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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-10-01 · 10 (1.10.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Tilsit, Stettin und Pommern) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
10 (1.10.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Tilsit, Stettin und Pommern)
Date
1936-10-01
Page
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Language
German
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HÖR DIE JÜDISCHEN GEMEINDEN VERWALTUNGSBLATT DES PREUSSISCHEN LANDESVERBANDES JÜDISCHER GEMEINDEN 14. Jahrgang Berlin, den 1. Oktober 1936 Nr. 10 FREUSSENS Neue Hütten Eigentlich ist es merkwürdig: wir feiern ein Befreiungsfest zur Erinnerung an den Tag, da Israel aus ägyptischer Frohnschaft erlöst wurde und den Zug in die alte Heimat antrat; wir feiern — selbstverständlich! — das Offenbarungsfest zur Erinnerung an das sinaitische Erlebnis, das der Wanderung des befreiten Volkes die innere Richtung wies; wäre es nicht das Gegebene, daß als drittes Fest nun eines folgte, das an die Besitzergreifung der alten Heimat erinnerte? Freilich, die ist nicht an einem bestimmten Tage, sondern erst im Laufe vieler Jahre erfolgt. Aber hat nicht auch die Wüstenwanderung sich über volle vierzig Jahre erstreckt, und trotzdem haben wir nun dieses Laubhüttenfest zur Erinnerung daran, daß „ich die Kinder Israel in Hütten habe wohnen lassen, als ich sie aus dem Lande Aegypten herausgeführt hatte“ (III. B. M. 23, 43). Sicherlich und ganz ohne Zweifel war es der Sinn jener Wanderung, daß Israel im eigenen Lande seßhaft werden sollte; viele Gebote werden ja geradezu begründet: „damit du lange lebest in dem Lande, das der Ewige, dein Gott, dir gibt“, und immer war es Lehre des Judentums, daß der Mensch auf eigener Scholle seßhaft werden solle. Haben widrige Umstände jemanden zum Verlassen seines Grund und Bodens genötigt, dann sollte spätestens nach Verlauf von fünfzig Jahren „jedermann zu seinem Erbe zurückkehren“ (III. B. M. 25, 13). Das ist die Lehre des Judentums; um so tragischer, daß das Schicksal des Judentums diesem Idealbild so durchaus entgegengesetzt ist —: wenn auch nicht alle fünfzig Jahre, so doch immer von Zeit zu Zeit haben wir Juden unser mühsam erarbeitetes Erbe wieder lassen müssen. Gerade unsere Generation'erlebt an sich selbst wieder die Paradoxie jüdischer Existenz —: wir haben kein festes Haus, sondern nur die leichte und schwankende Hütte, in die zwar die Sterne hereinschauen, in die aber doch auch die Winde hereinfahren, und doch ist es diese ewige Unsicherheit, die uns die letzte Sicherheit gab; leicht abgebrochen, ist die Hütte auch leicht ah anderm Orte wieder aufgebaut. Mag Trennung und Neuaufbau für dm einzelnen auch noch so schwer sein, er ist doch — ssi’s mit; sei’s gegen sein eigenes Denken und Empfinden —■ Glied jener unübersehbar langen Generationenreihe, deren von Gott bestimmtes Schicksal es zu sein scheint, sich die Seßhaftigkeit immer aufs neue erringen zu müssen nifd so, in ewigem Kampf um des höchsten Ideales willen; alle Katastrophen und sogar die sonst alles besiegende Zeit selbst zu fiberwinden. So kann, t so muß man das Hüttenfest deuten, wenn man es lebe&4w hineinstellen will in die Geschehnisse der Epoche, die jn nicht nur den Abbruch der alten Hütten bringt, sondern ebenso gebieterisch die Errichtung neuer Hütten von uns fordert, die wir so wetterfest, so erdverwurzelt wie möglich bauen wollen, damit wir... lange leben auf dem Lande, das uns gegeben wird, denn wir wollen, daß unsere Kinder und die jüdischen Generationen nach uns ein bleibendes Erbe erlangen, so wie es ihre menschliche Natur und ihre jüdische Lehre fordert. Neue Hütten ... Fast am gleichen Tage sind zwei Veröffentlichungen erschienen, die uns von den Zielen der jetzigen Judenwanderung sprecheh. Und nicht erst der jetzigen; denn Dr. Michael T r a u b beginnt seine Ausführungen *) mit einem kurzen Rückblick auf die jüdischen Wanderungen vor dem Kriege: über 2'/* Millionen Juden haben Osteuropa in der Zeit von 1881 bis 1914 verlassen, mehr als eine halbe Million in den Jahren 1915—1925, und abermals eine halbe Million während des letzten Jahrzehnts (1926—1935). Es handelt sich also um eine Wanderungsbewegung von wahrhaft geschichtlichen Ausmaßen, und es ist wichtig genug zu wissen, daß von den 500 000 Juden, die im letzten Jahrzehnt Europa verlassen haben, Palästina ebenso viel Juden (177 115) aufgenommen hat, wie alle transozeanischen Länder zusammengenommen — man erinnert sich, daß dies in den früheren Jahrzehnten der großen Amerikawanderungen ganz anders war. Aus dem umfangreichen Zahlenmaterial, das Dr. Traub in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des „Keren Hajessod in Deutschland“ zur Verfügung steht und das er in seinem Buch in außerordentlich anschaulichen graphischen Darstellungen und Tabellen verwendet bat, wird sich jeder Leser das ihn besonders Interessierende heraussuchen; wie wertvoll es aber ist, daß solche Zahlen veröffentlicht werden, und wieviel Optimismus sich aus ihnen gewinnen läßt, mag eine willkürlich berausgegriffene l) Dr. Michael Traub': „Die 'jüdische Auswanderung aus Deutschland“; Verlag Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin; 1936; 44 Seiten. Die Verwaltung des Anzeigenteils und des Abonnements befindet sich von jetzt ab Berlin SW 68, Charlottenstr. 18 (Fernsprecher; A7 6291) „ Anzeigenverwaltung Gemeindeblatt“ Beachten 8te nnaere Beilage in der heutigen Angabe l

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