Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 9 (1.9.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Magdeburg, Tilsit, Stettin und Pommern)
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Körperschaft die bei der Reiclisvertretung geschaffen wurde: der Gemeinderat, der in seiner weiteren Entwicklung hoffentlich dazu führen wird, daß die Reichsvertretung sich künftig in immer stürkerem Maße auf den Gemeinden und den von diesen gebildeten LandesverbSnden aufbanen wird. Je mehr die Reichsvertretung sich auf Vertreter der legitimen jüdischen Institution, d. i. die Gemeinde und deren Organe, stützen wird, desto mehr wird sie zu für Alle fruchtbaren Leistungen gelangen. Dfe kürzeste Geschichte des Judentums Ein großes Wagnis ist 'dem als Schriftsteller hochgeschätzten Rabbiner Dr. Emil Bernhard Cohn geglückt, der sich damit das Verdienst erworben hat, eine allseitig empfundene Lücke zu schließen. Jüdische Geschichtswerke sind in der letzten Zeit mancherlei erschienen, doch es fehlte ein Buch, das — ähnlich wie auf dem Gebiete der Sprache die Fibel — dem völlig Geschichtsunkundigen die elementarsten Grundlagen liefert. Solch ein Büchlein ist jetzt da; im Verlag Erwin Loewe, Berlin, ist es als erster Band einer neuen, zur Belehrung über das Judentum bestimmten Schriftenreihe erschienen und bringt nun auf nicht mehr als hundert Seiten einen Abriß der ganzen viertausendjährigen Geschichte des Judentums! Das schmale Werkchen ist tatsächlich — wenn der Vergleich gestattet ist — eine Thefillah Kezarah der jüdischen Geschichte: die einzelnen Epochen (Ursprung; Anfänge der Volkwerdung; Erwerb der Seßhaftigkeit [sogen. „Heldenzeit“], Königtum usw. usw. usw. bis zum Zeitalter der Emanzipation) sind klar gestaltet und deutlich gegeneinander abgegrenzt, sodaß sich ein übersichtliches, gut geordnetes und klar gegliedertes Gesamtbild ergibt, das sich dem Leser für immer einprägt. Besonders glücklich, ist der Umstand, daß auch die im allgemeinen weniger bekannten Epochen, insbesondere die Zeit nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil und die Entstehungszeit des Talmud plastisch und anschaulich geschildert sind — die geistige Eigenart eines jeden Jahrhunderts ist in jedem der Kapitel in schärfster Formulierung dargestellt. Der großen Schwierigkeiten, die sich einer derartig knappen Zeichnung entgegenstellen, ist sich der Verfasser durchaus bewußt gewesen, aber er hat es verstanden, sie mit leichter und kundiger Hand zu meistern. Nur in der Beschränkung auf das Allerwesentlichste konnte dieser Versuch so glücken, wie er tatsächlich geglückt ist; ja, vielleicht darf man sagen, daß gerade in dieser nur andeutenden Abkürzung und Zusammenfassung der geschichtliche Ablauf in so großen und klaren Linien zutagetreten konnte. Nur vollkommene Beherrschung des Stoffes, dichterische Ausdruckskraft und vor allem jene innere Wärme, die das Ganze durchglüht und das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen weiß — nur all dies konnte zttsammenwirkend eine in äußerlicher Anspruchslosigkeit so außerordentliche Leistung ermöglichen. Emil Bernhard Cohn ist innerlich gleich stark erfüllt von der nationalen wie von der religiösen Ueberlieferung des Judentums. Vielleicht wird man in Einzelheiten zum Widerspruch gestimmt werden und nicht jeder Deutung und Wertung bedingungslos beistimmen; im ganzen aber wird man doch immer wieder nicht nur von dem schlichten sachlichen Reiz der Darstellung, sondern vor allem von dem lebendigen Gottesglauben ergriffen