Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- I. Band 1925-1926
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 11)
- Language
- German
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das ist das Leben nicht. Ihm ist eigen, daß der Tod es unablässig abgrenzt, und die großen Trunkenheiten sind die nächtlichen, Sternenhimmel, die zum Lehen gehören wie in die Nachtseite der N«ilui'. Daher v^eicKnefT wir die Gefahren der Bücher, aber wir beklagen sie nicht. Man muß nicht das Vernünftige im Hausbackenen suchen* Das Vernünftige der Natur enthält die ungeheuerlichste Verschwendung der Lebenskeime in sichohne den tausendfachen Abgrund, in den die Einzelnen und die Entwürfe zu Einzelnen unablässig stürzen, wäre das Leben längst erloschen. Das Gefährliche gehört zur großen Vernunft... Die*Seele des Juden, solange er jung ist, erliegt der Verführung und Gefahr des Buches allzu oft — oder erlag ihr allzu oft. Den Körper verleumdend und entwertend, floh der junge Tudegar zu gern in die Zone des gedruckten Lebens, um sich für die Niederlagen im Körperlichen zu entschädigen. Lesen befreite ihn aus der verfluchten Gegenwart, in der er Paria war; im Reiche des Gelesenen, Gedruckten, Geschriebenen war er Sieger und billig erlauschter Prinz. Und so kam er zu Schaden an seiner Seele, vor^allem, an thriy nicht nur^mr T pihp^-Alw^hiild rlamirwafr der Zustand HftrTr^pT ^as tausendjährige Mittelalter, das lange Galuth, und wenn er am Res* sentiment erkrankte, wie der katholische Scheler einmal anmerkt, so war dies nicht sein Aussatz, sondern der Europas, das zu verfluchen der Jude Anlaß genug hat. AH die weißen Völker und ihre Geistigkeit, kostbar und erhaben in die Seele des jungen Juden gebrannt, indes ihre Niederträchtig* keit ihm den Leib ätzte und den Charakter stahl, ihm das eigene^Selbst verdächtigte, das Wesen aushöhlte und ihn füllte mit gojischen Übers legenheiten, ihm gezeigt und verboten mit vornehm gerümpfter Stumpfs nasel Und wenn dem jungen Juden dann, vom Wettbewerb des Lebens weggejagt, erst Gift und Kraft des überreizten und überfütterten Gehirns den Eintritt in ihn vom Geiste her ermöglichte: welche Flucht der jungen Jüdin zu dem normalen Nichtjuden, welche Ablehnung des in den Geist Gezwungenen durch die Völker, die ihn da hinein erst zwangen 1 Das Gift des Buches, genannt Flucht vom Leben, Flucht ins Lesen, in die Phantasie ohne Schöpferkraft, in die abstrakte Überlegenheit, in die Verkümmerung und Verleumdung des Lebens: das war Gift des Galuth; und erst als die Jugend das Galuth^nnerlich überwand und zugleich mit dem Leibe das jüdische Land als Ideal, entdeckte, ward zur Entgiftung des Buches der erste Schritt, gegen die Hypertrophie des Kopfes das Ents scheidende gefunden. Der Jude, der nicht mehr ins Buch flieht: der erst lernt richtig lesen. Gehe es ihm nicht wie dem Deutschen, der um 1860 aufhörte, ins Buch zu fliehen — und dann aber auch gründlich ihm und dem Geiste entfloh, üm bei 1914 zu landen: Zusammenbruch des Geistes '-:.zzz--—---^r:~~' V—;■■ . .;