Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- I. Band 1925-1926
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 59)
- Language
- German
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________________ _ ■ .: * - :•--------!-——--------' VENEZIANISCHE HAGGADAH. HOLZSCHNITTE AUS DEM 15. JAHRHUNDERT "DR, ERNST WEIL, MÜNCHEN-— — —■--~ " '" ' ■ . '; : . ,. " -' ■'; . ' r - ' ,>;• -■ \ «• . . /- ■ . _ . f. Jahrzehntelang noch liefen Buchdruck und Xylographie nebeneinander her. Wir kennen eine ganze Reihe von Blockbüchern, die in den Nieder* landen, in Deutschland oder in Italien zu einer Zeit entstanden sind, als der Buchdruck längst eine gewöhnliche und allgemein bekannte Tatsache geworden war. Alle diese Blockbücher haben das gemein, daß sie sich nicht wie die wirklichen Frühdrucke an ein durchaus hochgebildetes und gelehrtes Publikum wenden, sie suchen vielmehr Leser im Volk. Der Text ist zumeist durch einfache und augenfällige Darstellungen erklärt und ver* sinnlicht; es gibt Blockbücher, die nur eigentliche Bilderfolgen sind. Ein* zelne Exemplare solcher Bilderfolgen mit einem handschriftlichen Text haben sich erhalten; die Forschung nennt sie chiro^xylographische Drucke. Die beiden frühen Holzschnittillustrationen zu einer HaggadahrdieTmiolr genden besprochen sind, scheinen einem ähnlichen Werk anzugehören. Jeder der beiden Holzschnitte ist zweigeteilt; die sehr primitive Darstellung ist in rot, hellbraun, grün und violett altkoloriert. Die Holzschnittgröße ist je 229x145 mm, also etwas größer als die beigegebene Abbildung. In dem einen Fall sind das Passahmahl und das Bestreichen der Türen mit Lamms blut, in dem anderen das Sterben der Erstgeborenen und die Ägyptische Finsternis dargestellt. Beide Blätter waren in den Einband eines italienischen Manuskriptbandes eingeklebt. Alle stilistischen Merkmale deuten ohne jeden Zweifel auf Italien als Entstehungsland. Ein Vergleich mit einem im Berliner Kupferstichkabinett bewahrten venezianischen Blockbuch der Passion Christi und mit einer Reihe in diesen Kreis zu verweisender früher venezianischer Einblattholzschnitte ermöglicht, diese Blätter nach Venedig zu lokalisieren.1 Die summarische Art der Gewandzeichnung, der Gesichts? schnitt, die ganze vereinfachte Zeichnungsart ist diesen Blättern mit jenen venezianischen Einblattdrucken gemeinsam. Andererseits wirkt der Schnitt der Haggadahbiätter archaischer als der der genannten Holzschnitte. Es wäre verfehlt, daraus den Schluß ziehen zu wollen, daß die Haggadah* blätter früher zu datieren wären als das Blockbuch und die etwas später 1 Vergleiche Kristeller, Jahrbuch der Kgl. Preuß. Kunstsammlungen, XXII (1901); Prince d'Essling in Gazette des Beaux Arts 1903; Ders.. Les Livres a figurcs vcniticns, Vol. I, 1907; Kristeller, Venezianische Holzschnitte, Graph. Gesell« schaft, IX, 1909. ' 't 45