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Jahrbuch für Israeliten · 1863-01-01 · 21 auf das Jahr 5624 -1864 · p. Seite 89

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
21 auf das Jahr 5624 -1864
Date
1863-01-01
Page
Seite 89 (sequence 106)
Language
German
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89 Sie eilten fort, — doch blieb sie ihnen theuer, Die heil'ge Stadt, sie sehnten sich zurück. Die Trennung löschte nicht der Liebe Feuer, An Zion hing ihr schmerzumflorter Blick. Nicht blos von ferne wollten sie's bejammern, Nein, küssen wollten sie das heil'ge Land, Und noch einmal mit Inbrunst sie umklammern, Die wüste Scholle, wo der Tempel stand. Sie nahen — doch die Stadt, die einst so prächtig Wie eine Sonne strahlte weit hinaus, Sie schaut jetzt düster drein und mitternächtig, Ein großes, fluchbeladnes Trümmerhaus! Sie schweigen, — denn mit Gott ist nicht zu hadern Doch ach! die alten Augen werden naß, Erstarrt vor Schmerz das Blut in ihren Adern, Und die Gesichter werden leichenblaß. Der Schrecken wächst, schon wanken ihre Glieder, Sie können taumeln nur, nicht gehen mehr, Sie sinken matt auf einen Steinblock nieder Und schauen dann noch einmal um sich her. „Leb wohl, du heil'ger Boden, der uns theuer, Ob auch der Feind dich uns genommen hat, Lebt wohl, ihr halbverfallenen Gemäuer, Leb wohl, du schwergeschlag'ne Gottesftadt!" Und wie die Scheideklänge sanft verschweben, Da schauen sie ein Trauerbild im Geist, Ergraute Krieger steh'n umher und beben, Und weinend sie der Engel Schaar umkreist. „Hier bist du süß, o Tod! nimm uns das Leben, Erscheine, wir erwarten dich mit Muth! Dann wird die Seele reiner sich erheben, Wenn unser Staub in heil'ger Erde ruht."

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