Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 16 (1938)
- Issue
- 8 (1.8.1938)
- Date
- 1938-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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FÜR DIK SYNAGOGEN-GEMEINDEN IN PRSUSSEN UND N O R D DE UTS CH-L A N D Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet. Nr. 8 Berlin, 1. August 1938 16. Jahrgang Herausgeber: Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden Reichsverband der Juden in Deutfdiland Die Frage der jüdischen Gesamtorganisation ist seit Monaten Gegenstand von Verhandlungen in den führenden jüdischen Körperschaften gewesen und in der jüdischen Presse lebhaft erörtert worden. Wir haben darüber unsere Leser ausführlich Unterrichtet. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden, der es seit seiner Gründung angestrebt hat, eine Reichsorgatlisation au schaffen, und die in seinen verantwortlichen Gremien arbeitenden Persönlichkeiten haben stets mit allen ihren Kräften die Erreichung dieses Ziels gefördert. In seiner Sitzung vom 26. Juli, über deren Verlauf wir an anderer Stelle berichten, hat der Rät des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden eine Entschließung gefaßt, in der die schnelle Bildung des Reichsverbandes der Juden in Deutschland für unbedingt geboten erklärt Und dem Wunsche Ausdruck gegeben wird, daß nach dessen Begründung der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden in diesen aufgeht. Zugleich wird darin die bestimmte Erwartung .ausgesprochen, daß die übrigen Landesverbände nach Bildung des Reichsverbandes das Gleiche tun werden. Damit war der Weg zur Schaffung eineg Gesamtorganisation der Juden in Deutschland, die sich grundsätzlich auf den Gemeinden aufbaut, geebnet. Am 27. Juli fand eine Sitzung des Rates der Reichsvertretung statt. In ihr wurde der vorgelegte Satzungsentwurf für einen neuen Reichsverband angenommen und dieser damit begründet. Er wird den Namen tragen: Reichsverband der Juden in Deutschland. Seine Organe sollen zunächst die gleiche Zusammensetzung wie die der bisherigen Reichsvertretung haben. Der Präsidialausschuß bleibt als Vorstand des Reiehsverbandes bestehen; für zwei ausgeschiedene Mitglieder wurden Amtsgerichtsrat a. D. Otto May (Köln) und Dr. M. Landau (Berlin) gewählt. Der Rat der Reichsvertretung soll als Rat des künftigen Reichs Verbandes bestehen bleiben und um einige Sitze vermehrt werden. An Stelle eines ausgeschiedenen Mitglieds wurde Dr. Perlmutter (München) gewählt. Während die bisherige Reichsvertretung sich auf den großen jüdischen Organisationen aufbaute und die Mitglieder seines Präsidialausschusses nicht als Vertreter irgend einer Körperschaft, sondern als Einzelpersonen ihm angehörten, baut sich der neue Reichsverband unmittelbar auf den jüdischen Gemeinden auf, deren jede eine Gliedgruppe des Reichsverbandes ist. Als Mitglieder des Reiehsverbandes gelten zwar die einzelnen im Deutschen Reiche wohnhaften Personeil jüdischen Glaubens. Sie sind es aber nur dadurch, daß sie Mitglieder einer jüdischen Gemeinde (Kultusvereinigiing) sind, durch die sie ihre Rechte ansüben und ihren Pflichten nachkommen können. Eine eingehende Erläuterung der Satzung des Reiehsverbandes wird in einer späteren Nummer dee Blattes erfolgen. Die Beschlüsse vom 26. und 27. Juli 1938 haben damit zu dem Ergebnis geführt, das seit Jahrzehnten, vielleicht darf man sagen, seit Geqerationen — allerdings unter völlig anderen Verhältnissen, als es die heutigen sind — das Ziel aller verantwortungsbewußten jüdischen Gemeindeführung gewesen ist. