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Jahrbuch für Israeliten · 1863-01-01 · 21 auf das Jahr 5624 -1864 · p. Seite 13

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
21 auf das Jahr 5624 -1864
Date
1863-01-01
Page
Seite 13 (sequence 30)
Language
German
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— 13 — mit schwerem Herzen oft und unter banger Voraussicht gab er nach, um nicht das Gewonnene wieder in Gefahr zu bringen. Die Reichsverfassung des Jahres 1849 war nur durch gegenseitiges Nachgeben möglich geworden, die Machtstellung und die Größe Deutschlands sollte , durch sie zunächst gesichert werden; war dieses Ziel erreicht, so konnten etwaige Mängel und Unvollkommenheiten der Verfassung ertragen und ihre Hebung der Zeit überlassen werden. Unter Denen, die erwählt wurden, dem König von Preußen die Kaiserkrone anzubieten, war auch Rießer. Der Schmerz über das Mißlingen der großen Arbeit .war ein ungeheurer: aber er verzweifelte nicht. Noch immer konnte viel Gutes erreicht werden; die von dem König von Preußen vorgeschlagene neue Verfassung war gegen den frühern Zustand immerhin ein großer Fortschritt. Dieses Mal wählte ihn die Vaterstadt zum Abgeordneten in das Erfurter Parlament; während seiner Abwesenheit in Frankfurt war die Gleichstellung der Juden auf gesetzlichem Wege beschlossen worden. Auch in Erfurt stand Rießer in vorderster Linie, auch hier stand er ein für Recht und Wahrheit. Kleinmuth und Schwäche vereitelten auch dieses Werk, und die schlimme Zeit, die uns Allen noch so neu im Gedächtnisse ist, begann. Für Deutschland war im Augenblicke nichts mehr zu hoffen. Hassenpflng erschien wieder auf der Bühne, der Bundestag wurde reactivirt, und Gewalt und Willkür kamen zur Herrschaft. Gedrückt und getäuscht kehrte Rießer nach Hamburg zurück und nahm seine frühere Thätigkeit als Notar wieder auf: seinen Schmerz verschloß er in sich, nur wenige seiner Freunde hörten ihn über die Geschicke Deutschlands sprechen, und auch diese nur auf Momente. Selbst seine Feder bewegte er nur selten für politische Gegenstände; ein Aufschrei des ingrimmigsten Zornes gegen Haffenpflug ward in Cassel so laut vernommen, daß er ihm das hessische Land für viele Jahre verschloß. Hin und wieder legte er eine Lanze ein für seine Glaubensbrüder. Allmälig fand er sich auch in der unerquicklichen Gegenwart zurecht, besonders waren es die jährlich unternommenen größeren!,.

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