Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 21 auf das Jahr 5624 -1864
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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12 er, der Jude, als Vertreter einer Landschaft, in welcher bis dahin dem Gesetze gemäß kein Jude übernachten durfte. In Frankfurt trat eine neue Seite seines Talentes in das glänzendste..Licht, die Beredtsamkeit; mit derselben Meisterschaft, wie sie bisher in seinen Schriften bewundert worden war, handhabte er auch die freie Rede. Unbestritten war er einer der besten Redner im Frankfurter Parlament; er sprach mit der vollen Kraft der Überzeugung, aus der Wahrheit ging jedes seiner Worte hervor, die Festigkeit seines Charakters, der sittliche Muth adelten seine Rede. Handelte es sich darum, die politische Ueberzeuguug zur Geltung zu bringen, ihm fehlten nie die rechten Gründe, ihm stand immer der beste Ausdruck zu Gebote, und auch der Schmuck der Rede, die treffendsten Gleichnisse waren ihm zur passenden Zeit zur Hand. Galt es hingegen, dem Zorn über unsittliches Gebühren Luft zu machen, es war nie die niedere Leidenschaft des persönlich Gekränkten, die Tugend selbst und die Wahrheit liehen ihm die Worte, und jedes Wort war ein zweischneidiges Schwert. Als Moritz Mohl es wagte, die verrotteten Vorurtheile gegen die Juden auch in die Paulskirche zu bringen, wie mächtig klangen da Rießer's Donnerworte. Wie tief war sein Schmerz, wie stark seine Entrüstung, als nach dem Morde Auerswald's und Lichnowski's er zum ersten Male wieder die Rednerbühne betrat! Man hatte ihn zum Vicepräsidenten gemacht, und als solcher hatte er die Aufgabe, nach dem 18. September die Versammlung wieder zu eröffnen. In seiner politischen Gesinnung ging er mit dem linken Centrum, d. i. mit der Partei, die den vollen Fortschritt der Freiheit will, ohne durch ungestümes Drängen den Erfolg ihres Kämpfens in Frage zu stellen; neben dem reinsten Wollen die ruhige Besonnenheit. Nicht war es ihm und den Gesinnungsgenossen möglich, alles Gewollte durchzusetzen, die Wogen der Bewegung gingen noch zu hoch, und Viele meinten im ersten Sturm Alles erobern zu können. Wir finden Rießer unter Denen, die Weisheit und Selbstbeherrschung genug haben, um des Bessern willen das Gute nicht aufzugeben: