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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-08-01 · 8 (1.8.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Halle, Magdeburg, Stettin, Pommern und Tilsit) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
8 (1.8.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Halle, Magdeburg, Stettin, Pommern und Tilsit)
Date
1936-08-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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'■/ FÜR HE JÜDISCHEN GEMEINDEN PREUSSENS VE RWA LTUNGSB1ATT DES PREUSSISCHEN LANDESVERBANDES JÜDISCHER GEMEINDEN v A1U Zoadutitea rill n ridrien an du Verwaltung»- and Cfrlndthliri de» PrcuStodKn Lagdorabanda Itdkdw GaMiadea, Wn ni«iriiHialini|T. KanMr.UR UM VeraotwortlUber Letter da« laiernt enteil«: Jomili Jmttror, Beritn W15, IriMnln H 14. Jahrgang Berlin, den 1. August 1936 Nr. 8 Lehre und Schicksal „Wäre nicht Deine Lehre mein Trost gewesen, ich wäre zugrunde gegangen in meinem Elend“ (Ps. 119, 92). Nach uralt-geheimnisvoller Tradition gilt der vor vier Tagen in Israels Gemeinden begangene Neunte Ab, der Tag der Zerstörung des Heiligtums, als der Geburtstag des Messiaar- Und auch im religiösen Kalender des Judentums kehrt diese tiefe Symbolik alljährlich wieder: auf den Trauertag folgt der Trostsabbath, so genannt nach der an ihm verlesenen prophetischen Rede (Jesaja 40), die mit den Worten beginnt: „Tröstet, tröstet mein Volk..., voll ist sein Leiden, gesühnt ist seine Schuld... I“ Wie gern hören wir diese Botschaft, aber wie sehr fehlt — auch heute noch — manchem unter uns an »e der Glaubet Wie viele sehnen sieb nach Trost, aber wie gering ist die Zahl derer, die imstande sind, aus der Religion wirklich Trost' zu schöpfen! Deshalb dürfte ein Versuch willkommen sein, der zeigen möchte, wie in der Tat aus dem Gedankengut der Religion, insbesondere auch des Neunten Ab und des Trostsabbaths, Trost sich gewinnen läfit von dem, der ernstlich will. Denn freilich: ohne Selbstkritik und Umkehr gelangt niemand ans Ziel. „Umkehr“ — schon Wer werden viele stutzen. Denn das biblische Denken steht und fällt mit der Begriffskategorie „Schuld und Strafe“; gerade diese Begriffe aber sind dem modernen Menschen, auch dem modernen Juden also, vielfach fremd. Und welches ist denn die „Schuld“, die in allen prophetischen Reden dem jüdischen Volke vorgeworfen wird? Abfall von Gott, Baalsdienst, Anbetung fremder Götter, so lesen wir überall. Aber geht das uns an, uns Menschen von heute; machen wir uns Götzenbilder von Holz und Stein? Nein — sagen wir; und müssen doch hinzufügen: falsche Ideale, die machen wir um auch! Unsere Schuld — besteht sie nicht unter anderem auch darin, daß wir den Begriff „Schuld“, diesen aus dem wirklich jüdischen Denken gar nicht zu missenden Begriff, ablehnten und so, den Vätern gleich, jüdische Denkweise verleugneten und unjüdische Ideale der Umwelt uns zu eigen machten? An einem sehr deutlichen Beispiel kann das erhärtet werden. Auf den Trümmern Jerusalems ruft Jeremia seinem Volke zu: „Hast du dies alles dir nicht selbst getan, da du den Ewigen, deinen Gott, verließest, als er dich auf dem Wege leitete? Dich straft dein [ eigenes ] Unrecht.“ (Jer. 2, 17; 19.) Solche Bußreden hörten wir nicht gern und hielten uns lieber an einen anderen Propheten, der ein sehr ähnlich klingendes und doch dem Sinne nach völlig entgegengesetztes Wort sprach — kein Prophet des Judentums, und nicht klagend auf Trümmer, sondern stolz auf ein vollbrachtes Werk hinweisend: „Hast du nicht alles selbst vollendet. Heilig glühend Herz?“ Das sind kraftvolle und darum verlockende Worte griechischer Weltauffassung, von Goethe in seinem „Prometheus“ geformt. Wir stehen auch heute in Ehrfurcht - vor ihrer Größe. Dennoch gilt es, Abstand zu gewinnen und zu fragen: Kann die aus ihnen sich offenbarende Denkart die unsere sein? Wir antworten: Nein. Denn wohin führt sie? Prometheus ruft zur Gottheit empor: „Ich dich ehren? Wofür? Hast du die Schmerzen gelindert Je des Beladenen? Hast du die Tränen gestillet Je des Geängsteten?“ Der biblische Sänger aber bekennt: „Gott ist mein Hirt, Mir wird nichts mangeln.“ Oder: Gemeinde - Mitteilungen: Bremen. .... Seite 11 Duisburg. 12 Halle. IS Magdeburg. 14 Thfiringen. IS Stettin. 16 Tilsit. 18

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