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden begrüßt es, daß jetzt, nach langen und mühevollen Verhandlungen und nach' einer unter schwierigsten Verhältnissen stattlindenden Entwicklung dieses Ziel erreicht ist. - Er blickt nur auf das Intevsse der gesamten Judenheit in Deutschland und stellt dieses unter allen Umständen an die höchste Stelle, wobei die Frage seines eigenen Weiterbestehens bedeutungslos ist. Seine sich auf über sechzehn Jahre erstreckende Tätigkeit, die Arbeit, die der Landesverband geleistet hat und zurzeit noch leistet, ist noch nicht beendet. Der an anderer Stelle dieses Blattes wiedergegebene Tätigkeitsbericht beweist aufs neue, daß diese Arbeit nicht eine Minute unterbrochen werden darf. Herr Rabbiner Dr. B a e c k hat in der Ratssitzun’g des Preußischen Landesverbandes dies so ausgedrückt, daß er erklärte, die Arbeit, die der Preußische Landesverband für die Gemeinden und alle in ihnen lebenden Menschen geleistet habe, sei aus der Geschichte nicht wegzudenken, sie müsse aber auch ohne die geringste Unterbrechung von denjenigen bewährten Kräften und Persönlichkeiten fortgeführt werden, die bisher mit dieser Arbeit verbunden gewesen sind. Wir schließen diese Ausführungen mit der Wiedergabe der Resolution, di; Präsidialausschuß und Rat der Reichsvertretung am Schlüsse der Ratssitzung vom 27. Juli gefaßt haben: „In dankbarer Würdigung der Tatsache, daß die Einigung der Kräfte des Judentums in Deutschland wie die Zusammenfassung seiner Mittel nun weiter zum Ziele hingeführt worden ist, sind Präsidialausschuß und Rat über folgende Grundlage und Richtung der gemeinsamen Arbeit einig: Die für die Juden in Deutschland und ihre Gemeinden beschlossene neue Satzung Am Dienstag, dem 26. Juli, trat in Berlin der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zu einer Sitzung zusammen. Nach Erstattung eines Tätigkeitsberichtes wies der Präsident des Rates, Kammergerichtsrat i. R. Leo W o 1 f f, auf die besondere Bedeutung der diesmaligen Ratstagung hin, welche dadurch gegeben sei, dgß durch das Reichsgesetz vom 28. März 1938 die Rechtsverhältnisse der hat die Autorität der Reichsvertretung und die darin gegebene einheitliche Führung von neuem bestätigt. Die ernstesten Aufgaben liegen vor uns. In einer Lage, die seit Jahren auch in der an Prüfungen reichen Geschichte unseres Volkes kaum ihresgleichen hat, haben wir uns nicht ohne Erfolg darum bemüht, das drohende Gespenst des Chaos zu bannen. Allem, was auf uns eindrang, haben wir unser Gottvertrauen und unsere Selbstachtung entgegengesetzt. Die .Aushöhlung unserer Existenz haben wir mit der planmäßigen Erziehung nnd Schulung, mit der Vorbereitung zur Wanderung nach einer Stätte aufbauender Arbeit beantwortet. Wir haben eine innere Ordnung aufgerichtet und neue Formender seelischen und materiellen Selbsthilfe erschlossen. Der Reichsverband wird alles daran zn setzen haben, diesen Weg fortzuführen und weitere Möglichkeiten zu finden. Aber es kann auch kein Zweifel darüber bestehen, daß dieser anhaltenden außerordentlichen Anspannung aller Kräfte ihre Grenzen gesetzt sind. Immdr enger ist der Bereich unseres Daseins geworden. Die Ausschaltung aus Beruf und Wirtschaft gibt den größten Teil der Juden /in Deutschland einer dauernden Arbeitslosigkeit preis. Unsere Kräfte drohen zu versagen. Wir dürfen darum nach dem Beistand ausschauen. Wir vergessen keinen Augenblick, daß eine nm Frieden und Sicherheit bangende Welt nicht ihre ganze und stete Aufmerksamkeit uns zuwenden kann. Wir vergessen nicht, daß auch in anderen Ländern unsere Brüder ihre schwere Sorge und ihre Not kennen. Aber wir dürfen für uns doch das, was uns gewährt zu werden vermag, erwarten: die Öeffnung von Grenzen für Reiben von Menschen, in geregelter Einwanderung, einen baldigen Plan der Erstellung von vorübergehenden Notsiedlungen für arbeitskräftige Gruppen. In uns lebt die Sehnsucht nach einem opferbereiten Leben in der freien Luft der Welt. In uns ist der Wille, unser Dasein mit Werken eines friedlichen Aufbaus zn verbinden. Mögen diese Worte in vorgerückter Stunde weithin gehört werden.“ jüdischen Gemeinden und Gemeindeverbände neu geregelt worden sind. Demzufolge habe auch der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden, um seine gesetzlich vorgesehene Eintragung alt rechtsfähiger Verein betreiben z% können, sich eine neue Satzung zu geben. Der Entwurf einer solchen lag der Ratsversammlung vor. Der Engere Rat wurde ermächtigt, eine neue Satzung zu beschließen. Die Verh an dluwgan Ratstagung des Prengtsdien Landes- Versandes JOdisAer Gemeinden