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Jahrbuch für Israeliten · 1863-01-01 · 21 auf das Jahr 5624 -1864 · p. Seite 26

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
21 auf das Jahr 5624 -1864
Date
1863-01-01
Page
Seite 26 (sequence 43)
Language
German
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1 — 26 — wogenden Menge, die verschiedenen Trachten fremder Nationen, die Sarah größtenteils zum ersten Male sah, die überall in Massen aufgehäuften kostbaren Waaren, dies Alles äußerte eine magische Wirkung auf Sarahs kindliches Gemüth, sie hätte gern länger bei den Herrlichkeiten verweilt; doch der Rabbi drängte vorwärts. In der Fahrgasse begegnete ihnen eine Procession, um Aergerniß zu vermeiden, verbargen sie sich in einen Winkel; vor und hinter dem Sarge gingen kahlköpfige und barfüßige Mönche, brennende Wachskerzen und Fahnen mit Heiligenbildern tragend, mehrere Geistliche in weißen, mit Spitzen und Stickereien verzierten Chorhemden, die Verwandten, Freunde und Nachbarn folgten, es war ein bedeutender Zug; der traurige Choral stimmte auch Abraham und Sarah wieder traurig, und einsilbig und in sich gekehrt setzten sie ihren Weg fort. Auch in Frankfurt lebten die Juden, wie damals fast überall, in steter Angst vor Mord und Plünderung. Früher hatten sie ihre Wohnungen am Markt, zwischen dem Dom und Main, doch durch eine päpstliche Bulle wurden sie gezwungest, die Nähe der Hauptkirche zu verlassen, und der Magistrat wies ihnen einen Platz am Wallgraben an, wo noch jetzt das Iudenquartier ist. Im Jahre 1240 richtete der Pöbel ein großes Blutbad unter ihnen an, die sogenannte erste Iudenschlacht; als 1349 die durchziehenden Geißler die Stadt anzündeten, wurden die Juden des Brandstifters beschuldigt und größtenteils ermordet; viele wurden lebend in die Flammen geworfen, man nannte dies die zweite Iudenschlacht. Plündern war natürlich immer der Hauptzweck des Pöbels, und manchmal wohl die einzige Ursache. Gründe wußte man bald zu finden; da wurde denn endlich zur Sicherung der Juden der von ihnen bewohnte Stadttheil für ihre Kosten auf Befehl des Magistrats mit einer Mauer umgeben, in welcher sich zwei Thore befanden; dieselben waren des Nachts nur an Sabbathen und Feier-

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