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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-06-01 · 6 (1.6.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern) · p. Seite 11

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
6 (1.6.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
Date
1936-06-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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MITTEILUNGEN 1ERISKAELITBCHEN GEMEINDE BREMEN UNDDER SYNAGOGEN-GEMEINDEN NORDWESTDEUTSCHLSNDS Generalversammlung der Israelitisdien Gemeinde Am 7. Mai fand die Generalversammlung der Isr. Gemeinde in der „Union“ statt. — Vor Eintritt in die Tagesord nung würdigte der Vorsitzende die großen Verdienste, die sich Gemeiuderat Hugo L e v y während drei Jahrzehnte um die Gemeinde, besonders um die Wohlfahrtspflege, erworben hat. Herr Levy macht einem Jüngeren in der Gemeindevertretung Platz, doch bedeutet sein Ausscheiden keine Unterbrechung seiner Arbeit, weil er auch weiterhin führend im Jüd. Wohlfahrtsamt mitarbeiten wird. — Bei der Ehrung der im Berichtsjahr Verstorbenen wurde der hervorragenden Wirksamkeit von Siegfried Meyer gedacht, dessen Bild den Saal schmückte. Meyer leitete die Gemeinde in den Jahren 1916 bis 1924 als erster Vorsteher. — Auch des Gemeinderats Julius Stern, der das Amt eines Administrators des Jüd. Altersheims innehatte, und des Rabbiners der Nachbargemeinde Oldenburg, Dr. phil. de Haas, der als Mitglied des Bethdin und als langjähriger Präsident der Kaiser Friedrich-Loge engste Beziehungen zur Gemeinde Bremen hatte, wurde ehrenvoll gedacht. Der Nachruf schloß mit einer Sympathieerklärung für die in Erez Israel jüngst gefallenen Märtyrer - der jüdischen Sache. — Der Jahresbericht gab eine ausführliche Uebersicht über die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung, über die Tätigkeit des Gemeinderats und die Schwierigkeiten, die durch sinkendes Beitragsaufkommen und Anschwellung der sozialen Lasten entstanden und die es besonders im Jahre 1936 zu überwinden gilt. Aus den Tätigkeitsberichten der Kommissionen ist der Bericht der Schulverwaltung hervorzuheben. Die Frequenz der Religionsschule sank von 112 auf 86 am Schluß des Schuljahres. Der Unterricht im Hebräischen erfuhr eine angemessene Umformung. Um der Jugend das lebendige Hebräische zu erschließen, wurde das Lehrbuch von Dr. S. Kaldko lehrplanmäßig eingeführt und die Aussprache des Sephardischen besonders gefördert. — Die Selbständigkeit des im 8. Jahrgang erschienenen Jüdischen Gemeindeblatts mußte infolge Niedergehens der Inseratenwerbung aufhören. Ab 1. April 1936 erscheint es nur noch als Mitteilungsbeilage zum Gemeindeblatt des Preußischen Landesverbandes. Es besteht die Absicht, daß die Gemeinde sich diesem Verband angliedert; der Bericht geht daher in großen Zügen auf dessen Arbeitsmethoden ein, um so zugleich eine Information zu erteilen. Der Hauptteil des Jahresberichts erstreckt sich auf die Tätigkeit des Jüdischen Wohlfahrtsamts, über die Sammelaktion für Hilfe und Aufbau (blaue Beitragskarte) und die Durchführung der Jüdischen Winterhilfe. Die Höchstzahl der Unterstützungsempfänger wurde im I. Quartal 1936 mit 20*/o aller in Bremen ansässigen Juden erreicht. Durch die Winterhilfe wirkten sich die Ausgaben des Wohlfahrtsamtes nicht so sehr aus, doch wurde die Entlastung zum Teil durch Bewilligung von Mietzuschüssen wieder ausgeglichen. Die Ausgaben für Soziallasten waren in Bremen geringer als in vielen andern Gemeinden und ergaben 15,29*/* Anteil am Gesamtetat (Hamburg: 25,21 */•) oder 4,95 M. auf den Kopf der jüd. Bevölkerung (Hamburg: 12,84 M.) nach einer Statistik der Reichsvertretung. An dem Aufbringen für Hilfe und Aufbau war Bremen mit 10 Pf. pro Kopf der jüd. Bevölkerung beteiligt; die einzelne „Blaue Karte“ hatte ein Durchschnittsergebnis von 68 Pfennigen. Beim Rückblick huf die Jüd. Winterhilfe spricht der Bericht allen Helfern und Spendern herzlichen Dank aus und bringt Einzelheiten aus der geleisteten Hilfsarbeit, wobei auch die seelische Winterhilfe nicht vergessen wurde. Die rastlose Mithilfe der Sammler und Sammlerinnen für die IJintopfspende und zur Ablösung der Pfundspende wird besonders lobend hervorgehoben; ebenso