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Soncino-Blätter · 1925-01-01 · I. Band 1925-1926 · p. Seite 46

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Journal
Soncino-Blätter
Volume
I. Band 1925-1926
Date
1925-01-01
Page
Seite 46 (sequence 60)
Language
German
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liegenden Einblattdrucke. Im Gegenteil, gewisse optisch kühner aufgefaßte Stellen in den Haggadahblättern, so plastisch verdeutlichende Schraffen* lagen und ausdrucksvolle Charakterisierungen einzelner Personen machen es sicher, daß die Schnitte später als die zitierten Einblattdrucke anzusetzen sind. Zeitlich wären sie etwa vor die ersten venezianischen Buchillustrationen aus dem Anfang der achtziger Jahre des 15. Jahrhunderts zu setzen. Die eigenartige Zwischenstellung in stilistischer Beziehung, die die Blätter einnehmen, nämlich, daß sie einerseits ganz primitiv geschnitten sind, andererseits die Merkmale einer fortgeschritteneren Seh weise in der Modellierung der Formen aufweisen, läßt Schlüsse auf ihre Verfertiger, die Formschneider, zu. Die Merkmale sind dieselben, die beim späteren volkstümlichen Holzschnitt aufstoßen. Die handwerklichen Holzschneider bewahrten den Ton der Tradition, teils weil er ihnen lag, teils weil das Publikum es so wollte. Ein Beispiel aus neuerer Zeit sind etwa dieTaback* Packungen, die ganz noch den volkstümlichen Ton vergangener Zeiten anschlagen und deren Druckstöcke bis vor kurzem noch in der Technik lang verflossener Zeiten gefertigt wurden. Die Formschneider der Haggadah* blätter waren zweifelsohne schlichte Handwerker, die in ihren Gebilden im schlichten Volkston redeten, ^sich aber schließlich dem Zeitgeist, der sehr fortgescrmtteTien großen Malerei Italiens nichtverschließen konnten. Dieser hat die gute Modellierung ühcT cfie plastische Wirkung neben der primitiven Form verursacht. Hier entsteht die Frage, waren die Form* Schneider^uden? Es scheint kein Grund vorliegen zu müssen, dies zu fordern. Wie christliche Buchmaler ifhd Miniaturmaler des öfteren beaufs tragt wurden, hebräische Kodizes auszuschmücken werden auch in diesem Fäll Formschneider, deren es eine gute Anzahrwie überall im Abendland^ so auch in Venedig um diese Zeit gab, zu diesem Auftrag herangezogen worden sein. Sicher wurden Hinweise und Anleitungen gegeben, dafür scheinen einzelne Details zu sprechen. Im ganzen aber reinen sich die Blätter doch so ins Holzschnittwerk der Zeit ein, daß man nicht von einem andersartig anmutenden Stil sprechen kann. Wie schon angedeutet, scheinen die Stöcke auf einzelne Blätter mit dem Reiber gedruckt zu sein, so daß die Rückseite leer blieb. In der Art der Blockbücher mögen sie zu einem Heft vereinigt worden sein, zu einer Haggadah, wahrscheinlich wurde unter die_Darstellungen ein Text ge* schrieben. Bestimmt weiß man das nicht, Üer reichliche weiße Rand, der bei dem einen Blatt an der unteren Seite noch stehen blieb, scheint dafür zu sprechen. Die beiden beschriebenen Blätter sind die einzigen der Serie, die bisher aufgetaucht sind, vielleicht klärt ein späterer Fund den Fall dieser sehr frühen Haggadahholzschnitte weiter. 46

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