Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 12 (1.12.1937)
- Date
- 1937-12-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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15. Jhrf?./Nr. 12 1. Dezember 1937 Jüd. Gemeindeblatt f. d. Synag.-Gem. in Preußen/NorddeutsAland die tägliche Wirklichkeit in Stadt und Land zu geben. Besondere Gedankenschwere wird man von Kinderbriefen nicht erwarten; ihr ungekünstelter lebendiger Ton verhilft über manche Belanglosigkeit. — Das Sportbuch bringt eine Darstellung von Geschichte und Bedeutung des Makkabi und des Schild neben einer historischen Einführung zahlreichen gelungenen Lichtbildern und begrüßenswerte Tabellen jüdischer Olympiasieger und der Bestleistungen im deutschen ^Makkabi-Kreis und dem Sportbund „Schild" des Reichsbunds. — Ihr nicht zu hoch gestecktes Ziel werden die drei Büchlein erreichen und keiner wird. pharisäisch tadeln, wenn so bewußt unproblematische Neu-Erscheinungen auf dem Buchmarkt erscheinen: aber in einer Zeit da das Judentum gerade in Deutschland genug innere und äußere Probleme zu bewältigen hat, könnten wohl schließlich selbst solche Veröffentlichungen etwas mehr Gewicht besitzen. Hans Lamm. Boris Kader: lynchen and Weinen. Aus dem jüdischen Leben. Berlin SO 16: Berthold Lcvv Verlag. 1937. 72 S. Diese Sammlung kleiner Erzählungen aus dem jüdischen Osten wirkt durch die unaufdringliche Feinheit echter Gemütstöne sowie durch die edle Einfachheit der Sprache und durch die oft weltfremde Einfalt gläubiger Seelen reizvoll. Nichts Aufregendes geschieht, und dennoch folgt man mit lebhafter Anteilnahme den kleinen Freuden und "großen Leiden der Gheltomcnschen mit ihrem ewigen Sehnsuchtsweh nach dem Messias. Boris Kader vermag mit wenigen Strichen seine Landsleute und ihre Umwelt zu skizzieren, und eben weil er auf jede Übertreibung menschlicher Vorzüge oder Fehler verzichtet, bringt er uns hier nicht in die Verlegenheit, an der L'ebenstreue seiner Gestalten zu zweifeln. Man lächelt, wenn Reb Tewele trotz seines Stolzes auf geschäftliche Fähigkeiten heim Kaufen von Esraugim geprellt wird, und wird leicht bewegt von der Opferfreude des armen Schusters Asriel, der sich die Bissen vom Mund abspart, um eine Thora schreiten lassen zu können. Um so weniger überzeugend wirken Kaders Skizzen in anderen Milieus sowie in „Ncujahrstag der Bäume“, seine Anlehnungen an biblische Motive. A. S. Heiteres, Besinnliches, Nachdenkliches. Geschichten neben dem Alltag. Hrsg, von Hans Martin Schwarz. Berlin: Jüd. Buch- und Zeitschriften-Verlag Robert Alter. 1936. 63 S., kart. Das Merkwürdige und Eigenartige dieser recht hübsch zusammengestellten Auswahl von jüdischen Erzählungen ist, daß jede von ihnen alle Eigenschaften des Titels in sich vereinigt: es sind nicht heitere und ernste Geschichten, die hier nebeneinander stehen, es sind zugleich humorvolle und doch hintergründig nachdenkliche Begebenheiten, die unterhalten und bewegen wollen. Am anspruchvollsten in literarischer Hinsicht dürften Picard, Leo Hirsch und die Leierkastengeschichte von Kayser sein; daneben ist Ben Gawriel abenteuerlich-spannend und Georg Hirschfeld gemütvoll-launig.— Mit seiner bescheidenen aber ansprechenden Ausstattung wird das preiswerte Büchlein gewiß die verdiente Verbreitung finden. K. G—n. Eingänge Wir werden künftig die bei uns eingegangenen Bücher, welche aus räumlichen Rücksichten zunächst nicht ausführlicher gewürdigt werden können, in dieser Spalte aufführen. Eine eingehende Besprechung behalten wir uns im Einzelfalle stets vor. Birnbaum, Menachem: Menachem Birnbaum zeigt Karikaturen. Den Haag: Tiraha 1937. 24 Bl. Kisch, Bruno: Gottesglaube und Naturerkenntnis. Frankfurt a. M.: S. Neumann 1936. 175 S. Maybaum, Ignaz: Neue Jugend und alter Glaube. Der Chaluz und der Banl-habajit in der Verantwortung vor der fahre. Berlin: Philö-Verl. 1936. VII, 127 S. Metz, Josefa: Eva. Aus einer glücklichen Kindheit. Berlin: Bcrlh. Levy 1937. 90 S. Prinz, Joachim: Das Leben im Ghetto. Jüdisches Schicksal in fünf Städten. Berlin: Löwe 1937. 276 S. Schwarz, Hans Martin: Einer wie Du und ich. Eine Jugenderzählung aus unseren Tagen. Berlin: Jüd. Buch- und Zeitsehriften- Verl. Robert Alter 1937. 71 S. Bücherei des Schocken-Verlages: Nr. 70: Mommsen, Theodor: Judäa und die Juden. Mit einem Nachwort von Eugen Täubler. 1936. 92 S. Nr. 71: Schlesinger, Kalman (Hcrausg.): Die Gesetzeslehrer von Schimon dem Wahrhaftigen bis zum Auftreten Hillels. 1936. 87 S. Nr. 77: Rosenzweig, Franz: Zur jüdischen Erziehung. Drei Sendschreiben. 1937. 81 S. Nr. 83: Straus», Ludwig: Kleine Nachtwachen. Sprüche in Versen. 1937. 83 S. 1h wenigen Moden Aus Anlaß des 20jährigen Gedenktages der.Balfour-Deklaration fanden zahlreiche Veranstaltungen statt. Auf einem Gemcindeabend in der Berliner Synagoge Prinzregentenstraße sprachen Rabbiner Dr. Leo Baeck (Reichsvertretung der Juden in Deutschland), Direktor Heinrich Stahl (Jüdische Gemeinde zu Berlin), Dr. Michael Traub (Jewish Agency), Dr. Alfred Klee (Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden) und OLG.