Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 21 auf das Jahr 5624 -1864
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 78)
- Language
- German
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61 war, durch die Sorgfalt ihres zärtlichen Gatten, der den seltenen von der Vorsehung seiner Obhut anvertrauten Schatz zu würdigen wußte und ihr Lebensglück zum Studium seines Lebens machte, wie sie ihrerseits in seinem Lebensglück das ihrige fand, Nichts gespart wurde. Die letzten Jahre ihres Lebens brachten sie — wenn sie in England waren — abwechselnd in London und Ramsgate zu. Also nahete der Sommer von 1862 heran, bis zu welchen sie 50 Jahre lang vereinigt gelebt hatten. Die Gebete dieses Ehepaares wurden am Throne des Allbarmherzigen erhört. Die Hand des Todesengels drohte schon vor wenigen Monaten. Sir Moses und Lady Montefiore durften noch das Jubiläum ihrer Vereinigung feiern. Die Vorsehung hat sogar vor der Erlöschung dieser Lampe einen Theil des Glanzes, welchen sie einmal verbreitete, wieder hergestellt. Die geschwächten Kräfte der edlen Frau schienen wieder aufzuleben und ein besserer Gesundheitszustand einzutreten. Sie hatte sogar in der jüngsten Zeit mit scheinbarer Behaglichkeit öfter Spazierfahrten gemacht, und es wurden schon Vorbereitungen getroffen, sie die Industrie-Ausstellung besuchen zu lassen, als sie an demselben Tage von jener schweren Krankheit befallen ward, die sie zum Grabe führte. Freitag den 19. September bekam sie plötzlich Erbrechen; ihre Schwäche nahm sichtlich zu; aber ihre Krankheit schien durchdie geschickte Behandlung des herbeigerufenen Arztes nachzulassen. Dienstag Morgens wurde für ihr Leben in der portugiesischen, und am Nachmittage desselben Tages in der großen Synagoge gebetet. Mittwoch Morgens schien sie bedeutend erleichtert und die schlimmsten Krankheitssymptome schienen entfernt zu sein. Man faßte neue Hoffnung für die Erhaltung eines so kostbaren Lebens. Die Kranke war während dieser ganzen Zeit ruhig, frei von Schmerz, und klagte nur über außerordentliche Schwäche. Sie sprach mit ihrer gewöhnlichen Heiterkeit und mit frommer Ergebung mit ihren Freunden, denen sie ihre gewohnte Gastfreundschaft selbst an ihrem Todestage bewies.