Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- I. Band 1925-1926
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 48)
- Language
- German
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einanderstehendei kreisrunder Rahmen auf, in denen groteske Tiere zu sehen sind. Im unteren Rahmenteil aber stößt ein mit einem Hasen* bzw. Eselskopfe versehener Mensch einem von rechts herandringenden Bären, .den ein Hund hetzt, die Lanze in den Rachen. Zur Linken des Mittelfeldes kämpfen gegeneinander ein geflügelter Drache und ein Vierfüßer, der seinen auf langem Halse sitzenden Kopf zwischen Vorder? und Hinters beinen hindurch unter dem Schwänze hervorstreckt; zur Rechten des Mittels feldes greift ein noch komplizierterer Drache ebenfalls einen Vierfüßer an. Die obere Partie der inneren Ümratimung endlich zeigt einen knieenden Mann mit spitzem Barte und in langer Kapuze, der einem Fabeltier, das ebenfalls von rechts her auf ihn eindringt, einen Speer in den Rachen stößt. Im übrigen weisen das Ganze sowohl wie auch einzelne Teile sehr große Ähnlichkeit auf mit dem Einbände unserer Nr. 4. Zum Inhalte aber hat der Lobkowitzsche Einband eine hebräische Bibels handschrift aus dem XV. Jahrhundert. ■ ' 7- " 7 München, Bayerische Staatsbibliothek. Einband um den Cod. hebr. 212 \ Cimel. 140. Siehe unsere Tafeln 2 und 3. Die Handschrift, die dieser Einband umschließt, ist ein unpunktiert entateuch.^Es sincT13T Blätter Pergament, und die Schrift ist, eine große alte Quadrata. Was den Schmuck der Deckel angeht, so sehen wir auf jedem derselben außer den vier Eckbeschlägen auch in der Mitte je eine Metallverzierung. Zwei^khließenhalten das Buch zusammen, geben dem Ganzen Halt und suchen das Eindringen von Staub und Insekten zu verhindern. Interessant ist vor allem die Lederschnittarbeit. Wir sehen hierbei zwei verschiedene Elemente vereint. Es zeigt nämlich einmal der Schaudeckel in dem Mittelfelde inmitten von Rankenwerk einen stark gehörnten Hirsch, der selber nicht gerade wohlproportioniert wiedergegeben ist. Darüber aber steht das Wappen von Nürnberg, alles in allem eine gute Leistung. Es erinnert dieses Mittelfeld in seiner Komposition an jene schönen Stücke, jiiejQtto Mitius irLseinem Buche über »Fränkische Lederschhittbände des XV. Jahrhunderts2« abgebildet und beschrieben hat, nur daß hier bei unserem Einbände eine Arbeit des XVI. Jahrhunderts vorliegt. Jüdisch ist auf dem Schaudeckel eigentlich nur die Reihe der hebräischen Buchstaben, die recht geschickt in che Umrandung des Mittelfeldes hineihs gestellt sind. Verständlich sind davon zwar bloß die ersten fünf Buchstaben 1 Vergleiche Catalogus codicum manu scriptorum Bibliothecae regiae Monaccnsis. T. 1, p. 1, Seite 94. 2 Leipzig 1909 (= Sammlung bibliothekswissenschaftlicher Arbeiten. Heft 28). 38