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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-07-01 · 7 (1.7.1938) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
7 (1.7.1938)
Date
1938-07-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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li.UvgJNr.7 fr dto tfssfff ts Imhilw la PiMta/NtiMMlNkM 1, Steigerung der Auswanderung 7. Bericht der Meldestelle für Binnen- und Auswanderung: Quartal Januar- März 1938. — Von Max Birnbaum, Berlin nehmen. Die Zentrale, der künftige Reichsverband in Berlin, ehe« wird «ehr wehl ha der Lage «ein, die Zusammenarbeit mit den rund hundert Besirkagemeinden ohne Mittelinatans an bewältigen, anmal er in den bereita jetat tätigen Prorinaialfüraorgerinnen und Beratungaatellen dee Hilfsvereins and Paleatina-Amta aowie ln den Beairkarabhinern über einen Stab von Mitarbeitern verfügen kann, die die notwendige „räumliche Nähe“ haben. Wenn in dieser Weite der Inhalt der notwendigen Umorganiaation untere« Gemeindelebens erkannt wird, dann wird auch die Frage der Fenn dieser Neuorganisation und ihrer personellen Gestaltung unschwer au lesen sein. Es könnte die Frage aufgeworfen werden, ob es in der gegenwärtigen Situation noch ratsam ist, eine grundlegende Neuorganisation des jüdischen Gemeindelebens in Deutschland vorzunehmen, oder ob es nicht sweckmäBiger wäre, die vertranten und „historisch gewordenen** Formen der Gemeindearbeit beisubehalten. Diese Frage kann nnr entschieden - verneint werden: es handelt sich nicht um eine Neuorganisation, sondern um eine Umorganisation, die den Gegebenheiten — nämlich dem Auflösungaproaeß der Klein- und Mittelgemeinden — Rechnung trägt. So wie in der einmeinen, jüdischen Gemeindeverwaltung jede Möglichkeit einer Vereinfachung wahrgenommen > und der „Apparat** dem schrumpfenden Mitgliederbestand angepaBt wird, muB auch der Gesamtorganismns den einfachsten Aufbau erhalten. Das Weiterbestehen von über tausend Kleingemeinden wäre ein Luxus und eine Vergeudung örtlicher und sentraler Arbeitskraft, die heute nicht mehr verantwortet werden könnten. Hundert Besirkagemeinden and eine zentrale Organisation, der Reichsverband, der ihre Arbeit überwacht nnd sie bei ihren neuen Verwaltung tauf gaben berät und unterstütst: das ist ein Kleid, das dem jüdischen Gemeindekörper heute nicht au eng ist nnd auch in den nächsten Jahren nicht an weit sein wird. Nur so wird ein vereinfachter und einheitlicher Lastenausgleich durchsuführen sein, nur so die gesamte Energie der Arbeit auf die sentrale Aufgabe der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland konzentriert werden können: die größtmögliche Steigerung der jüdischen Auswanderung. Julius Zielunziger Am 24. Mai ist in Potsdam Stadtrat a. D. Julias Zielenaiger im Alter von 82 Jahren entschlafen. Er hat gern seine Kräfte und seine Zeit in den Dienst seiner Heimatgmeinde, der er sich durch Erziehung and Tradition autiefst verbanden fühlte, gestellt. Von dem Erfolg, van dem seine Wirksamkeit gekrönt war, sengen seine Beliebtheit and das Ansehen, dessen er sich überall an erfreuen hatte. Wie er jahrelang als Stadtrat dem Potsdamer Magistrat angehörte, so war er über 40 Jahre lang Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde, dessen Vorsits er in den letzten Jahren innehatte. Die Teilnehmer der Tagungen des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden werden sich noch gern daran erinnern, mit welcher Würde er wiederholt diese Tagungen alt Alterspräsident geleitet hat. Trota seines hohen Alters war er bis wenige Wochen vor seinem Hinscheiden von ungewöhnlicher geistiger und körperlicher Frische, die et ihm ermöglichte, bis auletat an allen Fragen des jüdischen Lebens Anteil au nehmen. