Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 9 (1.9.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Magdeburg, Tilsit, Stettin und Pommern)
- Date
- 1936-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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FÜR NE JÜDISCHEN GEMEINDEN PREUSSENS VB RWA LTU N G S BLATT DES PREUSSISCHEN LANDESVERBANDES JÜDISCHER GEMEINDEN Alle Zaedxrlften xind xu rldtlen an das Verwaltnn*»- und Gemeind ebutt dca Preu£4«hen Landearerbandes todladwr Gemeinden, Bhv-OxrloHrnbur* 2,.K*nlx«r. 158, H.St«k VerantwortUdier Leiter de* Inseratenteil*: Joeeph laairow, Berlin W15, KalaeraDee ■ 14. Jahrgang Berlin, den 1. September 1936 Nr. 9 V or den Festen ' Zu den bevorstehenden hochheiligen und in diesem Jahre besonders ernsten Festen unserer Religion entbieten wir allen Brüdern und Schwestern in Stadt und Land Glück- und Segenswunsch. Ein Jahr entrinnt, ein Jahr beginnt... Nur kurze Zeit noch, dann kündigt der hallende Schofarton in unsem Gotteshäusern, daß wiederum ein Jahr dahingerollt, daß ein neues Jahr unseres religiösen Kalenders seinen Anfang nahm. Gedanken an Ewigkeit und Unendlichkeit nehmen unsere Seelen in Besitz und machen uns die Kleinheit und Unsicherheit alles menschlichen Geschehens deutlich fühlbar. Und doch sind es gerade diese Gedanken an Unendlichkeit und Ewigkeit, die uns allen die Kraft geben, aus Enge und Sorge uns emporzuheben. Mag das Leben des Einzelnen mit allen seinen Nöten, mit dem Auf und Ab der Tagesereignisse unwichtig und winzig sein, gemessen an den Wogen des Ozeans Ewigkeit — jeder hat doch nur sein Leben, sein Schicksal, dem er die besten, die edelsten Werte abgewinnen soll; jedem Menschen ist sein kleines Leben sein Stück von der Ewigkeit, groß und wichtig vor ihm selbst wie vor Gott, und so ward allem Menschentum dies als höchste Aufgabe gesetzt: das Schicksal zu meistern. Dieses Schicksal — für uns Juden ist es seit je ein besonderes gewesen. Denn wenn auch Manche in unserenrReihen zuzeiten gemeint haben, sich unseres Glaubens entschlagen zu können, so ist es doch seit Urzeit über den Samen Abrahams, über den Stamm Jakobs so bestimmt, daß wir dem Glauben und seiner Lehre zu, dienen haben mit unserm Leben. Leben im Dienste Gottes — das ist der Inhalt des Bundes, den der Herr über Zeit und Ewigkeit einst mit den Vätern schloß; alle Generationen Israels in allen Jahrtausenden haben an diesem Bunde teilgehabt, er hat das Schicksal Israels geformt und geprägt. Der Bund mit den Vätern ist — das spüren wir heute — für jeden einzelnen Jüden zur Wirklichkeit geworden, und diesem jüdischen Schicksal kann sich keiner entziehen. Jüdisches Schicksal unentrinnbare Wirklichkeit für jeden Einzelnen, jüdisches Schicksal als unumstößliche Tatsache und Realität vorhanden in jedem Zimmer unserer Wohnungen, in unseren Arbeitsstätten, in unseren Gemeinden — das ist das Bild unserer diesmaligen Jahreswende. Menschen eines Blutes, sonst froh am Tisch des Hauses miteinander vereint, sind durch Kontinente und Ozeane getrennt, und in unsem Gotteshäusern mehrt sich die Zahl der Plätze, die leer bleiben. Unsere Familien auseinandergerissen, unsere . Gemeinden vielfach. ihrer tatkräftigsten Berater und Helfer verlustig, unsere Jugend ratlos, weil zu den Hindernissen, die sich unseren Auswanderungswilligen in allen Ländern entgegentürmen, nun auch die Sorgen kommen, die uns beim Gedanken an das Heilige Land erfüllen, das uns in dieser Zeit ein Land der Zuflucht sein soll — dies alles ist, alle umfassend, jeden ohne Ausnahme einbeziehend: jüdisches Schicksal heute. In Solcher Situation kann nur eines helfen —: die Erkenntnis, das dieses Schicksal kein einmaliges nur und kein zufälliges ist, sondern immer wieder, in gesetzmäßiger Wiederholung an Israel sich vollzieht. Darin liegt viel Härte, gewiß, aber mehr noch liegt darin, was uns hart macht gegen alle Nöte: ein ungeheurer Trost.. Denn was im Dienste des Ewigen steht, dem kann die Zukunft nicht abgeschnitten sein, und Israel wird niemals sterben. Auch unsere Väter, . zu allen Zeiten, trugen schweres Leid. Und in der Zeit, die wir vielleicht die allerschwerste nennen dür- . fen, in Babylon —: recht eigentlich gesehen waren sie doch damals bereits untergegangen! Aber sie hatten die Thora; die Offenbarung Gottes an die Menschheit .war ihr Buch, ihr Heiligtum, um das sie sich Gemeinde - Mitteilungen: Bremen. 11 Halle. 13 Duisburg ...... 14 Thfetagea. 14 Magdeburg ...... 15 Tilsit .. 17 Stettin. 18 u