die Opferwilligkeit des jüdischen Personals in jüdischen Betrieben. Eine Prüfung darüber, ob bei einer späteren Winterhilfe die Ueberweisung an den zentralen Ausgleichsfonds in Berlin in gleicher Höhewtebisher notwendig und tragbar ist, muß Vorbehalten bleiben. Aus der Altersfürsorge wird beuchtet, daß "das Jüdische Altersheim am 5. Mai 1935 sein iöjähriges Bestehen feiern konnte. Das-Heim ist durchschnittlich mit 20 Insassen belegt gewesen, die durch eine Oberin und vier weibliche Angestellte betreut wurden. Das im Parterre seit Jahren mietweise benutzt gewesene Grundstück Buxtehuder Str. 9 ging durch Kauf in den Besitz der Gemeinde über. Um die Wirtschaftsführung zuschußfrei halten zu können, ist es notwendig, das Heim durch regelmäßige Spenden und Beiträge zu stützen und es bei letztwilligen Verfügungen nicht zu vergessen. Für jeden ist es eine Ehrenpflicht, den Bestand des Altersheims für die Zukunft sichern zu helfen. _ Schließlich würdigt der Bericht das konstruktive Hilfswerk des Keren Hajessod, dessen Iöjähriges Bestehen auch in Bremen durch eine feierliche Kundgebung begangen wurde, der hervorragenden Arbeit des Palästinaamts und nicht zuletzt der unermüdlichen Beratungs- und Finanzierungsarbeiten des Hilfsvereins der Juden. Nur in engstem Connex mit diesen Organen war es den gemeindlichen Wirtschaftshilfsstellen im Reich möglich, den vielen Tausenden Auswanderung willigen beizustehen und besonders der jüdischen Jugend zu Umschichtung, Auswanderung und damit zu einer neuen Existenz in Palästina oder Uebersee zu verhelfen. Um Bremer Familien, die in eine katastrophale Lage geraten und nicht die Mittel haben, auf eigene Kosten auszuwandern, helfend zur Seite stehen zu können, ist es erforderlich, den schon im Vorjahr errichteten Hilfsfonds auf eine beträchtliche Höhe zu bringen. Bei der Opferbereitschaft, die allzeit für freiwillige. Spenden lebendig war, wird das Ziel erreicht werden können, die Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe so zu. finanzieren, daß sie in der Lage ist, jederzeit für Ausrüstung und halbe Passagekosten Minderbemittelter einzuspringen. Mit diesem Appell schließt der Bericht.- Die Rechnungslage, welche per 31.12.35 mit einem kleinen Ueberschuß abschließt und im Gemeindebüro öffentlich ausgelegen hatte, gab keinen Anlaß zur Debatte; es wurde Entlastung erteilt; die beiden bisherigen Rechnungsprüfer, Direktor A. Eßlinger und Paul Wallheimer, wurden durch Zuruf wiedergewählt. — Der Voranschlag sieht auf der Ausgabenseite 52 000,— M. vor, während die Einnahmeseite, verursacht durch die Abwanderung prominenter Beitragspflichtiger, 6000,— M. weniger ergibt. Nach kurzer Aussprache, in der vor allem die Herren L. Brandt (Steuer-Kommission) und Rechtsanwalt Dr. Rosenak (Gemeinderat) die Notwendigkeit der Sonderdeckung nachwiesen, wurde die vom Gemeindevorstand beantragteZuschußleistung auf den Gemeindebeitrag mit 20*/* gegen eine geringe Opposition angenommen. Gleichzeitig gelangten auch vier- Anträge der Steuerkommission, die sich vor allem gegen Beitrags- und Gebühren-Saboteure wenden und von Einsprucherhebenden Beibringung finanzamtlicher Unterlagen verlangen, nach Begründung durch Herrn Jos. Platzer (Steuer- Kommission) zur Annahme. — Anschließend erfolgte die Wahl eines ersten Vorstehers für den Turnus 1936/38. Herr Max Markreich wurde per Akklamation wiedergewählt. -- Die Wahlen zum Gemeinderat für den Turnus 1936/37 ergaben die Annahme des Wahlvorschlags: Dr. jur. Ignaz Rosenak, Dr. jur. Herrn. Lehmann, Ludwig Brandt und Dipl.-Ing. Ernst Popper (ebenfalls durch Akklamation). Zu Punkt 7 der Tagesordnung begründete Rechtsanwalt Dr. Rosenak (Gemeinderat) die Vorlage, das im Vorjahr angenommene und mit der heutigen Generalversammlung ablaufende „Ermächtigungsgesetz an Vorstand und Gemeinderat in Notfällen“ zu erneuern. Der Verlängerung wurde ohne Einspruch zugestimmt. Nach Absetzung der vorgesehenen Kurzreferate betr. Auswandererhüfe waren nur noch die Wahlen zur Steuer-Ein- Gedenket der Bedürftigen! SAickt abgelegte,'aber brauchbare Kleidungsstücke an unsere Kleiderkammer Jüdisches Wohlfahrtsamt Fernruf: Domaheide 28558 Garteostraße 6/7 _ 11

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