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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-05-01 · 5 (1.5.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
5 (1.5.1938)
Date
1938-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLAU FÜR DIE SYNAGOGEN-GEMEINDEN IN PREUSSEN UND NORDDEUTSCHLAND Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet. Nr. 5 Berlin, 1. Mai 1938 16. Jahrgang Herausgeber: Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden Neues Gemeinde-Gesetz Mit der Verkündung de« neuen. Reichsgesetzes über die Rechtsverhältnisse der jüdiachen Kultusvereinigungen, deaaen Wortlaut unsere Leaer an anderer Stelle dieser Blattes finden, verlieren die jüdischen Gemeinden ihre Eigenschaft als Körperschaften des öffentlichen Rechtet, soweit sie diese bisher besessen haben. Diese Veränderung der Rechtsbaais der jüdischen Gemeinden berührt jedoch keineswegs den Inhalt der von ihnen zu leistenden Arbeit. Auch als rechtsfähige Vereine werden die jüdischen Kultus Vereinigungen die Aufgaben weiter versehen, die ihnen gesetzt sind. Das sind in erster Reihe die religiösen Obliegenheiten; und dies bedeutet, daß die Synagogen nach wie vor unterhalten werden, daß alle Maßnahmen zur religiösen Betreuung der jüdischen Bevölkerung aufrecht erhalten und durchgeführt werden, es bedeutet die religiöse Erziehung und Unterweisung der jüdischen Jugend. Schon rein geschichtlich gesehen, gehören Gottesdienst und Lehre seit 2500 Jahren — seit den Tagen des babylonischen Exils — zu den konstitutiven Inhalten aller jüdischen Gemeindetätigkeit, weil sie es sind, die jeder jüdischen Existenz erst Sinn und Berechtigung geben; der einzelne Jude gestaltet sein Leben ja auch nur dann im überindividuellen Sinne wertvoll, lebt nur dann sinnvoll, wenn er als Jude1 lebt, das heißt: verbunden mit der Lehre und dem göttlichen Gesetz, um dessen willen das Volk Israel auf die Welt entsandt wurde — vom Bunde mit Abraham her, und von der Besieglung dieses Bundes am Sinai her. Die jüngste Entwicklung nun hat diese providentielle Aufgabe Israels — die den Juden historisch, und das heißt: objektiv, von außen her gestellt ist — von innen her wieder fühlbar gemacht: sie hat die Jude so weitgehend von aller anderen kultu'Tüen Anregung abgeschnürt und sie in einem solchen Maße isoliert, daß das Bedürfnis nach geistiger Kost fast nur noch durch das Zurückgehen auf die eigenen geistigen Kraft- und Lebensquellen befriedigt werden kann. Besonders in den kleinen Gemeinden zeigt sieb heutzutage ein geradezu leidenschaftlicher,. Hunger nach geistiger Nahrung, und allerorten werden Predigt, Gottesdienst und Unterricht wieder als unerläßliche Lebensnotwendigkeit empfunden, so daß auch ihre Aufrechterhaltung als gemeinsame Pflicht aller Juden erkannt wird. r Die Aufgaben der Gemeinden beschränken sich jedoch nicht nur auf Gottesdienst und Unterricht; sie sind im Gegenteil seit alters her gekennzeichnet dnreh die Dreiteilung Tora, Awoda und Gemillut Chassadim, d. L Lehre, Go ttesdienst und W o h 11 u n. Dieses letztere, d. h. also: die soziale Betreuung der Notleidenden oder sonst Bedürftigen, ist religionsgesetzliehe Pflicht des einzelnen wie auch der Religionsgemeinde. Und dieser Zweig der Gemeindearbeit hat in den letzten Jahrzehnten ständig an Bedeutung zugenommen. Für die Bewertung dieses Teile der Gemeindetätigkeit ist es gleichgültig, ob sie in einzelnen Falle unmittelbar von der Gemeinde ausgeübt wird oder von solchen Stellen, in denen die Kräfte vieler Gemeinden vereint sind. Wenn das Jüdische Wohlfahrtsamt in Berlin gegenwärtig 20000 Juden betreut, so versteht ein jeder, daß diese Arbeit keinen Augenblick unterbrochen werden kann; das gleiche gilt für alle ähnlichen Einrichtungen: Schulspeisungen, Mittelstandsküchen usw. bis hin zu den Altersheimen, dazu alle Stellen oder Anstalten, die der Betreuung und Ausbildung der Jugend sowie der Auswanderervorbereitung dienen. Nun wird man vielleicht an manchem Orte sagen: Waisenhäuser, Kinderlesestuben, berufliche Ausbildungsstellen, Stellen zur Vorbereitung und Durchführung der Auswanderung usw. seien nur in größeren Gemeinden vorhanden. Man