Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 8 (1.8.1937)
- Date
- 1937-08-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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15. Jhrg/Nr. 8 Jüd. Gemeindeblatt f. d. Synag.-Gem. in Preußen/Norddeutsdiland 1. August 1937 6. Berufsgliederung der Auswanderung Berufsgrupp« fflännlidi walblldi zusammen % Kaufleute selbständig 1062 38 1100 23,4 Angestellte 262 147 409 8,7 Handwerker selbständig 301 56 357 7,6 Gehilfen 20 2 22 0,5 Arbeiter 33 6 39 0,8 Ärzte 48 9 57 1,2 sonstige freie Berufe 169 64 233 5,0 Hausangestellte 3 142 145 3,1 Landwirtschaft 128 28 156 3,3 Schüler 273 222 495 105 Ehefrauen ohne Beruf — 888 888 18,9 ohne Beruf 299 500 799 17,0 ohne Angabe 232 169 401 7. Insgesamt 2830 2271 5101 •/. abzüglich »ohne Angabe« 401 100,0 4700 Stimmung hiermit steht die verhältnismäßig hohe Zahl der ausgewanderten Schüler, die darauf hindeutet, daß die Familienauswanderung an Umfang zunimmt. 7. Altersgliederung der Auswanderung Alter männlich weiblich zusammen % unter 20 Jahre 593 425 1018 21.1 20-29 Jahre 70ß 591 1293 26,8 30—39 Jahre 551 430 981 20,4 40 —49 Jahre 413 303 716 14,9 SO Jahre und mehr 435 373 808 16,8 ohne Angabe 136 149 285 7. Insgesamt 2830 2271 5101 7. abzüglich ,ohne Angabe" 285 4816 ‘ 100,0 Die Altersgliederung zeigt gegenüber dem letzten Quartal, von einem geringen Anstieg der jüngsten Jahrgänge abgesehen, eine Verschiebung nach den höheren Altersstufen hin. Sollte sich diese Entwicklung in den folgenden Quartalen bestätigen, so würde sie als erfreuliches Anzeichen dafür zu werten sein, daß mit dem verstärkten Auswanderungswillen auch die älteren Jahrgänge in angemessenem Umfange Immigrationsmöglichkeiten finden. Wirtschaft in Übersee Die meisten jüdischen Familien haben heute Angehörige oder Freunde in überseeischen Ländern. Aus beinahe jeder jüdischen Gemeinde sind ehemalige Mitglieder allein oder mit ihren Familien nach Übersee ausgewandert. Briefe kommen, in denen die Absender ihren Angehörigen oder Freunden das Leben in der neuen Heimat ausführlich zu schildern versuchen. Aber nur selten gelingt es, in diesen Briefen das Wesentliche der äußeren Lebensverhältnisse in einem völlig fremden und anders gearteten Lande darzustellen und den Empfängern der Briefe geistig zu übermitteln. Denn Briefe geben immer nur einen Ausschnitt aus dem Gesamtbild. Sie lassen nur die persönlichen Eindrücke des Briefschreibers erkennen und zeigen, wie sich in seinem Denken und Fühlen die neuen Verhältnisse widerspiegeln. Ein klares Gesamtbild der wirtschaftlichen Lage und der Lebensmöglichkeiten in einem fremden Lande kann man sich aber nur bilden, wenn man über die Grundlagen und die Entwicklungstendenzen der Gesamtwirtschaft dieses Landes genügend unterrichtet ist Um dieses Verständnis der Daheimgebliebenen und der künftigen Auswanderer für das wirtschaftliche Leben in Ubersee zu fördern, soll hier der gegenwärtige Stand der Wirtschaftsentwicklung in einer Reihe von Ländern kurz dargestellt werden. Vereinigte Staaten. An dem Aufschwung der Weltwirtschaft sind die Vereinigten Staaten führend beteiligt. Produktion, Beschäftigungslage, Löhne, Industrie- und Handelsgewinne haben nach endgültiger Überwindung der Weltwirtschaftskrise einen neuen Hochstand erreicht. Aber auch wirtschaftliche Störungen, die häufig mit einer Hochkonjunktur verbunden sind, machen sich in U.S.A. bereits bemerkbar. Umfangreiche Lohnkämpfc und Streiks haben in einer Reihe von Wirtschaftszweigen, namentlich in der Stahl- und Automobilindustrie, fühlbare Hemmungen des Aufschwungs hervorgerufen. Ob diese künftig zu einem Stocken der augenblicklich aufs höchste gesteigerten Gütererzeugung führen werden, läßt sich noch nicht übersehen. Zurzeit hält die außerordentlich lebhafte Nachfrage noch an, und die industriellen Anlagen sind bis zur Höchstgrenze ihrer Kapazität ausgenutzt. Das bedingt hohe Industriegewinne, steigende Löhne und Mangel an Arbeitskräften. Im Monat April d. J. war in den Vereinigten Staaten die statistisch berechnete Lohnsumme um 32 Prozent höher als in dem gleichen Vorjahrsmonat. Die erhöhten Weltmarktpreise der Agrarprodukte haben auch die Einkommen der amerikanischen Landwirte und damit ihre Kaufkraft, die namentlich für die Prosperität des Handels sehr wichtig