Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- I. Band 1925-1926
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 214)
- Language
- German
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von meiner Lefung Mitteilung gemacht habe und dem ich für feine freundliche Mithilfe hierdurch nochmals beftens danke, ftimmte urfprungKch meiner NTerrmmmg-zttHfätCf— glaubte er jedoch in den drei Buchftabenkomplexen die Worte „aber vor Hatten" d. h* „aber früher wohnhaft in Hatten" wiederzuerkennen. Ich muß jedoch geftöhen, daß mir diefe Lefung noch gewagter zu fein fcheint. Schon ein flüchtiger Blick auf die beiden Auffchriften zeigt, daß die auf der Rückfeite fchlechter, jene unter dem Titel dagegen forgfältiger gefchrieben ift. Ich glaube daher nicht fehlzugehen, wenn ich annehme, daß unfer abfonderlicher Schreiber zuerft von ungefähr auf der Rückfeite mit feinen hebräifchen Kritzeleien angefangen hat und erft fpäter, als er feine Niederfchrift als nahezu gelungen anfehen zu können glaubte, gewiflermaßen die Reinfchrift dazu unter dem Titel angefertigt hat. Die forgfältfgere Form der einzelnen Buchftaben auf der Titelauffchrift, die gepflegtere Gruppierung des Ganzen zu einem Rechteck, die dadurch notwendig gewordene Ausfüllung der Lücken mit Füllworten (wie trSttSt, PPBysK, 'S'b'rvn) und die Umrahmung des Ganzen mit den vielleicht abfichtlich gcwählten Kreuzen fcheinen mir diefe meine Vermutung glaubhaft zu machen. So vermögen wir ^war durch aufmerkfame Prüfung der beiden befcheidenen Auffchriften manche Einzelheiten über unferen Schreiber feftzuftellen - wie aber kam er überhaupt dazTi,"^rne^hebräifched^otiz auf das Buch zu fetzen? Wäre er wirklich in der Lage gc wefen, die Epistolae adagiales des Faustus Andrelinus lateinifch zu lefen, hätte er fich deflen als getaufter Jude beftimmt in lateinifchen Worten gerühmt. Sicherlich aber hat er lateinifch entweder gar nicht oder noch viel weniger verftanden als das Mebräifchc, von dem er bei aller Schauerlichkeit feiner Schreibungen doch wenigftens eine Ahnung. > gehabt hat. Und fo hat er eben in diefer Sprache in der Laune eines Augenblicks feine Notiz auf das Buch gefetzt, die, wie ich meine, keine andere Bedeutung haben kann als nur die, ihn als den Befitzer des Buches zu bezeichnen. s ANMERKUNGEN 1 Der genaue Titel lautet: P. Fausti Andreiini Foroliviensis [d. i. aus Forli] . . . Epistolae provcrbiales et morales ... ex secunda recognitione. (Argentorati ex aedibus Mathiae Schurerii Selestatini [d. i. Mathias Schürer aus Schlettftadt; vgl. über ihn Heitz: Elfäflifche Büchermarken. Straßburg 1892 S. XVIII], . mense decembri, anno MDXIII). 5 Vgl. Scheid: Histoire desjuifs d'Alsace (Paris^18^7}- S. 79 und 102, wo Winzenheim als Judengemeinde gerade für eben diefe Zeit bezeugt wird. S. 158 fr. wird fogar eines Judenfchutzerlafles aus dem Jahre 1526 gedacht und gefagt, daß Winzenheim der einzige Ort der Reichsvogtci Kcyfersbcrg gewefen-fei, in dem immer Juden gewohnt hätten. \ ' Vgl. Scheid i. a. O. S. 59, 78, 86,4rü, wo Obcrbcrgheim als Judengemeinde gerade in jener Zeit genannt —wild. EHW-dex-Erbe ^Zeitgenoflen unferes Schreibers, war dort Rabbiner. 195 ^-