Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 7 (1.7.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Halle, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Magdeburg, Stettin, Pommern und Tilsit)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Redienschaftsbeiicht des Jüdischen Kulturbundes Stettin Nach der Veränderung der Verhältnisse der Juden in Deutschland im Jahre 1933 übernahm es der Gemeindevorstand, in der Spielzeit 1933/34 den Gemeindemitgliedern durch Vorträge, Gesangsabende pp. Kulturgut zu vermitteln. Diese Veranstaltungen landen mcbt regelmäßig, sondern nur gelegentlich statt und waren auch nicht auf einem festen Mitgliederbestand aulgebaut. Es stellte sich heraus, daß auf diesem Wege eine ständige Versorgung der Gemeindeangehörigen mit Kulturgut und eine fortlaiuende Beschäftigung jüdischer Künstler, die ihre Existenz verloren batten, nicht möglich war. Im Sommer 1934 wurde darauf der Kulturbund gegründet, dem unsere Gemeindemitglieder bald in so großer Zahl beitraten, daß etwa ein Viertel der Gemeindemitglieder ihm angehörten und unser Stettiner Bund dadurch zu denjenigen jüdischen Kulturbünden zählte, die die größte Beteiligungsziffer aulwiesen. Unser Wirken begann mit einem Vortrag des Leiters des Berliner Kulturbundes, des jetzigen Vorsitzenden des Heichsverbandes sämtlicher Kulturbünde, Herrn Dr. Singer, mit dem Motto: „Aulgaben und Ziele des Kulturbundes.' Die Veranstaltung fand in der Synagoge statt und war von Orgel- und Gesangsvorträgen heimischer und auswärtiger Künstler umrahmt, im Laufe der Spielzeiten 1934/35 und 1935/30 wurde das Vortrags¬ und Kezitationsprogramm fortgesetzt durch Vorträge von Julius B a b, Artur Eloesser, Lutz Weltmann, Professor Landsberger und durch Hezitationsabende mit Ludwig Hardt, Edith Herrnstadt-Öttingen, Ilse Intrator, Karl Ettlinger. Die Themen bevorzugten im wesentlichen jüdische Probleme, so „Hiob und Paust“, „Jacob Wassermann und sein jüdisches Schicksal", „Aufklärung und Judentum“, „Alte jüdische Kunst“, „Der junge David“, „Von Heine bis Werfel“ usw. Das Gebiet des Vortrags im hahmen der musikalischen Kunst war vertreten durch P'räulein Dr. Anneliese Landau, die zwei Male bei uns sprach, nämlich über „Das Lied Pranz Schuberts“ und über „Ungetanzte Tänze". Ein Teil unseres Programms war der ernsten musikalischen Kunst gewidmet. Wir brachten Konzertveranstaltungen iür Orgel und Cello, für Gesang, für Solo-Klavier. Unsere Mitglieder konnten erste Künstler hören, darunter Pritz Lechner, Michael Wittels, Paula L i n d b e r g , Wilhelm G u t t - mann. Ein besonders wertvolles Konzert war der Kammermusikabend des Mendelsohn -Trios. Trotz unserer schwierigen Kassen- und Kaumverhältnisse brachten wir auch Bühnenwerke. So wurden „La serva padrona“ von P e r g o - lese mit der „Kleinen Nachtmusik“ von Mozart als Einleitung, „Der Brief des Uria“, Schauspiel von Emil Bernhard, und zwei Offenbach sehe Operetten-Einakter bei uns aufgeführt. Auch die leichtere Kunst, die der Ablenkung von Sorgen dienen sollte, war reichlich vertreten. Wir brachten „Eine Soiröe bei Bankier Meyerbeer“, in der u. a. Egon Jacobsohn, Camilla S p i r a, Wilhelm Guttmann und die immer vorzügliche Begleiterin am P'lügel Erna Klein mitwirkten, einen klassischen Operettenabend mit Max K u 11 n e r und Erna £ isner, einen Abend „Ernstes und Heiteres" mit Stella H a y, und eine Reihe von Aibenden der Kleinkunst, so den „Berliner Bilderbogen“, „Ostjüdiscben Bilderbogen“, das Ensemble mit Willi Prager, einen heiteren Abend mit Max Ehrlich und Ensemble, eine Veranstaltung mit der Diseuse Beatrice Waghalter, einen heiteren Abend mit Camilla Spira und Dagobert Meyer, zwei Abende mit Dela Lip i n s k a j a. Wir glauben, mit dieser Programmgestaltung verschiedenen Interessen und Bedürfnissen unserer Mitglieder Rechnung getragen zu haben. Wir waren von dem Gedanken geleitet, jüdische Probleme und jüdisch beeinflußte Kunst zu bevorzugen. Im Frühjahr 1935 wurde in Berlin der Reichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschland gegründet, dem wir uns, wie selbstverständlich, auch anschlossen. Im Vorstand des Gesamtverbandes ist der Stettiner Kulturbund durch eines seiner Vorstandsmitglieder vertreten. Der Reichsverband vertritt die Kulturbünde in den Verhandlungen mit den Behörden, er beteiligt sich an der Programmgestaltung und erleichtert das Heranziehen geeigneter jüdischer Künstler. Die bei uns gebrachten Programme und bei uns auftretenden Künstler sind im wesentlichen ähnlich denen der anderen Kulturbünde. Dem Bemühen des Reichsverbandes ist die