-Rat i. R. Neumever (Jüdische Landesverbände in Süddeutschland). * In Jerusalem fanden am 14. November blutige Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern statt, denen sieben Menschenleben zum Opfer fielen: in S a f e d kam es zu einem regelrechten Gefecht zwischen britischen Truppen und aufständigen Arabern. Die Palästina-Regierung hat im Anschluß an die letzten Unruhen zur Aburteilung von allen an Bombenanschlägen. Terrorakten und ähnlichen Verbrechen beteiligten Personen Militärgerichte eingesetzt. * Der High Commissioncr für Palästina, Sir Arthur VV a u c h o p e , der seine Rückreise aus Gesundheitsrücksichten mehrfach verschoben hatte, trat am 20. November von London aus seine Rückreise nach Palästina an. Die von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland ausgearbeiteten „Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen für jüdische Volksschulen“ haben die Billigung des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung gefunden. » Der Ministerrat der Tschechoslowakei hat in einer Anfang November abgehaltenen Sitzung beschlossen, in Prag eine Lehranstalt zur Heranbildung von Rabbinern zu errichten. * Der Maharadscha von C o c h i n (Indien) hat für den Bau einer Synagoge in Kadvobagam eine größere Menge Tiekbaumholz abgabenfrei zur Verfügung gestellt. Dr. Maurice I. Karpf, einer der prominentesten amerikanischen, Non-Zionists in der Jewish Agency, erklärte in einer Kundgebung Mitte November, die geplante Errichtung eines Judenstaates erfülle die Nichtzionisten Amerikas mit schweren Bedenken. Dr. Karpf, dessen Argumentationen im Wesentlichen mit den von Felix W a r b u r g in Zürich vorgebrachten Gründen übereinstimmen, gab der Hoffnung Ausdruck, daß der in Zürich beschlossene Verständigungsversuch mit den Arabern nicht mißlinge. Rabbiner Dr. Grünewald hat im Hinblick auf seinen bevorstehenden Wegzug aus Mannheim zunächst sein Amt als Gemeindevorsitzender und Synagogenrat niedergelegt. Das Amt des Gemeinderabhiners wird er bis zu seinem Wegzüge versehen. — Zu seinem Nachfolger als Gemeinderabbiner wurde Rabbiner Richter (Stettin) gewählt. * In B e r 1 i n verstarb der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde, Rechtsanwalt Dr. Abraham L ö b. * Wegen angeblicher linksradikaler Betätigung wurden am 2. November in Budap e s t 36 jugendliche Mitglieder verschiedener Hachscharagruppen verhaftet, aber am nächsten Tag sämtlich wieder entlassen, da sich keine Anhaltspunkte für die vorgebrachte Beschuldigung ergaben. Am 7. November wurde in den hauptsächlich von Juden bewohnten Stadtteilen eine Generalrazzia vorgenommen. Mehr als 500 Personen wurden zur Polizei gebracht, aber bis auf 29 wieder entlassen. Bei den letztgenannten handelt es sich um Personen, die keine Aufenthaltsgenehmigung vorzeigen konnten. Förderung der jüdischen Auswanderung durch Kapital-Transfer An dem Transferverfahren, das auf Anordnung der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung über 'die Allgemeine Treuhand- Stelle für die jüdische Auswanderung (Altrcu) Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Berlin W 35, Potsdamer Straße 72, abgewickelt wird, können in Zukunft gemäß einer dieser Treuhand-Stelle von der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung erteilten Genehmigung jüdische Personen teilnehmen, deren Vermögen bei Einzelauswanderung 30 000 RM, bei gemeinschaftlicher Auswanderung von zwei Personen 40 000 RM, bei gemeinschaftlicher Auswanderung von drei upd mehr Personen 50 000 RM nicht übersteigt. Die .bei Einleitung des Verfahrens zu berücksichtigenden Einzelheiten sind aus einem Merkblatt der Altreu zu ersehen, welches auf Anforderung vom Hilfsverein der Juden in Deutschland, Berlin W 35, Ludendorffstr. 20, und dessen Zweigstellen, vom Palästina-Amt, Berlin W15, Meinekestr. 10, und dessen Zweigstellen sowie von der Altreu an Interessenten kostenlos abgegeben wird. Diese Stellen sowie die Altreu erteilen auf Wunsch auch 'Auskunft über die Höhe der erzielbaren Transfersätze. Förderung dar Auswanderung minderbemittelter Juden Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Zur Förderung der Auswanderung minderbemittelter jüdischer Personen ist - die Reichsvertretung der Juden in Deutschland in der Lage, Darlehen zum Zwecke der Durchführung der Auswanderung zur Verfügung zu stellen, sofern nachweislich die Auswanderung nur durch Bereitstellung solcher Darlehen vollzogen werden kann. Einzelheiten sind einem Merkblatt zu entnehmen, das bei dem Hilfsverein der Jnden in Deutschland, Berlin W 35, Ludendorffstr. 20, and dessen Zweigstellen, sowie beim Palästina- Amt, Berlin W 15, Meinekestr. 10, und dessen Zweigstellen erhältlich ist. 10