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden wird das Andenken des hochverdienten Manne« stets in Ehren halten. Iler Zeitpunkt, in dem der gegenwärtige Vierteljahresbericht der Meldestelle erscheint, gibt den Erörterungen über den Umfang der jüdischen Auswanderung aus Deutschland besondere Bedeutung. Der Wunsch, diese Auswanderung so au beschleunigen und sahlenmäßig zu erweitern, wie dies nur irgend möglich ist, besteht nicht nur bei den maßgebenden deutschen Behörden, sondern sicher in der gleichen Stärke auch in allen Kreisen' der jüdischen Bevölkerung. Die entscheidende Schwierigkeit besteht in den objektiven Beschränkungen nnd Grenzen, die der Auswanderung von Seiten der überseeischen nnd europäischen Immigrationsländer entgegengesetzt werden, und auch in dieser Beziehung besteht gerade jetzt die Hoffnung und Erwartung, daß die Konferenz in Evian eine planmäßige nnd großzügige Regelung dieses Problems einleiten wird, durch die eine geordnete maximale Auswanderung der jüdischen Bevölkerung aus Deutschland au ermöglichen ist. Es wäre nnr zu verständlich gewesen, wenn in dem Berichtszeitraum, der in jeder Beziehung mH der Ungewißheit der weiteren Entwicklung belastet ist, ein vorübergehender Rückgang der jüdischen Auswanderung eingetreten wäre. Um so beachtlicher und bedeutungsvoller ist die Tatsache, daß im Berichtsquartal der Umfang der jüdischen Auswanderung nicht nur gehalten, sondern sogar gesteigert werden konnte. Im letzten Quarta] des Jahres 1937 hatte die Meldestelle insgesamt 5140 Personen, für die ein bestimmtes Auswanderangsziel angegeben war, erfaßt. Im Quartal Januar bis März sind demgegenüber 5631 solcher Auswanderer gezählt worden. Das bedeutet eine Steigerung um rund 10 %, die trotz der erschwerenden Gesamtnmstände erzielt werden konnte. In einzelnen Bezirken, wie z. B. in Berlin, ist die Steigerung noch erheblicher gewesen; die Zahl der Auswanderer mit bestimmtem Wanderungssiel erhöhte sich'in Berlin von 1278 Personen im letzten Quartal 1937 auf 1606 Personen im Berichtsquartal, also um rund 25 Prozent. Bekanntlich werden von der Meldestelle auch die „unbekannt** und „anf Reisen** abgemeldeten Personen erfaßt und als Auswanderer gezählt. Darin liegt ein gewisser Unsicherheitsfaktor, der aber weitaus dadurch aufgewogen wird, daß naturgemäß eine hundertprozentige Erfassung der Auswanderung durch die Meldestelle nicht möglich ist, sondern daß man günstigstenfalls im Durchschnitt etwa 90 % der Gesamtauswanderung erfassen kann, und daß außerdem in gewissen Gemeinden nnd Gebieten das Meldeweten aus technischen Gründen bisher überhaupt nicht durchführbar war, so z. B. in Dortmund, in der Pfalz, in Hamburg usw. Für diese Gebiete muß sich also die Meldestelle im wesentlichen anf die Erfassung der subventionierten Auswanderung beschränken, die sieb aus den Abstimmungen mit dem Hilfsverein, dem Palästina-Amt