ist, bedeutend gesteigert. Die Preiserhöhungen der landwirtschaftlichen Produkte waren noch größer als die der Industriewaren, deren Preissteigerung seit Anfang Juni zum Stillstand gekommen, teilweise sogar in einen geringen Rückschlag übergegangen ist. Die Folge der auseinandergehenden Preis-- entwicklung der Agrar- und Industriewaren ist eine, wenn auch bis jetzt noch leichte Verteuerung der Lebenshaltungskosten, Zusammenfassend kann gesagt werden, daß Arbeit und wirtschaftliche Betätigungsmöglichkeiten gegenwärtig in den Vereinigten Staaten wesentlich leichter als noch vor einem Jahre zu finden sind. Die künftige Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft ruht freilich angesichts gewisser Spannungen nicht auf unbedingt sicheren Grundlagen. Doch sind bisher Anzeichen eines Konjunkturrückschlags nicht feststellbar. Argentinien. Dieses Land hat aus dem Steigen der Agrarpreise auf dem Weltmarkt besonders großen Nutzen gezogen, weil es in gesteigerten Mengen diejenigen Erzeugnisse hervorbringt und ausführt, die zurzeit stark gefragt sind-und hoch bezahlt werden, nämlich Weizen, Mais, Baumwolle, Wolle, Häute, Gefrierfleisch u. a. Die Ausfuhr Argentiniens war in den ersten 5 Monaten des laufenden Jahres doppelt so hoch wie in der entsprechenden Vorjahrszeit und .größer als jemals zuvor. Die reichen Erlöse dieser Ausfuhr werden vorwiegend dazu verwendet, die Industrialisierung Argentiniens vorwärts zu treiben. Daher werden in wachsenden Mengen Maschinen, Fahrzeuge, Eisen und Eisenwaren importiert. Die günstige finanzielle Lage des Landes fördert seine wirtschaftliche Entfaltung in außerordentlich hohem Maße. Brasilien. Auch hier macht die Industrialisierung Fortschritte. Trotzdem bleibt die Prosperität offensichtlich hinter der Argentiniens zurück. Das ist vor allem auf die landwirtschaftliche Monokultur Brasiliens zurückzuführen, das sich allzu sehr auf die Erzeugung und Ausfuhr von Kaffee eingestellt hatte. Kaffee aber ist ein Erzeugnis, das heute in übermäßig großen Mengen angeboten wird -und daher auf dem Weltmarkt noch immer schwer abzusetzen ist, wenn sich auch die Preise erholt haben. Um einen Sturz der Kaffeepreise zu verhindern, — hat die brasilianische Regierung auch in diesem Jahre wieder 70 Prozent der Kaffee-Ernte aus dem Markt gezogen. Diese ungeheuren Mengen von Kaffee sollen am Ende des Wirtschafts- _ jahres verbrannt werden. Natürlich belastet eine solche Vernichtung von 25 Millionen Sack Kaffee die Wirtschaft des Landes in fühlbarer Weise. Trotzdem geht deren Entwicklung aufwärts. Die Baumwollernte war größer als im Vorjahr und dürfte auf dem Weltmarkt zu befriedigenden Preisen abgesetzt werden können. Auch die Erzeugung von Weizen, Ölfrüchten u. a. konnte, teilweise mit Regierungshilfe, gesteigert werden. Durch die Entschuldung der brasilianischen Landwirtschaft ist deren Kaufkraft gestärkt worden, und dadurch wird natürlich der Binnenhandel gefördert. Der Zustrom von Auslandskapital, der auf einer günstigen Beurteilung der Wirtschaftsaussichten Brasiliens beruht, erleichtert den Ausbau der Produktionsgüterindustrien. Besondere Beachtung verdienen die auf die Ausbeutung der Eisenerzlager des Landes gerichteten Bestrebungen, da bisher Südamerikas Eisenversorgung fast ganz vom Import abhängig war. Mangel an Arbeitskräften, insbesondere an landwirtschaftlichen, macht sich bereits geltend und wird die Regierung künftig vielleicht zu einer Erhöhung der Einwanderungsquoten veranlassen. Im allgemeinen sind die Berichte der Einwanderer aus Brasilien auf einen recht optimistischen Ton gestimmt Der konjunkturelle Aufschwung der überseeischen Volkswirtschaften erleichtert offenbar den Einwanderern die Gewinnung befriedigender Existenzgrundlagen. Dr. H. N. Offene Stellen Genehmigt durch das Laadesarbettsamt. Für Süd-Afrika werden zwei perfekte jüdische Knopfarbeiter gesucht. Umschichtler kommen nicht in Frage. Für Danzig wird eine jüdische Laborantin gesucht die Kleesaaten etc. analysieren, Keimkraft feststellen und sämtliche für ein Saatengeschäft erforderlichen Untersuchungen selbständig und zuverlässig vornehmen kann. Ausführliche Bewerbungen auf Dünn-Papier mit Zeugnisabschriften, Lebenslauf und Paßbild werden weitergeleitet durch die Jüdische Gemeinde, Berlin SW 19, Lindenstr. 43/50.