soll aber nicht vergessen, daß alle diese Einrichtungen ununterbrochen auch den Juden aus den kleinen Gemeinden zur Verfügung stehen nnd daß letzten Endes jede jüdische Gemeinschaftseinrichtung, wie sie für jeden Juden da ist, auch nur durch jeden Juden da ist, das heißt durch alle unsere in den Gemeinden vereinte Kraft. Wer also unserer Jugend zur Berufstüchtigkeit und Auswanderungsreife verhelfen will, der muß seine Gemeinde stützen, auch wenn diese unmittelbar keine Tätigkeit nach dieser Richtung entfaltet: sie tut es durch ihre aktive Beteiligung am Gesamtorganismus des jüdischen Lebens in Deutschland. Ein deutliches Beispiel hierfür ist die jetzt vom PreußischenLandesverband jüdischer Gemeinden gemeinsam mit der Reichsvertretung derJudeninDeutschlandin Angriff genommene Einrichtung von Sprachen- Unterrichtskursen in den Kleingemeinden! Nicht anders als mit der sozialen Betreuung, zu der heute eben auch die Auswanderungsförderung gehört, liegt es hinsichtlich des jüdischen Schulwesens. Die im Jahre 1933 bestehenden jüdischen Schulen mußten auf einen vergrößerten Zustrom von Kindern eingerichtet werden, neue Schulen sind ins Leben gerufen worden und gewähren Tausenden von jüdischen Kindern eine bisher von vielen nicht gekannte jüdische Erziehung. Zahlreiche jüdische Gemeinden, in denen früher jüdische Schulen nicht bestanden, haben jetzt jüdische Schulen eingerichtet; in anderen Gemeinden entsendet man die Kinder in die jüdische Schule eines Nachbarorts, und wieder muß et dem einzelnen Juden für die Bewertung dieses an Umfang und Bedeutung so gewachsenen jüdischen Schulwesens gleichgültig sein, ob nun gerade in seiner Gemeinde eine jüdische Schule besteht oder nicht: alle jüdischen Gemeinden sind die Träger aller jüdischen Gemeindeschulen! Das jüdische Leben in seiner Ganzheit hängt entscheidend von der Aufrechterhaltung der Funktion der Gemeinden ab. Die jüdische Kultur hätte sich nicht entwickeln können, jüdische Kunst hätte keine Förderung erfahren, wenn die Gemeinden aus ihren Mitteln nicht Gelder zur Verfügung gestellt hätten. So hat die jüdische Gemeinde sich als der Urquell jüdischen Lebens erwiesen, dessen Lauf alles gespeist hat, was zur Durchführung der jüdischen Aufgaben in einer völlig veränderten Zeit beitragen konnte. Der hier gegebene — oder vielleicht nur versuchte — Ueberblick über die Aufgaben der Gemeinden kann naturgemäß nur einen Ausschnitt aut dem, was sie zu leisten haben, erfassen. Er sollte dartun, daß die Tätigkeit der Gemeinden nach innen, nach der jüdischen Seite hin unabhängig ist von der rechtlichen Form," in der sie wirken. Di« Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden haben in den verschiedenen Jahrhunderten Wandlungen durchgemacht. Von den ersten Edikten des 17. Jahrhunderts bis zum Judengesetz von 1847 waren die Rechtsnormen aus Die jüdische Auswanderung nach Ü. S. A. im 19. Jahrhundert Ein geschichtlicher Rückblick / Von Dr. Ernst Fraenkel, Berlin In drei Wellen hat sich die Einwanderung der Juden nach Amerika vollzogen. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderte sind es besonders die sefardischen Juden aus Spanien und Portugal und ihre Nachkommen gewesen, die den jüdischen Anteil an der Besiedlung der Neuen Welt stellten, von 1830 bis 1880 bewegt sich die Welle der jüdischen Wanderung von Deutschland, Oesterreich, Böhmen,' Ungarn nach Amerika und nach den Maigesetzen Rußlands 1881 beginnt die Emigration der russischen nnd rumänischen Juden nach den überseeischen Gebieten. Zahlenmäßig'stellt 'sich das Bild der jüdischen Einwanderung nach Amerika im 19. Jahrhundert so dar, daß es 1830 rund 15 000 Juden im Lande gab, 1881 250 000, 1928 4 250 000.' Die quantitative Bedeutung der einzelnen Wanderungswellen für diese« Anwachsen der jüdischen Bevölkerung im Laufe von 100 Jahren ergibt sich aus der folgenden schematischen Darstellung: Die sefardlsdien Juden NH Juden aus Deutsdiland Juden aus Osteuropa (Nadi Lee J. Levinger: A History ef the Jews ht tK« ' United States. 1W1) Wie jeder Versuth, bestimnste geeAäAt- Kch-toziologitche Vorgänge in ein feste«

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