Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 12 (1.12.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Magdeburg, Halle, Stettin, Pommern und Duisburg)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Ausblick auf die Wirtschaft Das Institut für Konjunkturforschung stellte in seiner letzten Übersicht über die Wirtschaftslage Deutschlands fest, daß nunmehr alle Arbeiter und Angestellten mit geringen Ausnahmen in _ Arbeit sind. Der Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung bestätigt das durchaus. Die jahreszeitlich begründete Zunahme der Arbeitslosen um 40 000 im Monat Oktober war wiederum erheblich geringer als in früheren Jahren. Ende Oktober wurden insgesamt noch 1070 000 Arbeitslose gezählt. Das sind rund */t Million en weniger als vor einem Jahre. Von den etwa 1 Million Arbeitslosen aber besteht zweifellos ein beträchtlicher Teil aus Menschen, die aus dem einen oder dem anderen Grunde nicht voll arbeitsfähig sind. Ein anderer Teil wieder sind Arbeiter und Angestellte, die trotz ausreichender Arbeitsfähigkeit wegen ihres höheren Alters bisher Schwierigkeit hatten, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Die Reichsanstalt hat kürzlich die Altersgliederung von 606 000 Empfängern von Arbeitslosenunterstützung untersucht und dabei ermittelt, daß nicht weniger als 38 Prozent über 40 Jahre alt waren. Unter den sechs Anordnungen, die Ministerpräsident . Göring unter dem 7. November d. J. zur Durchführung des 1 Vierjahresplans erlassen hat, befindet sich nun auch eine, die das Ziel verfolgt, älteren einsatzfähigen Angestellten wieder einen Arbeitsplatz zu verschaffen. Zu diesem Zweck wird u. a. Betrieben mit zehn und mehr Angestellten die Verpflichtung auferlegt, in angemessenem Umfange Angestellte im Alter von 40 und mehr Jahren zu beschäftigen. In diesem Zusammenhänge erscheint es angebracht, alle jüdischen Arbeitgeber daran zu erinnern, daß insbesondere auch die Zahl der arbeitslosen jüdischen älteren Angestellten außerordentlich groß ist. Jede soziale Verpflichtung beginnt zuhause, d. h. in diesem Falle bei dem nächststehenden Kreise von arbeitslosen älteren Menschen, die ordnungsmäßig vorgebildet und einsatzfähig sind. In dein erwähnten Bericht des Instituts für Konjunkturforschung wird ferner darauf hingewiesen, daß die Verbrauchswirtschaft den Vorsprung, den bisher die Produktionsgüterindustrien im konjunkturellen Aufstieg hatten, in letzter Zeit kräftig aufgeholt hat. Die zunehmende Beschäftigung schafft wachsendes Einkommen und damit auch Verbrauchssteigerungen auf fast allen Gebieten. Beweis hierfür sind die steigenden Umsätze der Verbrauchsgüterindustrien, der verbrauchsorientierten Handwerkszweige und nicht zuletzt des Handels. Erwähnt wird insbesondere die Besserung der Beschäftigung im Bekleidungshandwerk, die beispielsweise bei dem Schneider- und Schuhhandwerk zu beobachten ist. Im Einzelhandel bleibt der Mengenumsatz, wie die statistischen Aufnahmen zeigen, jetzt nur noch wenig hinter dem in dem letzten Hochkonjunkturjahr 1939 erreichten Höchsstande zurück. Alle Zahlen, die als Maßstab der Wirtschaftstätigkeit dienen, illustrieren den andauernden Aufschwung. Der Güterverkehr bei der Reichsbahn z. B. hat so stark zugenommen, daß sogar Schwierigkeiten in der Wagengestellung eingetreten sind, die durch Neubeschaffung von Güterwagen behoben werden sollen. Der arbeitstägliche Absatz des Rheinisch--Westfälischen Kohlen - Syndikats betrug im Monat Oktober 245 000 Tonnen gegenüber 222 000 Tonnen im Monat September. Der Verband deutscher Lebensversicherungsgesellschaften teilte kürzlich mit, daß sich <lie Gesamtzahl der Versicherungen im letzen Jahre um 1,3 Millionen, die Gesamtversicherungssumme um 1.35 Milliarden RM. oder um mehr als 8 Prozent erhöht hat. Den verschiedenen Wirtschaftszweigen sind bei der Durchführung des Vierjahresplanes meist wichtige Sonderaufgaben zugefallen. Die Banken z. B. müssen die Finanzierungsprobleme, insbesondere durch Kreditgewährung und richtige Kreditlenkung lösen helfen. Der Einzelhandel soll den Verbrauch in <lie richtigen Bahnen lenken und den gegebenen Produktionsverhältnissen anpassen. Die Industrien sind mit Rohstoff- und Preisregelungstragen befaßt. Id der Holzwirtschaft sind Erzeuger, Verarbeiter und