Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- I. Band 1925-1926
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 174)
- Language
- German
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MORITZ STEINSCHNEIDER DER VATER DER HEBRÄISCHEN BIBLIOGRAPHIE VON PROF. DR. I. ELBOGEN, BERLIN /" ' 7 - ^vT; v ■ " ■ " Dem Bibliographen flicht die Nachwelt keine Kränze, feine Arbeiten find ihr zu trocken, zu wenig anregend. Wer freilich einmal einen nicht alltäglichen Druck braucht und die Mühe kennt, ihn genau feftzuftellen und herbeizufchaffen, ift für jede Hilfe dankbar, die ihm durch diefe „Kärrnerarbeit" geboten wird; fchließlich bildet eine zuverläffige Bibliographie das Rückgrat jeder hiftorifchen Forfchung. Mit der jüdifehen Bücherkunde - im" Weiteiten Sinne des Wortes - ftand es befonders arg, ehe Möritz'Steinfehneider fie auf eine wiflenfehaftliche Grundlage Hellte. Man Toll den Fleiß und die Umficht der- Bibliographen des 18. Jahrhunderts nicht unterfchätzen, aber ihnen ftand meift nur ungenügendes Material und unzureichendes Witten zu Gebote. Eine jüdifche Bibliographie auf wiflenfchaftlicher Grundlage konnte erft auf der kritifchen Erforfchung der jüdifehen JLirprarnr begründet weiden. Auch hier hatte Steinichneider Vorgänger: Leopold Zunz' Buch „Zur Gefchichte und Literatur" enthält einen Ablchnitt „Bibliographifches", der auffchlußreiche Unterfuchungen und wichtige methodifche Anregungen bot (S. 214-303), aber er rührte nur an wenige Einzelfragen. Moritz Steinfehneider gebührt der Ruhm, diefes Gebiet der jüdifehen Bücherkunde während eines ungewöhnlich langen arbeitskräftigen Lebens (er i(t 1816 geboren, i907geftorben) mit einer unvergleichlichen Emfigkeit und Entfagung, mit einer einzig daftehenden Bildung und Gelehrfämkeit nach allen Seiten hin angebaut und bearbeitet zu haben. An der reichften und vielieitigften Sammlung, die damals bekannt war, erwarb er fich die Sporen. Sein Verzeichnis der hebräifchen Druckfchriften der berühmten Oxforder Bibliothek [Catalogus librorum hebraeorum in Bibliotheca Bodleiana, Berlin 1852-1860.] ift das Standard-Work der hebräifchen Bibliographie geworden - nicht nur feines nie wieder erreichten Umfangs (es zählt 232 Seiten und 3100 Kolumnen), fondern feines reichhaltigen Inhalts halber. Der Verfafler begnügt fich nicht mit der Aufzählung von Büchern, der Angabe ihrer Befchaffenheit und ihres bibliographifchen Wertes, mit einer Überficht über Druckorte, Drucker und allem, was in das Gebiet der Typographie gehörter bringt auch tiefgründige Unterfuchungen über die Verfafler der Bücher, über ihre der Bodleiana fehlenden oder gar nur handfehriftlich vorhandenen Werke, fo daß diefer Katalog ein Kompendium der gefamten jüdifehen Literatur geworden ift. Dabei find die Angaben fo knapp, fo anfpruchslos zufammengedrängt, daß ihre weitere Bearbeitung hinreichte, ganze Bücher zu füllen. Wie diefes monumentale Werk bei den Druckwerken nicht ftehen blieb, fo befchrieb Stcinfchneider fpäter die Handfchriften der bedeutendften Bibliotheken des Feftlands: Leyden, München, Hamburg und Berlin er-