff in Turin wurde zum Professor der Anatomie und Physiologie am königl. Museum zu Florenz ernannt. — Unweit des St. Sebastiansthors in Rom wurde bei Gelegenheit eines unterirdischen Baues ein jüdischer Gottesacker entdeckt und eine Menge von Särgen, Gemälden, Inschriften rc. aufgefunden. — Ins italienische Parlament wurden fünf Israeliten als Deputirte gewählt. — Der oben erwähnte Chevalier I. Artom — in Italien und Frankreich nicht anders als ״der begabteste Schüler Cavour's" genannt — ward noch vor Iahresschluß von seinem Gesandtschaftssecretärposten in Paris zurückberufen und zum Cabinetschef im Ministerium des Aeußern ernannt. — In Rom existirt jetzt noch das Gesetz, welches den Juden jede mildthätige Gabe an einen Christen streng verbietet. Diese unerhörte Vorschrift verletzte ein Jude dadurch, daß er eine arme christliche Frau, welche auf der Straße vor Hunger und Kälte fast zusammenbrach, in sein Haus nahm und sie unterstützte. Er ward wegen dieser That polizeilich zu Geld- und Gefängnißstrafe verurtheilt. — Cäsar Rovighi aus Modena, seit 1848 im Dienste der piemontesischen Armee und bereits fünf Jahre den Rang eines Hauptmanns bekleidend, ward zum Professor an der Universität zu Modena ernannt und bei dieser Gelegenheit auch mit dem Mauritius-Orden decorirt. — In Turin verstarb am 24. December der Marchese