Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 21 auf das Jahr 5624 -1864
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4085237-9640998--176-4085261- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
B — 2 — bewahrt. Das Geschäft, das den Vater nach Lübeck geführt, war im Jahre 1816 beendigt, und er siedelte sich wieder in Hamburg an. Unter den Lehrern, die nunmehr auf Rießer's Bildung besonders wohlthätig einwirkten, ist vr. Heinrich Würtzer zu nennen, in dessen Hause er mehrere Jahre verlebte. Würtzer war ein Mann aus der französischen Schule des vorigen Jahrhunderts, der aber mit den Einseitigkeiten dieser Richtung das edelste Ge-- müth und einen unbestechlichen Sinn für Wahrheit und Freiheit verband. Diese wußte er seinem Zögling einzuflößen/ daß sie die Richtsterne für sein ganzes Leben wurden. Sehr früh gewann Rießer dadurch die Unabhängigkeit und Klarheit des Geistes, die ihn charakterisirten,..und wußte sich auch, eben sobald die Anerkennung dieser Eigenschaften bei Andern zu erobern. Als er die höheren Classen des Johanneums besuchte, konnte er sich nicht in die festen Formen des vorgeschriebenen Lehrganges fügen, und wenn ihn daher eigene Studien, die er früh und angestrengt unternahm, in andere Bahnen trieben, wurde er oft Wochen, ja Monate lang nicht in der Clafse gesehen: was Andern strenge Rüge, ja schwere Ahndung gebracht haben würde, ging an ihm ohne weitere Folgen vorüber, nur selten wurde von den Lehrern eine meist scherzende Bemerkung darüber gemacht, denn sie wußten, daß nicht Leichtsinn oder Unsittlichkeit das Motiv war, sondern die Reise seines Geistes, die seinen Jahren vorauseilte. Bei seinem Scheiden von der Schule bekundete er denn auch durch eine in griechischer Sprache gehaltene Abschiedsrede sein ernstes Studium. Er war kaum achtzehn Jahre alt, als er die Universität bezog, um der Rechtswissenschaft sein Leben zu weihen; in Kiel vorbereitet, fand er in Heidelberg die erwünschten Führer für seine Studien, Thibaut und Mittermaier. Thibaut hatte in einer berühmten kontroverse seiner Zeit den Beruf vindicirt, die Gesetzgebung mü dem Rechtsbewußtsein des'Volkes in Einklang zu ^bringen, und lehrte in'diesem Sinne; Mittermaier strebt'noch heute in.hohem..Alter dahin, die deutschen.>Gesetze durch Zurücksührung auf die ewigen Principien des mit uns gebörnen Rechtes .MN