Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 7 (1.7.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Stettin und Pommern)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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FÜR DIE JÜDISCHEM GEMEINDEN PREUSSENS VERWALTUNGSBLATT DES PREUSSISCHEN LANDESVERBANDES JÜDISCHER GEMEINDEN 15. Jahrgang Berlin, den 1_. Juli 1937 Nr. 7 Das jüdisdie Sozialwerk in Deutschland Von Dr. Bruno Sommerfeld. Grundgedanken der socialen Hilfe. Die Entstehung des modernen Staates ist das Ergebnis eines unerbittlich geführten Kampfes gegen den brutalen Egoismus der Mitglieder der Gesellschaft und ihrer Erziehung zu sozialem Verhalten. Es liegt eben in der Natur des Menschen, daß jeder an sich selbst zuerst denkt, in jedem Augenblick bereit, von «einer Ellbogenfreiheit rücksichtslos Gebrauch zu machen. Die Kultivierung der Menschheit beinißt sich nach dem Grade, in dem es gelingt, diese elementaren Triebe zu bündigen. Die Kulturhöhe qines Staates spiegelt sich so vor allem in seinen sozialen Einrichtungen, durch die er die Schwachen und die aus dem normalen Lebensprozeß Ausgegliederten in seinen Schutz nimmt. In Deutschland hat die soziale Fürsorge eine lange Tradition. Viele Staaten haben die vorbildlichen Einrichtungen der Kranken- und Arbeitslosenversicherung beispielsweise von Deutschland übernommen. Die zweckmäßige und straffe Dörchorganisierung -der sozialen Einrichtungen in Deutschland ist auf das jüdische Sozialwerk nicht ohne Einfluß geblieben. Die tiefer reichende Wurzel des jüdischen Sozialwerks jedoch - liegt in der jüdischen Religion. Alle sittlich-religiösen Gebote wollen das soziale Pflichtbewußtsein in uns reifen lassen. Das „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ (genauer. ■.. „denn er ist wie Du“) verlangt die Überwindung des allzumenschlichen Egoismus und packt so den Menschen an der empfindlichsten und zugleich für ihn begreiflichsten Stelle. Die unzähligen Vorschriften, die das soziale Verhalten der Juden im einzelnen regeln, lassen sich sämtlich auf den- Kernsatz zurückführen: „Es werden allezeit Arme sein im Lande. Darum gebiete ich Dir und sage, daß Du Deine Hand auftust Deinem Bruder, der bedrängt und arm ist in Deinem Lande" (5. B. M. 15,11). (Mose 5, 15). Das sind die Grundgedanken, auf denen die jüdische Nächstenliebe, und Wohltätigkeit beruht. Die Mizwoth, die Gebotedes Wbhit.uns, wurden so zur religiös-sozialen Pflicht des: Juden, daß die.Betreuten geradezu einen Anspruch auf Unterstützung zu haben glaubten. Israel Zangwill schildert uns in seinem amüsanten Buch „Der König der Schnorrer“ so einen Typ, der sich noch wie ein Philanthrop vtirkommt, wenn er .die*Gaben der Reichen annimmt, da sie nur durch ihn ihre religiösen Pflichten erfüllen kdqhten. Das ist die Kehrseite dieser Art Mildtätigkeit. I)as „gute jüdische Herz“ wurde vornehmlich für die rein materielle Hilfsbedürftigkeit in' Anspruch genommen. Die Sozialpolitik der Sammelbüchse hat Unsichtlich des Gebenden wie des Nehmenden ihre schweren Bedenken, Der Gebende fühlt sich schon durch die Spende der Almosen entlastet, anstatt sich dem Dienst aufbauender Sozialarbeit zu widmen. Und die Kraft des Nehmenden wurde in den meisten Fällen mit unerarbeiletem Gelde eher geschwächt als gestärkt. Mit den ersten Almosen sind Menschen nicht selten für ihr Leben lang zu Bettlern gemacht worden, sodaß der Schaden den Nutzen überwog. Das jüdische Sozialwerk in Deutschland mußte daher andere Wege beschreiten, wenn es die vielfältigen and schweren Aufgaben einigermaßen bewältigen wollte. Daß in einer Zeit, in der die Grundfesten der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland erschüttert wurden, für die Dachorganisation der Sozialarbeit-der Name „Zentralausschuß für Hilfe und Anfban* gewählt wurde, sollte mehr als eine kühne Formel sein. Die sozialen Einrichtungen. Der Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau hat seit dem Jahre 1933 die einheitliche Leitung über das gesamte Hilfs- und Aufbauwerk inne. Die Fülle der den Juden in Deutschland gestellten Sozialaufgaben machte die Zusammenfassung aller Kräfte erforderlich. Es gelang, im Einvernehmen mit den beteiligten Organisationen den Gedanken der Einheitlichkeit weitgehend durchzusetzen und die Haupfstelle für jüdische Wanderfürsorge, Jüdische Arbeitshilfe E. V., Vereinigte Zentralstelle für Berufsumschichtung (früher Arbeitsnachweise), Zentrabtelle für jüdische Wirtschaftshilfe, Zentralwöhlfahrtssteile der Juden in Deutschland in einen Gesamtrahmen zu foringm. Als selbständige Orgarr nisationen, aber in enger Zusammenarbeit mit der Reichs- Vertretung blieben nur noch das Palästina-Amt und der Hilfsverein der Juden in Deutschland .übrig, bei denen aus . Gründen ihres Aufbaus und ihres Arbeitsgebiets die Gemeinde - Mitteilungen: Tilsit . ... . . . . Seite 10 Thüringen. „ 10 DSagdeburg. , 11 Duisburg . .. „ 12 Bremen ••«.«•••••• j, 12 Halle .. , 14 r ' Stettin .. , 15 I