Mannheim
Compact Memory

Soncino-Blätter · 1925-01-01 · I. Band 1925-1926 · p. Seite 171

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Soncino-Blätter
Volume
I. Band 1925-1926
Date
1925-01-01
Page
Seite 171 (sequence 190)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
81% known words query
IRI
…/3983568-8587096--192-3983757
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

HEBRÄISCHE DRÜCKE UND DRUCKER AUS GROSSPOLEN VON RABB. DR. LOUIS LEWIN, BRESLAU Während die hebräifchen Druckereien der,kleinpolnifchen Metropole Lublin1 und Krakau* ihre Monographien-'bereits gefunden haben, ift man aus den großpolnifchen Judenftädten ohne zufammenfaflende Nachrichten über diefe „heilige Arbeit". Tatfächlich ift aus den eigentlichen großpolnifchen Ghettis nicht ein einziger Druck aus polnifcher Zeit mit abfoluter Sicherheit nachzuwgifen. Die bisherigen Mitteilungen hierüber find irrig. Das erfte gedruckte Buch jüdifchen Inhalts, dem wir in Großpolen begegnen, ift eine „Hyftoria Hebreorum" und „Jozephus de captivitate Judaica", die in einem Bücherverzeichnis des Pofener Bifchofs Johann Lubranfki aus dem Jahre 1521 genannt werden3. Nach Hollaenderfki und Sternberg, deren Gewährsmänner Czacki und Lelewel find, hat Aron aus Kazimierz 1557 in Gnefen mit Erlaubnis des dortigen erzbifchöflichen Konfiftoriums fein Buch „Jad chafaka" oder feinen Kommentar zum Jad chafaka drucken laßen. Aber Czacki verftand kein Flebräifch, Lelewel ift unzuverläflig. In Gnefen hat nie eine hebräifche Druckerei beftanden, und ein Buch oder Kommentar „Jad chafaka" diefes Aron ift in der jüdifchen Literatur unbekannt«. Eine nicht detaillierte Nachricht will willen, daß um die Mitte des 16. Jahrhunderts eine hebräifche Druckerei in.Pofen beftanden habe5. Seit etwa 1578 druckte hier der Chrift Johann Wohlrabe, in deflen Offizin auch hebräifche Werke hergeftellt wurden,:. Nach dem Ausfterben diefes Druckergefchlechtes im Jahre 1636 übernahm Albert Regulus das Unternehmen, der in jüdilchen Quellen als is*D, Leugner der jüdifchen Religion, bezeichnet wird. Das kann nichts anderes als Renegat bedeuten. „Ein wiflenfchaftlich gebildeter Mann, der Lehrer am Lubranfkifchen Kollegium und Notar beim Konfiftorium war. Die Werke, welche feiner Prefle entflammen, find faft ausfchließlich [chriftlich-] theologifchen Inhalts." Von 1636-39 druckte er JähT für Jahr^vor den Faften gegen die Juden. 1Ö39 wurde fein Pamphlet an den Kirchen befeftigt und entflammte einen gewaltigen Judenhaß. Befonders in den kleinen Städten machte dies einen üblen Eindruck. Am 9. Niffan 1639 befchloß die Pofener Kahalsbehörde, daß die Vorfteher zwei Wochen vor den kommenden Faften zum Bifchof gehen und ihm zehn ungarifche Dukaten fowie Gewürze geben follten, da er Gewürze allein nicht gern nehme. Auch wenn er zwanzig Meilen entfernt fei, folle man fich bei ihm bemühen, daß.dergleichen nicht mehr gedruckt werde. V

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.