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Soncino-Blätter · 1925-01-01 · I. Band 1925-1926 · p. Seite 221

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Journal
Soncino-Blätter
Volume
I. Band 1925-1926
Date
1925-01-01
Page
Seite 221 (sequence 240)
Language
German
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diefen Fundamentalbegriff feiner Philofophie gefunden. Hiermit hat die Liebesphilofophie des Leone Ebreo ihren Weg ausgemeffen. Ziel jedes menfchlichen Begehrens" ift Genuß in der Vereinigung T^1~~T:iBtt der begehrten Sache. ZieljiexLjebeJlej^Univerfums zu Goft ift die letzte Vervollkommnung des Univerfums. Diefe befteht in der Zurückführung des Gefchaffenen in den Schöpfer. Die höchfte vervollkommnende Tätigkeit ift liebende Erkenntnis. Das Univerfum erfehnt unendlichen Genuß gemäß der unendlichen Schönheit Gottes, und auch Gott genießt in Freude die Vervollkommnung der Schöpfung. So ift alles Sein zufammengefchl offen in einem Kreislauf der Liebe (Circolo amoroso), der von Gott hernieder zur Materia prima Zeugung und wiederum hinauf Gotteinung bedeutet. „Ohne Liebe und Vermehren in die" höchfte Schönheit, Wäre 65 unmöglich, daß die Dinge herausträten in Schöpfung, fich entfernten von der Gottheit: denn ohne väterliche Liebe und Zeugungsbegehren, ähnlich dem göttlichen, wäre es unmöglich, daß der eine Grad des Seins gezeugt hervorginge ^aus dem anderen, höheren, und fie fich entfernten von der Gottheit, von Stufe zu Stufe einander folgend bis zur Materia prima. Und ebenfo wäre es fonft unmöglich, daß die gefchaffenen Dinge fich wieder mit der Gottheit vereinen und jenen höchften Genuß erwerben könnten, in dem die Vollkommenheit und das Glück des ganzen Weltalls befteht und dem fie unendlich fern find in der Materia prima - Wenn nicht die Liebe wäre und dasVerlangen, in die Gottheit zurückzukehren als in ihre letzte Vollendung; und dies Verlangen ift es, was fie bis zum letzten beglückenden Akt des Alls leitet, zum erkennenden Genuß." (Blatt 201a der italienifchen Ausgabe, Venedig 1549.) Die eigentümliche Grcnzftellung diefer Philofophie zwifchen der. jüdifchen und der chriftlichplatonifchen Gedankenwelt, die Auflöfung des traditionellen jüdifchen Gottesbegriffs in der Flut einer neuplatonifchen Myftik brachte es mit fich, daß diefes feltfame und fchöne Buch in der jüdifchen Geiftesgefchicht-p nhnp alle Nachwirkung blieb und in hebräifchem Gewände erft im 19. Jahrhundert ans Licht treten konnte,währcnd es in der europäifchen Philofophie lange Zeit den größten Einfluß ausübte. Aber feine myftifche Inbrunft und fein geiftiger Adel verdienten es, daß wir uns feiner wieder erinnerten; es ift das Denkmal einer bedeutfamen Begegnung zwifchen dem jüdifchen und dem abendländifchen Gcift. ■ 1 221

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