werden, den Cohn allen Prüfungen der Geschichte entgegensetzt. In diesen Ton, auf den es von Grund aus gestimmt ist, klingt das knapp einführende und gut unterrichtende Büchlein aus. K. W. G. Amtlicher Teil Ausbau der Rekbsvertretung Die Presseabteilung der Reichsvertretung der Juden in _ Deutschland teilt mit: Wie der jüdischen Oeffentlichkeit bekannt, waren seit längerer Zeit Vorarbeiten im Gange mit dem Ziele, der Arbeit der. Reiehzvertretung im Interesse der Gesamtheit der Juden in Deutschland eine immer breitereGru n dlage zu geben. In einer Tagung des Organisations- Ausschusses, die am 12. August unter Leitung des geschiftsfährenden Vorsitzenden der Reichsverttetung,~Ministerialrat i. R. Dr. Otto Hirsch, stattfand, sind diese Bemühungen nunmehr zu einem erfolgreichen Abschluß gelangt. Den in der Tagung gefaßten Beschlüssen, die wir unten in ihren wichtigsten. Punkten wiedergeben, liegen folgende Gedankengänge zugrunde. Durch eine stärkere Uebernahme der Verantwortung an den Arbeiten der Reichsvertretung durch neue Menschen, vor allem der zionistischen Bewegung, sollen alle Kräfte der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland mit gleichen Rechten und Pflichten in gemeinsamer Arbeit vereinigt werden. Die Verbindung der Reichsvertretung mit den jüdischen Gemeinden und Landesverbänden soll im Interesse einer organischen Zusammenfassung noch enger gestaltet werden. Zur Umsetzung dieser Gedankengänge in organisatorische Form wurde beschlossen: 1. Der Präsidialausschuß der Reichsvertretung wird durch Hinzutritt von vier Zionisten und eines der Orthodoxie ungehörigen Herrn erweitert. 2. Der bisherige geschäftsführende Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Dr. Franz Meyer, tritt in die Geschäftsführung der Reicnsvertretung ein, um eine Reihe wichtiger Sachgebiete teils selbständig, teils in ständiger Zusammenarbeit mH dem Vorsitzenden des Präsidialausschusses, Dr. Otto Hirsch, zu übernehmen. 3. Es wird ein „Rat bei der Reichsvertretung“ gebildet, der aus 23 Mitgliedern besteht. Er setzt sich aus 15 Vertretern der Landesverbände und Gemeinden, je einenjjf Vertreter des jüdischen Centralvereins, des Reichsbundes., Jüdischer Frontsoldaten und der Zionistischen Vereinigung] für Deutschland, sowie fünf direkt berufenen Persönlich- keiten zusammen. Der Rat soll in allen grundsätzlichen Fragen gehört werden. In Fragen, die die Selbstverwaltung der Landesverbände und Gemeinden berühren, soll seine Zustimmung erforderlich sein. Er soll ferner die Finariz-. gebarung der Reichsvertretung überwachen und gemeinsam mit dem Präsidialausschuß über Verfassungsfragen der' Reichsvertretung beschließen, künftig die Mitglieder des Präsidialausschusses wählen und den Haushalt der Reichsvertretung festsetzen. Seine wichtigste Aufgabe wird darin bestehen, der engen Zusammenarbeit der Reichsyer- Kalender für September Dienstag Sept 1 M 14 Mittwoch 2 * 15 Donnerstag 99 3 „ 16 Freitag 4 . 17 Sonnabend VC 5 . Jg Kl thawo Sonntag 6 - 1» Montag 7 „ » Dienstag 8 . 21 Mittwodi 9 * 22 Donnerstag Freitag 99 10 tl „ 23 .24 - Sonnabend 99 12 . 25 Nizzawim; Waßelech Sonntag 13 „ 26 Montag ' 14 „27 Dienstag 15 » 28 Mittwodi 16 29 Vorabend de* Neu jahnfestet Donnerstag 17 TWWi 1 Neujahrsfest, 1. Ta* Freitag 18 „2 » > Sonnabend n 19 9 3 Ha’atinu; Seh. Schuwah Sonntag 20 4 Patten Gedaljah Montag 21 . 5 Dienstag 9 22 6 Mittwodi 23 „ 7 Donnerstag 99 24 » »_ , Frctauf Sonnabend 9 99 25 26 * 10''Ven0hnaD*sta* Sonntag 99 27 „ J1 Montag 9t s 28 „12 Dienatag Mittwodi 9» 99 29 30 „13 9