Beseitigung mancher Schwierigkeiten zu danken, die die einzelnen Kulturbünde hatten. Dem Reichsverband schulden wir Dank hierfür. Besonderen Dank schuldet unser hiesiger Kulturbund dem früheren Rabbiner der hiesigen Gemeinde, dem inzwischen nach Palästina gegangenen Herrn Dr. E1 k. Er hat sich in dankenswerter Weise für den Kulturbund eingesetzt und insbesondere bei seiner Gründung für ihn gewirkL Im Gemeindeblatt vom Oktober 1934 fand er in einem besonderen Artikel warme Worte an die Gemeindemitglieder, sie für den Kulturbund zu gewinnen. Wir würden es dankbar begrüßen, wenn sich auch andere Kreise und jüdische Körperschaften weiterhin für den Kulturbund einsetzten, dessen Tätigkeit die Pflege eines Teils des jüdischen Gemeindelebens bedeutet. Besonders dankenswert wäre es, wenn sich auch bei uns, wie in anderen Kulturbünden, großzügige Mäzene fänden, die u. a. durch Spenden die Finanzlage des Bundes erleichterten. Es könnten dann auch Veranstaltungen gebracht werden, dereu Kosten sonst nicht tragbar sind, z. B. Orchesterkonzerte oder Bühnenwerke, bei denen eine größere Anzahl von Personen mitwirkt. Bei einem Höchstbeitrag von 1,50 RM. — viele zahlen als Ehefrau oder Jugendliche weniger, manche erhalten Patenkarten — und bei zwei Veranstaltungen im Monat ist es kaum möglich, auf die Dauer das finanzielle Gleichgewicht zu halten. Neben den Honoraren dfcr Künstler, der Saalmiete, den Kosten für die Instrumente, den laufenden nicht unbeträchtlichen Nebenspesen bestehen noch Ausgabenposten wie der durch das ganze Jahr lautende monatlicne Beitrag zum Reichsverband und die Abgaben für Tantiemen, die lur die Aufführung der meisten Werke noch zu zahlen sind. Der Vorstand des Kulturbundes weiß, daß seine Tätigkeit verantwortungsvoll und ständig der Kritik ausgesetzt ist. Fis allen recht zu machen, ist schwer. Das soll uns die F'reude an der Weiterarbeit aber nicht nehmen, ohne daß wir dabei besonderen Dank erwarten. Einen Dank jedoch, der uns in der Weise abgestattet wird, daß wir, sei es von oiliziellen Stellen, sei es von einzelnen Persönlichkeiten, tatkräftige Unterstützung erhalten, würden wir im Interesse unserer Mitglieder und damit der Ermöglichung der Fortsetzung unserer Arbeit gern begüßen. Wir hotten, daß in der nächsten Spielzeit sich die Zahl unserer Mitglieder vergrößern wird und wir die Hilfe finden, die wir vorstehend erbitten. Der V’orstand des Jüdischen Kulturbundes Stettin. Einrichtung einer Jugendbücherei Die Jüdische Volksschule bittet, ihr zur Einrichtung einer Jugend-Bücherei gute'Unterhaltungsbücher zu stiften. Freistellen für Ferienkinder Das Bedürfnis, einer möglichst großen Anzahl von erholungsbedürftigen Kindern aus der Provinz einen Ferienaufenthalt zu verschaffen, wird immer dringender. Dies ‘zu ermöglichen, ist um so mehr unsere 1‘ilicht, als die Provinz schon seit vielen Jahren immer wieder unseren Stadtkindern Freistellen in erheblicher Anzahl gewährt hat. Wir richten deshalb an alle P'amilicn, die es irgend einrichten können, die herzliche Bitte, den Kindern, die ja heute anderwärts kein F'erienimterkommen haben, ein solches zu bieten, wobei wir darauf hinweisen, daß es sich zwar um erholungsbedürftige, aber organisch gesunde Kinder in schulpflichtigem Alter handelt. Ais Aufnabmezeit sind die Monate bis 30. September vorgesehen. Alle diejenigen Familien, die aber aus räumlichen Gründen eine Aufnahme nicht, ermöglichen können, bitten wir ebenso herzlich um einen entsprechenden Ablösungsbetrag. _ Meldungen werden erbeten an PTau Magda Landsberg, Augustastr. 14, Ablösungsbeträge auf Konto F' 2 „Ferienkolonie der Vereinigung Bne Briß“ bei der Genossenschaftsbank Iwria, Stettin. Erholungsfürsorge des Provinzialverbandes des Jüd. Frauenbundes und der Vereinigung Bne Briß. I. A.: Lucie Magnus. Aus der Frauenarbeit in Stettin - Veränderte Sprechstunden'im Juli: Beratungsstelle, Wohnungsnaehweis nur Montag und Donnerstag, 10—12 Uhr, Rosengarten 9/10, Hof ptr. Arbeitsnachweis und Berufsberatung Montag und Donnerstag, vorm. 10'/i—12 Uhr, Rosengarten 9/10, Hof ptr. Telephonische Meldungen von Arbeitgebern werden täglich entgegengenommen durch Frau Hirsch, Fernsprecher 31590. Hauspflegerinnen weist nach Frau Gertrud Plocki, Dohrnstr. 3, Fernsprech« 22911. Krank ens fühle können durch die Gemeindeschwester ausgeliehen werden. Die Kleiderkammer wartet dringend auf Sommersachen und Wäsche und nimmt Hausrat aller Art gern in Empfang. Auf telephonischen Anruf 26883 kann der Abholdienst angefordert werden. Sprechstunden: Montag und Mittwoch, 15Vi—16l/z Uhr, Freitag 101/*—ll1/* Uhr. 19