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Soncino-Blätter · 1925-01-01 · I. Band 1925-1926 · p. Seite 40

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Journal
Soncino-Blätter
Volume
I. Band 1925-1926
Date
1925-01-01
Page
Seite 40 (sequence 50)
Language
German
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Was uns hier ganz besonders interessiert, ist der Umstand, daß oberhalb des Mittelfeldes die vierte Seite des Rahmens in zwei Reihen die Ins schritt trägt: n jap -an -io -pton — j:npfttrnjK]pyS jtd ^/h-a^so: Hutikh bor (= vor) der kazn, di born (= vorn) lekn un hintn krazn. Es ist dieser Spruch nicht gerade selten1. Aber daß er hier von einer wohl jüdischen Hand in das ad hoc ausgesparte Feld eingeschnitten worden ist, dürfte beweisen, daß der Deckel ehemals einen anderen als den jetzigen Inhalt umgeben hat. Heute umschließt der Einband nämlich die Expositio super epistolas et evangelia des Haimo Halberstadensis (-Wiener Pergamenthandschrift Nr. 919), einen Kodex aus dem 12. Jahrhundert. Es zeigt aber die erste Seite der Handschrift zwei verschiedene Bibliotheksstempel des ehemaligen^ im württembergischen Öberamte Biberach gelegenen Klosters Ochsens hausen. Dort ist denn auch diese Handschrift^des XII. Jahrhunderts im XV. Jahrhundert in die Deckel gehängt worden, von denen sie jetzt noch umschlossen ist; denn Pergamentstreifen, die zum Einhängen gebraucht wurden, zeigen in der Schrift des XV. Jahrhunderts zweimal den Namen Biberach. Alte Einstichlöcher für den Heftfaden beweisen,, daß der jetzige Einband der zweite^EinbancHst. Mit Recht vermutet Gottlieb daher, daß die hier in Frage stehenden Deckel, die aber gleichfalls nach Süddeutschland gehören, noch älter sind als das XV. Jahrhundert, und daß sie von einer Handschrift mit hebräischem Inhalte heruntergenommen sein könnten. 9 s Berlin, Preußische Staatsbibliothek. Einband um Ms. theol. lat. fol. 309 - Rose 406. In runden Medaillons finden sich auf beiden Deckeln groteske Tiere, deren Zungen in Blätter auslaufen, und deren massige Leiber durch eine Art vers zierter Gurte zusammengehalten werden. Auffallend ist die Stellung dieser Tiere in den Medaillons. Auf dem Vorderdeckel sind von den sechs Tieren drei dem Beschauer zugewendet, drei aber abgewendet, während auf dem hinteren Deckel alle sechs Tiere sozusagen auf dem Kopfe stehen. Nach der Schlußschrift ist der Kodex, den dieser Einband umgibt, und der des Guilelmus Lugdunehsis Summa vitiorum enthält, von dem Brans denburger Kanonikus Matthias von Seieser (d. i. Ziesar) im Jahre 1385 vollendet worden. Sollte also etwa ein jüdischer Buchbinder in Brans 1 Theodor Gottlieb' weist auf einen Aufsatz hin, in dem Wilhelm Ludwig Schreiber sich über diesen Spruch mit Beziehung zur graphischen Kunst verbreitet. Vergleiche Beiträge zur Kenntnis des Schrift», Buch« und Bibliothekswesens. Heraus» gegeben von Karl Uziatzko- V. (= Sammlung bibliothekswissenschaftlicher Arbeiten. Heft 13.) Leipzig 1900. Seite 77 ff. 40

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