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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-08-01 · 8 (1.8.1938) · p. Seite 8

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
8 (1.8.1938)
Date
1938-08-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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14. IhraVNr. 1, Hi Hiiiw /NwdJ—lnM—4 ffM gewerbetreibende erteilten V ander- Gewerbescheine am 30. September 1938 ihre Gültigkeit und müssen dann der Aueatellungsbehörde unverzüglich zurückgegeben werden. Da« gleiche gilt für Legitimationakarten und Stadthausierscheine, die an Juden ausgestellt worden sind. Damit sind Juden vom gesamten Wandergewerbe einschließlich des Stadthausiergewerbes sowie vom Berufe des Handelsvertreter», soweit dieser einer Legitimationskarte bedarf, ausgeschlossen, ln Ausnahmefällen kann der Beichswirtschaftsminister für bestimmte Gruppen der in § 44 Abs. 1 der Gewerbeordnung genannten Personen die Erteilung von Legitimationskarten mit einer Geltungsdauer bis zum 30. September 1939 zulassen. Idfianbamch und W^rtpaptorantoge* Auf Grund eines Erlasses des Reichswirtsehaftsministers vom 20. Juni 1938 sind Juden zum Besuch der deutschen Börsen und Großmärkte nicht mehr zugelassen. Jüdische Firmen können sich bis auf weiteres durch nichtjüdische Prokuristen oder Bevollmäch- Echo Vorbemerkung Im März dieses Jahres hatte der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden — ähnlich wie in den vergangenen Jahren regelmäßig vor den Feiertagen im Herbst und im Frühling — ein Rundschreiben an alle Gemeinden gerichtet, in dem dazu aufgefordert wurde, daß allen, jung und alt, arm und reich, in Groß-, Mittel- oder Kleingemeinde oder auch auf dem flachen Land, die Teilnahme an Peßachfest und Sederfeier ermöglicht werden sollte. Der Aufruf richtete sich diesmal aber, über ähnliche Rundschreiben in früheren Jahren hinausgehend, zum-erstenmal auch an „alle diejenigen, die von uns gegangen sind, um eine neue Heimat auf dem heiligen Boden Erez Jisraels oder sonstwo draußen in der weiten Welt zu finden Unter den vielen Zustimmungen, die dem Landesverband aus Gemeinden des In- und Auslandes damals zugingen, erscheint der nachfolgend abgedruckte Brief uns besonders bemerkenswert. Verfasser ist Herr Hans W ronski, jetzt in Cali (Kolumbien). Wir zweifelnmiettt daran, daß dieses „Echo von drüben“ bei unsern Lesern besonderes Interesse hervorrufen wird. ★ i An den Preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden Berlin-Charlottenburg. Ich erhielt vor wenigen Tagen den Durchschlag Ihres *m März dieses Jahres verfaßten Schreibens an alle Juden in fernen Ländern, dessen Eindringlichkeit mich so beeindruckte, daß ich es nicht verfehlen möchte. Ihnen umgehend meinen allerherzlichsten Dank auszusprechen. Obwohl es ja kein Geheimnis ist, daß das Judentum in Deutschland sich in den langen Friedenszeiten und auch nachher, inden Jahren 1918—1933, immer mehr von den Sitten und Gebräuchen der Väter entfernte, so hat es doch immerhin, auch in den liberalsten Familien, einen Zusammenhalt der Familien und Gemeinden in Deutschland gegeben, der eben durchaus jüdisch bedingt war. Ueberall in Deutschland fühlte man sich tigte an den Börsen und Großmarkten vertreten lassen. Gerüchte über ein bevorstehendes Verbot jüdischen Effektenbesitzes sind für unbegründet erklärt worden. Es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, daß nach Ansicht maßgebender Kreise Kapitalien, die in Wertpapieren angelegt sind, als volkswirtschaftlich in wertvoller Weise angelegt und der Kapitallenkungspolitik der Regierung nicht entzogen zu betrachten seien. Mtfibacwachang b*l GnmdtHkkivarkÜufM In einer Verordnung des Reichskommissars für Preisüberwachung vom 8. Juli 1938 ist vorgeschrieben worden, daß von jedem freihändigen Verkauf eines Grundstücks oder eines grundstücksgleichen Rechts die zuständige Preisbildungsbehörde benachrichtigt werden muß. Die nach der Reichsabgabenordnung erforderliche Unbedenklichkeitsbescheinigung darf erst dann erteilt werden, wenn die Preisbildungsstelle den Kaufpreis genehmigt oder nicht beanstandet hat. Dt. H. N. im Schutze der jüdischen Tradition geborgen und dazugehörig. Heute in der Fremde ist es etwas ganz anderes. Gewiß treffen wir jungen Auswanderer auch hier auf jüdische Brüder, die gewillt sind, uns zu helfen, dies aus rein menschlichen Gründen, abör schließlich doch vor allem, weil wir jüdische Brüder sind. Es bleibt auch nicht nur bei Worten der Hilfe und jeder von uns hat es schon am eigenen Leibe erfahren, was es bedeutet, zu dieser jüdischen Gemeinschaft zu gehören, die