Händler zu einer Marktvereinigung zusammengeschlossen worden. Alle Unternehmer und Unternehmungen des Holzhandels unterliegen der Anmeldepflicht. Die Meldezeit läuft bis zum 15. Dezember d. J. So werden auf den verschiedensten Gebieten die Einzelinteressen einer Gesamtordnung unterstellt, deren oberste Aufgabe die Sicherung der Lebensgrundlagen der .Gesamtheit ist. Die Belange der jüdischen Wirtschaftsmenschen werden durch einige in den letzten Wochen gefällte, grundsätzlicfiv_ wichtige Entscheidungen berührt. Das Reichsarbeitsgericht hat die Kündigung eines ruhegehaltsberechtigten nichtarischen Angestellten für rechtsunwirksam erklärt und zur Begründung ausgeführt, daß die Weiterbeschäftigung jüdischer Angestellter außerhalb des von der Gesetzgebung erfaßten Rahmens keiner Beschränkung unterliege, und daß daher einer Kündigung aus wichtigem Grunde ledigli ch wegen der nichtarischen Abstammung des Angestellten nicht zugestimmt werden könne. Ebenso hat das Preußische Oberverwaltungsgericht in einem Falle, in dem es sich um die Zulassung eines jüdischen Wandergewerbetreibenden handelte, den Standpunkt vertreten, daß die persönliche Zuverlässigkeit, die ja Voraussetzung für die Zulassung ist, nicht allein wegen der Zugehörigkeit zur semitischen Rasse verneint werden könne. Anscheinend geht die Entwicklung allmählich dahin, daß der Raum, der für die wirtschaftliche Betätigung der Juden verbleibt, fester abgegrenzt wird. H. N. Opernpremieren in Berlin — fürs Reich Stawinaky: Die Geaehiebte vom Soldaten. Wenn es sich bei diesem Meisterwerk der neuen Musik auch nicht um das Werk, eines Juden handelt (Igor Strawinsky ist Russe), so soll doch der Wagemut eines jungen Kollektivs jüdischer Musiker und Schauspieler anerkannt werden, die sich unter unzähligen Schwierigkeiten die Mühe gemacht haben, dieses Wert in Berlin wieder zur Aufführung zu bringen. Sie kamen auf diese Jahrmarktskomödie, wie im Jahre 1918 Strawinsky selbst, als es ihm in der Schweiz nicht allzu rosig ging, keine Dekorationen, keine großen Akteure da waren, man nicht viele Instrumentalsten hatte, und — nicht zuletzt — etwas verdienen mußte. So machte der Komponist aus der Not eine Tugend und schrieb diese tragikomische Moralität, auf einem schnell zusammengehauenen Holzgerüst mit Hinterprospekten zu agieren, mit ein paar Musikern, vor allem Schlagzeug, und vier Personen, von denen eine nur vorlas. die Prinzessin nur tanzte, die dritte, ein Soldat war, den schließlich die vierte, der Teufel persönlich, doch noch holte. Auch wir haben wenig Leute und nur ein paar Instrumentalsten. So malte der Kulturbundbildner Co n d e 11 ganz herrlich-primitive Dekorationen, machte Eljaschoff, ein Landsmann des Komponisten, 4lie Jahrmarktsregie, dirigierte * Wolfgang Fraenkel mit bemerkenswertem Geschick diese überaus komplizierte Partitur, spielten, tanzten, mimten und sprachen alle übrigen vortrefflich, und es kam eine Auf- - führung zustande, die man mit Freude und Genuß erlebt hat. Und nun das Merkwürdigste: das Publikum. Seit Tagen war der Saal ausverkauft. Unzählige bekamen keine Karten. Es war ein großer Erfolg, die Aufführung wird wiederholt, man will damit auch ins Reich gehen. Hoffentlich werden recht viele Städte im Reiche dies Werk zu sehen bekommen. Dr. Oskar Güttmann. ¥ Dittersdorf: Doktor und Apotheker Die Gastspieloper des Reichsverbandes der jüdischen Kulturbünde und der Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde in Berlin präsentierte sich zum erstenmal in dieser Saison in einer Festvorstellung zugunsten der Ärztehilfe der Jüdischen Gemeinde mit einer Aufführung der komischen Oper „D o k t o r und Apotheker“ von Karl Ditters von Dittersdorf. I Familien -Anzeigen Allen, die meiner an meinem SA. Behertilega gedadii hoben, danke Idi auf das herzlichste. Frau Adelheid Lichtenstein Magdeburg, Tischlert rüg Ur. 40 Für die mir zu meinem 90. OebarVs tarne erwiesenen Ehningen und Aufmerksamkeiten spreche Idi allen meinen herzlidisten Dank aus. Frau Rosa Robinson Magdeburg, Jokobstrafie 0 Für erwiesene Aufmerksamkeiten anläßlich unseres 75. rosp. 70. Geburtstages danken herzlichst Albert u. Lina Rosonthal Bremen, Im November 1006 Magdeburg,'im Dezember 1036 Olvenstedter Sir. 7t Solo Schwarz Rosi Schwarz geb. Hülse Vermählte 1!