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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1937-06-01 · 6 (1.6.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Halle, Bremen, Nordwestdeutschland, Stettin und Pommern) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
15 (1937)
Issue
6 (1.6.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Halle, Bremen, Nordwestdeutschland, Stettin und Pommern)
Date
1937-06-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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GEMEINDEBLATT FÜR ME JÜDISCHEM GEMEINDEN PREUSSENS VERWALTUNGSBLATT DES PREUSSISCHEN LANDESVERBANDES JÜDISCHER GEMEINDEN 15. Jahrgang Berlin, den 1. Juni 1937 - Nr. 6 Frage die vorigen Geschlechter! Mehr als jede andere scheint uns die jüdische Geschichte angetan, aus ihr seelischen und praktischen Gewinn für die Gegenwart und für die Zukunft zu ziehen. Vielleicht, weil sie uns und wir ihr am nächsten sind. Vielleicht und sicherlich aber noch aus einem anderen Grunde. Es heißt so oft, die Weltgeschichte kenne keine Wiederholungen. Ist das aber richtig, und steht solcher Behauptung nicht eine allgemeine Grunderkenntnis entgegen —: die Erkenntnis von der Konstanz der Menschengattung? Es ist das Wesen jeder Gattung, daß sie konstant ist, unveränderlich; das liegt im Begriff der Gattung selbst, und die Konstanz der Menschheit leugnen, heißt bestreiten, daß die Menschheit eine Gattung ist. So reagieren also die Menschen auf bestimmte Vorkommnisse immer gleich; soweit dennoch Abweichungen stattfinden, beruhen sie auf der unendlichen Vielschichtigkeit alles Geschehen^, das eben in Wirklichkeit niemals völlig „Gleiches“ kennt, und ferner, was mit dem soeben Gesagten zusammenhängt, auf der Verschiedenheit, -ddr Verhältnisse und Bedingungen des Lebens. Aber die Menschengattung als solche fendert sich nicht, und darauf beruht es auch, daß wir — sehr ähnlich wie in der sogenannten unbelebteri Natur — auch m der Geschichte der Völker fdäs Walten von „Gesetzen“ beobachten. Es hat etwas Ungemein Tröstliches^ zu wissen, daß die Menschheitsgeschichte kein blindes Walten des Zufalls und der Kräfte kennt, sondern daß auch in ihr undurchbrechbare Gesetze walten; wir dürfen getrost von „Naturgesetzen“ der Weltgeschichte sprechen. Und nun meinen wir: in der Geschichte keines Volkes ist diese Gesetzmäßigkeit so deutlich sichtbar wie gerade in derjenigen der Juden. Die jüdische Geschichte ist geradezu ein Musterbeispiel für die ewige Wiederkehr des Gleichen, sie ist eine viertausendjährige Kette immer sich gleichender Wiederholungen, sodaß wir erkennen: ein undurchbrechbares Gesetz waltet über uns, dem wir zu dienen haben, wenn wir nicht scheitern wollen. Daher die immer wieder überwältigend erstaunliche „Zeitgemäßheit“ der Bibel, die in grauer Vorzeit zu unseren Ahnen Gesprochenes zu u n s sagt — alle ihre Worte scheinen auf uns und unsere Verhältnisse zu passen. Daher auch unsere feste Zuversicht, unsere Sicherheit: was den Vätern verheißen ward und an ihnen in Erfüllung ging, das gilt auch für uns und geht in Erfüllung an uns und an unseren Kindern. Gerade dies aber macht es uns zur Pflicht, nicht nur selber die „frühere“ Geschichte zu studieren, sondern zugleich auch dafür zu sorgen, daß auch dSe, die nach uns kommen, die heutige Geschichte zu studieren vermögen. Noch ist die Zeit nicht da, eine große Geschichtsschreibung der letzten Jahrzehnte jüdischen Geschehens vorzunehmen; die Ereignisse sind allzu nah, die Personen zu sehr einbezogen in alle Bewegung und die Periode als Ganzes noch nicht abgeschlossen. So kann der Geschichtsschreiber erst nach Ablauf weiterer Jahrzehnte, vielleicht erst nach Generationen kommen — kommen wird er. Wir brauchen ihm nicht vorzugreifen, wira könnten es auch gar nicht; aber wir sollten ihm —* Vorarbeiten. Mit andern Worten: wir sollten sammeln. Diese Anregung deckt sich mit unserm eigenen Wunsch, die Urgründe und damit die Gesetze unseres Seins kennen zu lernen. „Mehr denn je bewegen uns heute die Fragen nach dem Woher und Wohin von Einzelmenschen und Geschlechtern“, lesen wir in einem 1928 erschienenen Buch (Wilhelm Hussong „Familienkunde“, Reclam 6863/4) und staunen eigentlich, daß wir das erst in einem nichtjüdischen Büch finden müssen. Deutet aber jener Verfasser an, daß Notzeiten oft eine Hochblüte,der Genealogie gebracht haben, so dürfen wir Juden von uns sagen, daß Zeiten stärkster materieller Gefährdung bei uns immer auch Zeiten intensivster geistiger Sammlung gewesen sind — das Wort „Sammlung“ in seinen beiden Bedeutungen genommen: Selbstbesinnung und Zusammenstellung. So ist es in der Gefangenschaft Babylons zur Sammlung der heüigen Schriften, so in spä- Gemeinde - Mitteilungen: Magdeburg. Seite 11 Duisburg . Thüringen Halle . . . Tilsit . . . Bremen . . Stettin . . 12 12 13 18 14 15

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