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Soncino-Blätter · 1925-01-01 · I. Band 1925-1926 · p. Seite 89

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Journal
Soncino-Blätter
Volume
I. Band 1925-1926
Date
1925-01-01
Page
Seite 89 (sequence 105)
Language
German
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BIBLIOPHILE KRITIK Was ist bibliophile Kritik? Wir wollen ein* der Soncino*Blätter interessieren; wenn leitend diesen Begriff ein für allemal um« wissenschaftliche Kritik über Bücher ausdem grenzen. Das Übliche und Gebräuchliche ist Gebiete jüdischer bibliographischer Theorie die Analyse eines Buches hinsichtlich seines und verwandter Gebiete berichten wird, — Inhaltes, seines literarischen oder wissen* so halten wir es für angebracht, daß ernste schaftlichen Wertes. Wir hingegen wollen buchkünstlerische Bestrebungen auf allen im Rahmen dieser Ausführungen völlig da* Gebieten »nd in allen Zweigen, soweit sie on absehen, wollen lediglich d5s_Gewand~sich uns~3ärbieten, un|d soweit aus ihnen zu betrachten, in dem sich das Buch uns dar* lernen ist, ihre Berücksichtigung finden bietet, und nur dieses Angehendster Prüfung (wohl gemerkt: Bücher können in doppelter unterziehen. Besteht eine solche Kritik zu Hinsicht lehrreich sein. Man kann aus ihnen Recht? Wir sagen ja. lernen, wie es zu machen ist, aber auch, wie Die Soncino «Gesellschaft der Freunde des manesnichtzumachenhat.unddasletztere— jüdischen Buches hat in der sehr kurzen Zeit man glaube dem Worte eines praktisch Er* seit ihrer Gründung einen Widerhall gefun* fahrenen — ist bisweilen das Wertvollere), den, wie ihn kaum irgendeine andere Ge* Und so sei niemand erstaunt, wenn er an Seilschaft ähnlicher Art je zu verzeichnen dieser Stelle Berichte über Bücher findet, die gehabt hat. Die Gründe hierfür: der Wider* vielleicht ihrem Text n?ch VHn beende™« sprach zadscbaa-ctet BcdrqtnHg des Huches Interesse tür die Soncino*Gesellschaft als Türdas Judentum und der mangelnden Wür* solche bieten. Dieser unserer Einstellung de seiner äußeren Form schreit zum Himmel, folgend, werden wir über die jüngsten Ar* und es gibt — wie sich gezeigt hat — viele, die beiten einiger deutscher Verlagsanstalten das Bedürfnis nach rascher und gründlicher ein paar Worte sagen. Abhilfe empfinden. Der wichtigste Teil unserer Aufgabe bleibt: Erziehung zum schö* Der ERNST LUDWIG*PRESSE gehört in nen Buche, wobei wir nicht etwa glauben, diesem Zusammenhang die erste Stelle, daß die Schönheit des Buches sich unbedingt Nicht deshalb, weil alle ihre Bücher stets decken müsse mit erlesener Kostbarkeit des restlos geglückt wären, und auch nicht ein* MaterialsundungewohnterHöhedesPreises. mal deshalb, weil ihre Bücher die allerbesten Es besteht in manchen Kreisen die Auf* sind, die Europa oder auch nur Deutsch* fassung, ein bibliophiles Buch müsse ein land gegenwärtig produziert, sondern weil kostspieliger Luxusartikel sein. Demgegen* die Ernst Ludwig*Presse die einzige ihrer über sei bemerkt: Was uns mangelt, ist vor Art ist, die dauernd experimentiert, die sich allem das Gebrauchsbuch, geschaffen in an*\ fortwährend an die Meisterung neuer und ständiger Werkgesinnung aus sicherem Stil* neuartiger Probleme wagt und dadurch zum gefühl und Schönheitsempfinden. interessantesten und wertvollsten Lehr« Und in der Tat: wem diese beiden Eigen* meister für jeden wird, der sich mit prak* Schäften fehlen, der muß sie teuer bezahlen, tischer Buchherstellung ernstlich beschäftigt. Aber: dem, der sie hat, kosten sie nichts. Und wenn durch dieses Streben nach immer Bei der Erziehung zu Schönheitsempfinden wieder neuen Lösungen manches Erzeugnis und Stilgefühl mitzuhelfen, liegt uns als dieser Presse im Endergebnis problematisch Wichtigstes ob. Und wenn literarische Kri* geworden ist, so scheint uns dies kein Mangel, tik sich mit denjenigen Erscheinungen und sondern im Gegenteil ein Vorzug zu sein. Neuerscheinungen der schönen Literatur aus* Als Sonderdruck der Soncino*Gesellschaft einanderzusetzen hat, die uns im Rahmen ist vor kurzem Das Buch Jona der Ernst 89

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