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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-07-01 · 7 (1.7.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Halle, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Magdeburg, Stettin, Pommern und Tilsit) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
7 (1.7.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Halle, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Magdeburg, Stettin, Pommern und Tilsit)
Date
1936-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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GEMEINDEBIATT FÜR ME JÜDISCHEN GEMEINDEN FREUSSENS VE RWA LTUNGSB LATT DES PREUSSISCHEN LANDESVERBANDES JÜDISCHER GEMEINDEN Alle ZuxfciHbn rind n Hdrten an da* Verwaltung»- and Geadnddbhtt des PrfnlMim Landesrerbandes fOdlsdwr Gcadnden, Bfak.-Qkariottcnbatg2v Kaotatr.158, IL Stock Verantwortlicher Leiter des Inserateatetls: Joseph Jentrow, Berlin W15, fi’lsmllrfi ■ V 14. Jahrgang Berlin, den 1. Juli 1936 Nr. 7 Zelte Jaakobs „Vom Gipfel des Felsens sehe ich’s und von den Hügeln herab schaue ich’s: es ist ein Volk, das abgesondert wohnt und unter die Nationen sich nicht rechnet . . (Erste der drei Segnungen des Bileam; 4. Buch Mose 23,9.) Jede Sünde ist, das zeigt schon die Wortverwandtschaft, „Ab-Sonderung“, ist „gesondertes“ Suchen eigenen Vorteils unter Nichtachtung von Nebenmensch und Gemeinschaft. So erscheint auch umgekehrt jede Absonderung als Sünde. In fast paradox anmutender Konsequenz nennt Marc Aurel schon denjenigen, der auch nur von einem einzigen seiner Mitmenschen sich absondert, abgefallen von der ganzen menschlichen Gemeinschaft. Man begreift: wer von den Menschen sich absondert, zieht selber ihren Argwohn und mithin Unheil auf sich herab. Daß die Juden auch nach dem Untergange ihres Staates alle die Jahrhunderte hindurch von den Völkern abgesondert sich hielten, in deren Mitte sie kamen, das ist in der Tat die Ursache für ihre jahrhundertelange Leidensgeschichte, für ihr gehäuftes Unglück. Wir sprechen hier nicht vom modernen Antisemitismus, von dem viele Juden in allzu bequemer Schlußfolgerung meinen, der „leidige jüdische Separatismus“ habe ihn verschuldet. Freilich, der hat uns viel geschadet Aber hier ist von ganz anderen 9 Dingen die Rede, nicht von einem Teil, einem Ausschnitt; der jüdischen Geschichte, sondern von der gesamtgeschicht- : liehen Stellung Israels unter den Völkern aller Zeiten, die — mit graduellen Unterschieden — immer die gleiche war; die,- wenn das Segenswort des Bileam wahr ist, im Wesen des Judentums selbst begründet liegt und, wenn man so will, von nns Juden selber „verschuldet“ ist Will man ab« ernstlich hier von einer „Schuld“ sprechen, im Sinne einer Verschuldung, einer Sünde? Bel Lichte besehen stellt es sich heraus, dafi alle „Absonderung“ der Juden gleichbedeutend war mit der Erhaltung ihrer Existenz. Nicht der Existenz der einzelnen Juden —: denen wäre es oft besser ergangen, hätten sie die herrschende Staatsreligion angenommen, die der Griechen (Syrer), der Römer, und später das Christentum oder den Islam. Aber indem sie Jaden blieben, d. h. also gerade mit der Entscheidung und Tat, durch «he sie in Absonderung, in ständiger Gefahr und Unsicherheit blieben, erhielten sie «las lebendige Judentum, sicherten sie die Existenz und Dauer der jüdischen Gesamtheit. So, ist die Absonderung Israels, seit Bileams Tagen und alle Jahrtausende bis auf diesen Tag, nicht nur die Ursache unseres immer sich wiederholenden Leids, sondern sie ist zugleich der Garant unserer Ewigkeit und Unsterblichkeit. Wäre Israel ein Volk wie «lie andern Völker, eine „welthafte“ Nation, es wäre den (Weg aller alten Völker gegangen und längst verschollen. Aber nun lebt es, seine Absonderung ist der Garant seiner Zukunft, seine ständige Unsicherheit ist das, was ihm seine Sicherheit gibt — das ist die Paradoxie aller jüdischen Existenz, die heute jeder Jude bis in die letzten Einzelheiten seines Berufs- und Privatlebens hinein spürt; es kann sich ihm keiner entziehen. Dieses Schicksal ist schwer, das haben die heute lebenden Juden wieder erfahren müssen. Und wenn das letzte Drittel des jetzt beginnenden Kalendermonats mit dem Anfang des jüdischen Monats Aw zusammenfällt, so darf gesagt werden: die Aelteren in unseren Reihen waren vielleicht noch n|e so auf den Trauertag de» Neunten Aw eingestimmt wie jetzt in den Jahren wirtschaftlichen und sozialen Abstiegs und — vor allem — der vielfachen Trennung von ihren Kindern; und auch unter der Jugend ist viel Ratlosigkeit und Ausweglosigkeit Und doch ist der Tlscha b’Aw nicht nur ein Trauertag, sondern gilt mit Recht als der Geburtstag des Messias. „Tröstet tröstet mein Volk“, ist sein Ausklang, und nur wer die Wahrheit dieses Prophetenwortes hinzunimmt zur Betrachtung des jüdischen Schicksals, nur der erst weiß das Ganze über das Judentum und über sich selbst. Jedesmal wenn Israel war „wie die Gemeinde - Mitteilungen: * Halle .... Thüringen . . ,11 Duisburg . . . ,12 Bremen . . . ,1* Magdeburg . . . ,15 Stettin . . . . ,17 Tilsit .... . . ,2* □

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