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Soncino-Blätter · 1925-01-01 · I. Band 1925-1926 · p. Seite 201

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Journal
Soncino-Blätter
Volume
I. Band 1925-1926
Date
1925-01-01
Page
Seite 201 (sequence 220)
Language
German
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) Aufklärungsbewegung in England und Europa. In allen Zweigen der menfchlichen Gefittung, in Wiflenfchaft und Erziehung, Staat und Kirche tritt er dafür ein, die Herrschaft derJVutorität zugunften der Vernunft aufzuheben. In feinen Briefen Ifracl in der Mitte des Jahrhunderts feinen Fuß gefetzt hatte. Die Univerfität Cambridge hatte fchon ein Jahrhundert früher, dadurch daß fic den um die fcebräifchcn Drucke in Isny verdienten Straßburger Theologen EaiilEagiuslherufen hatu^ über Toleranz verficht er, fichcrlich weniger mit dem Herzen als mit dem Verftande, die allgemeine religiöfeDuldung und verlangt,daß keine rcligiöfc Anficht und Gemeinfchaft, weder Juden noch Mohammedaner nochHeidcn ihrer Religionwegen von dem Staatsbürgertum ausgefchloflen fein follen. Wenn fich trotzdem fürs erfte die rechtliche und föziale Stellung der Juden auch nochnichtänderte, machten fich doch die Folgen des Humanismus fchon ftark bemerkbar, und ein tieferes Verftändnis für die Größe Ifraels und für feine rcligiöfen Urkunden gewann" an Raum. Gerade in den Kreifen der Gelehrten und insbefondere in denen der lutherifchen Orthodoxie gewahren wirim 17.Jahrhundert einen fo ungeheuren Umfchwung, daß die Kenntnis der rabbinifchenLiteratur geradezu einen Teil der allgemeinen literarifchen Bildung bedeutete und daß es insbefondere rür die Theologen als „Schande galt imRabbinifchen unwiffend zufcinU7. Was führende chriftlichc Gelehrte des 17. Jahr-, hunderts in Deutfchland und der Schweiz, in Holland und England auf biblifchem und rabbinifchem Gebiete geleiftethaben,kann nochheute fehrwohl in derKonkurrenzbeftehen,vonderFlutderÜberfetzungen mifchnifcher und talmudifcher Traktate und Abfchnitte fowie der Abhandlungen über biblifcheundnachbiblifchejüdifcheThemen,deren Titel mehrereBände füllen würden, ganz zu fchweigen. Es gab damals nur wenige Theologen und wohl keine. Univerfität von Rang, die^nicht jüdifche Lektoren zur Unterweifung im Hebräifchen und in der rabbinifchen Literatur eingeftcllt hätte8. , Die gleiche Anfchauung vertraten natürlich auch die gelehrten Kreife Englands, in das Manafle ben bewiefen, wie fehr fic die rabbinifchen Studien fchätzte, und die 1655 erfolgte Berufung John Lightfoots zum Vizekanzler der Universität zeugte wiederum von der Wertfehätzung der hebräifchen Studien. Bcfondcrs ftark aber war das InterefTe für die Rabbinica in Oxford. Der Leiter der Bodleiana und fpäterc Bifchof von Lincoln, Thomas Barlow trat freimütig für die Wiederzulaflung der Juden in England ein:', und er fowohl wie feine Vorgänger und Nachfolger an der Bibliothek betrieben mit weitem Blick die Mehrung bcfondcrs der hebräifchen Haridfchrfftenfchtttze der ihnen unterftcllten Sammlung10. Die Univcrsitas litterarum hcrrfChte an diefer Hochfchule, zu dcllen Zierden der gelehrte Hcbraift und Arabift Edward Pococke gehörte, in fo wahrem Sinne, daß auch die Naturwjflenfchaftler-ich nenne nur den Autonomen Bernärd11 - mit Begciftcrung für die Pflege der rabbinifchen Literatur eintraten. John Locke, der Schreiber des vorliegenden Briefes, war perfönlich an diefen Studien im einzelnen weniger interefliert; er war aber ein alter Oxforder. Seit feinem 19. Lebensjahre gehörte er diefer Hochfchule an, der er ftets treu geblieben ift; Edward Pococke war zwar nie fein akademifcher Lehrer, wohl aber fein größter geiftiger Wohltäter und väterlicher Berater während feiner Studienzeit gcwefen12, dem er bis in den Tod ein ehrfurchtsvolles Gedenken bewahrt hat", und endlich verhand ihn eine innige geiltigc Freundfcluft mi ihm kongenialen großen Oxforder Naturwiflcnfchaftler Robert Bovle", dclTen Interefle an theo^ * IpgifchenFragcn, wie wir fehen werden, ein außerordentlich bedeutendes war. So erklärt es fich, daß Locke nach feiner Rückkehr aus Frankreich

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