und der Hauptstelle für jüdische Wanderungsfüraorge nei der Reichs Vertretung ergibt. — Im Beriehtsquartal sind 798 Personen als „unbekannt** oder „auf Reisen** abgemeldet gezählt worden; das ergibt mit der oben genannten Zahl also 6429 Fälle, so daß man unter Berücke ich tigung der erwähnten Lücken des Meldewesens die jüdische Gesamtauswanderung im L Quartal 1938 auf mindestens 6700 Personen schätzen kann. Die Verteilung der Auswanderung auf die einzelnen Herkunftsgebiete ergibt sich aus Tabelle L Dabei ist gegenüber der bisherigen 1. Auswanderung aus den Provinzen, Ländern und Großgemeinden isr Auswanderer Jaa.- uibelaug» Hsläetsklst Märt m. sugegskn. Ausirufe nagstiel kaut 3. 4M I ReU.‘ lusg«' Mut saut OkL- Drakr. s. V. M. Ä 10*7 Ostpruuftuu Brtufeukury, Fussen. a S7 m > 7» Greus&rk, Mecklkg. Schlettau tfcee Breslau m 4t a M H» 117 n IM tft SM Hun „Sacht, AnluUt,Bf«»ea,Bruuafcf.,TMr. Ul tat a» 11 *7 WestUlüu, Lippe Uestea-Natsaa 11» n ist m (ohue Frankfurt a. M.) Rkeiupreviti (ehue 1(7 Ul »7» a »M ^GwJjeu. SsarteMst) IM n IN » MB M M » at ta fissea »1 n a « m Freuleu u. iifutthltm. Verkäufe (ofcut Gruftam m MM 1« I7M uw (•ueiatm) Beriii aw TM im M MM IM» FraaUact a. Mais a» MV m » mb UM Bnslaa Ul fl SM m ai ta lila i« Mt a» M •N m Freelce a. mueuekluu MM VufftiÜifc xm ■ßm ata 7a MS *m Banka ly a a a » a a nJtltai Sednm a m a a M i a at 77 t> Baven Btfea SM tu 4M ti 4M 4M m IS7 SM u a «7 Wirtteatoff w IM MB u Z71 nt UaöufcäikZac. m a »» at ta Hacksckarakstallea «i a M » *7 a Iaagutust site « an 7a U» tat Aufteilung eine Aenderung insofern erfolgt, als größere zusammengehörige Gebiete zusammengefaßt -wurden, um eine erhöhte Ueberaichtlichkeit zu erzielen. Aus der Tabelle ist zu ersehen, daß diejenigen Gebiete, die bisher eine besonders starke Auswanderung aufgewiesen haben, im Berichtaquartal bis auf geringfügige Schwankungen den bisherigen Umfang der Auswanderung im wesentlichen aufrechterhalten konnten, daß dagegen diejenigen Gebiete, die bisher eine relativ schwächere Auswanderung aufzuweiten hatten, jetzt in erheblichem Umfang eine Steigerung der Emigration durchgeführt haben, so z. B., wie schon erwähnt, Berlin, ebenso Württemberg, aus dem die Auswanderung um fast 50 % gegenüber dem letzten Quartal gestiegen ist. — Die Steigerung der Gesamtauswanderung ist um so beachtlicher, wenn man berücksichtigt, daß im letzten Quartal 1937 880 Nachträge aus früheren Zeiträumen mitgezihlt waren, dagegen in dem jetzigen Bericht nur 738 Nachträge aus dem vorigen Jahr noch enthalten sind. Von besonderem Interesse ist auch jetzt wieder die Verteilung der Auswanderung auf die ■ verschiedenen europäischen und überseeischen Länder. Tabelle 2 gibt hier eine Uebersicht, bei der allerdings zu berücksichtigen ist, daß die als unmittelbares Wandemngsziel angegebenen Länder in vielen Fällen nicht das Endziel der Auswanderung darstellen. Insbesondere stellt die Answanderung nach West- und Mitteleuropa in erheblichem Umfang nnr ein - Uebergangt- Stadium dar, das mit der endgültigen Auswanderung nach Uehersee abschließt. Gegenüber dem letzten Quartal ist emo besonders starke Erhöhung der Palästina- AusWanderung eingetreten. Allerdings war diese Auswanderung in den letzten drei Monaten des Jahres 1937 schwächer alt 3:

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