jeden in ihren Schutz nimmt. Dennoch vermissen wir oft mit Sehnsucht die heimischen Gebräuche. Es ist kein falscher und unangebrachter Stolz, zu sagen, daß wir Juden in Deutschland eben unsere eigene Weise hatten, Feste zu begehen und unsere Gebräuche zu pflegen. Und naht 60 Von Schabbat zu Schabbat L Schabbat „Dewarim“, Schabbat Chason, 6. August 1938 An diesem Schabbat beginnt man mit der Verlesung des fünften Buches Mose. Der Schabbat führt den Namen „Schabbat Chason“. Es ist der Schabbat vor dem 9. Aw, dem Fast- und Trauertag um die Zerstörung des Tempels in Jerusalem. Der Name „Schabbat Chason“ leitet sich her aus dem Anfangswort der Haftara, die an diesem Schabbat in den Synagogen gelesen wird. Es ist das erste Kapitel des Prophetenbuches Jesaja. Inhalt des Kapitels ist die Prophetie, in der — um der Sünden des Volkes — der Untergang des jüdischen Reiches vorausgesagt wird. Die Haftara wird im Klageton von dem Rabbiner, der Gemeinde verlesen. 2. Schabbat „Waetchanan“, Schabbat Nachamu, 13. August 1938 Auch dieser Schabbat verdankt seinen Namen dem Anfangswort der Haftara. Nach den drei Wochen der Trauer um die Zerstörung des Tempels liest man die berühmten Trostworte des Propheten Jesaja: „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott; Redet zum Herzen ein Rausch Hasehono- oder PeBach-Tag heran, dann stehen wir doch manchmal ratlos da, weil wir kaum die Möglichkeit haben, diesen Feiertag so zu verleben, wie es uns in Dentschland seinerzeit von unseren Eltern anrrzogen wurde. Mancher, der keine Möglichkeit sieht, dann aus dem Festtag den Tag zu gestzlten, wie er ihn zu feiern gewohnt war, nimmt dann, obwohl ursprünglich guten Willens, den Tag wie einen anderen —- und begnügt sich damit. Ihr Schreiben aber — in dem alten Geist gehalten, der uns allen so wohlvertraut ist — hat wohlbekannte Klänge geweckt. Oft hüten wir uns, die alten Bilder heraufzubeschwören, weil sie uns sehnsüchtig und weich machen, Gefühle, die wir in unserem harten Alltagskampf nicht brauchen können. Aber, manche alten Erinnerungen bringen das Gegenteil zuwege. Sie, die verknüpft sind mit Gedanken, die ja schließlich dorb unsere Grundgesetze sind, stärken und ermutigen uns, denn sie geben uns den inneren Halt, den wahren Wert und die frische Aufforderung zur rechten Standhaftigkeit. Solcher Art war Ihr Schreiben und dies sein wahrer Zweck. Daß es ihn erreicht hat, geht aus meiner Antwort hervor. Es ist sehr gut möglich, daß wir neue, andere als die gewohnten Wege gehen. Solange aber solche Briefe geschrieben werden, um uns an uns zu erinnern und solange wir unter den Voraussetzungen des ..Judeseins“ und ..Judebleibens“ in die Fremde gehen, werden die alten Grundgesetze, und 6eien sie noch so sehr in neue Formen abgewandelt, nicht nur nicht vergessen, sondern auch eine neue Wirklichkeit erfahren. Es war mir ein Bedürfnis, auf die Stimme zu antworten, die zu mir rief. Mir fällt ein altes und bekanntes Gleichnis aus unserer Geschichte ein: Als Moses durch die Wüste wanderte, glaubte er zunächst, er ginge allein. Aber die Stimme Gottes begleitete ihn und rief ihn und an jedem Zeichen am Wege, war es ein Felsen, aus dem Wasser floß oder ein Dornbusch, der zu ihm redete, sah er das Wort des Herrn. So gehe es auch uns; wenn die Stimme des Allmächtigen uns begleitet, dann gehen wir den rechten Weg des Judentums. (gez.) Hans Wronski. Jerusalems, und rufet ihm zu, daß seine Dienstzeit erfüllt, daß seine Schuld gesühnt, denn empfangen hat es aus des Ewigen Hand Zweifaches für alle seine Sünden.“ In dem Wochenabschnitt findet sich zum zweitenmal das Zehnwort und außerdem das Sch’ma. 3. Schabbat „Ekew“, 20. August 1938 Aufruf an Israel (Aus der Sidra) „Und nun, Israel, was fordert der Ewige, dein Gott, von dir, nur zu fürchten den Ewigen, deinen Gott, in allen seinen Wegen zu wandeln, ihn zu lieben und dem Ewigen, deinem Gott, mit deinem ganzen Herzen und ganzer Seele zu dienen. Die Gebote des Ewigen und seine Satzungen, die ich dir heute zu deinem Besten befehle, zu beobachten! Gehören ja dem Ewigen, deinem Gott, der Himmel und der Himmel Himmel, die Erde und alles, was darauf ist; allein der Ewige hat Wohlgefallen an deinen Vätern gehabt, sie zu lieben ...“ 4. Schabbat „R'e“, 27. August 1938 Der Mensch gestaltet sein Schicksal. Eine Grundüberzeugung des Judentums findet in der Sidra ihren Ausdruck. Gott legt vor den Menschen Segen und von drüben f MMBnuwiiniHitifflaiiiiHiHiiHiiiHiiuiiimiiiiuiiimniiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiitiiiiiiiiHiiiiiiiuiimmHJitiffliinimiiHHiMiHiHi 8

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