Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 21 auf das Jahr 5624 -1864
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 74)
- Language
- German
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57 den Rath mitgetheilt; wichtiger und inhaltsreicher ist aber das bisher unbeachtet gebliebene erste Schreiben des Kaisers, welches ich im hiesigen Archiv gefunden habe, und dem die angegebenen Einzelnheiten größtenteils entnommen sind. Uebrigens zeigt auch ein anderes noch ungedrucktes Schreiben Ludwigs aus demselben Jahre, wie sehr dieser Kaiser es sich angelegen sein ließ, die Juden in Frankfurt zu beschützen. Am 15. April 1337 gebot nämlich Ludwig dem Frankfurter Rath „gar ernstlichen", die Juden seiner Stadt bei ihren hergebrachten Gewohnheiten und Rechten zu halten, sie gegen Jedermann zu schirmen, insbesondere nicht Zu gestatten, daß man sie vor ein geistliches Gericht lade, und überhaupt sie blos vor dem städtischen Gericht belangen zu lassen. Ein Jahr später gewährte Kaiser Ludwig den Frankfurter Bürgern eine besondere Gunst, damit sie, wie er in seinem Gnadenbrief sich ausdrückt, die Juden, die bei ihnen in der Stadt gesessen hatten, desto lieber und williglicher schirmten und besorgten. Er erklärte nämlich, daß die Frankfurter Juden, wenn sie Geld ausliehen, von jedem Pfund Heller bei Bürgern nur 1^ Heller, bei Auswärtigen aber 2 Heller wöchentlichen Zins nehmen dürsten, daß man sie jedoch zu einem Anlehen nicht zwingen und in Betreff ihrer Ausstände beschützen solle. Uebrigens kann man bei Gelegenheit dieser kaiserlichen Gunst erkennen, wie hoch damals der Zinsfuß war; denn die angegebene Verzinsung bei den Bürgern berechnet sich, je nachdem man den einen oder den andern Münzfuß jener Zeiten zu Grunde legt, auf 32^ oder gar 43'/z Procent jährlich. Im Jahre 1346 wurden mehrere Frankfurter Juden wegen unbekannter Vergehungen auf Befehl des Kaisers bestraft. Dies bewog 14 Juden, 8 Frauen derselben und noch einige andere Juden, aus Frankfurt zu entfliehen. Der Kaiser, dem sie wegen ihrer Flucht als Mitschuldige verdächtig geworden waren, verfuhr gegen sie, wie man damals gegen