Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 4 (1.4.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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FÜR DIE JÜDISCHEN GEMEINDEN PREUSSENS VB RWA LTU N G S BIATT piailni.uiiRipijt .JIJI dar EPbflothok dar JMfotai GamMi Berlin DES PREUSSISCHEN LANDESVERBANDES JÜDISCHER GEMEINDEN Alle Zadnttn rini n rlditen an daj Verwaltung»- und GeaKtadebitft «fee PwNkIiui tendeererbende» JOdJadier Geaetnden, Bln.-Ch«rio*enb«irf 2, KantMr.lM, ILScotk VerentvortUdier Leiter de* Iaaeratentelle: Joseph Jaatrow, Berlin W15, Kelaerallee 21 14. Jahrgang Berlin, den 1. April 1936 Nr. 4 Haggadah für die Zukunft Von Rabbiner Dr. Max Eschelbacher (Düsseldorf). I. Am Schawuoth schmücken grünende Bäume und blühende Pflanzen das Gotteshaus, und am Sukkoth begehen wir ein Erntedankfest. Am Peßach dagegen beherrscht nicht die Natur unseren Gottesdienst, sondern die Geschichte. Wir erneuen die Erinnerung an die Knechtschaft in Mizrajim und an unsere Befreiung. Diese Ereignisse liegen um bald dreieinhalb Jahrtausende hinter uns. Sie sind älter, als irgend ein Begebnis, das europäische Völker feiern. Unser geschichtliches Gedächtnis geht weiter zurück in die Tiefe der Zeiten als das der übrigen Welt. So ist denn Peßach ein imponierender Zeuge unserer Ewigkeit. Wir feiern aber jene bewegten Tage nicht wie ein Stück Historie, sondern wie eine fortwirkende, sich stets verjüngende Vergangenheit, als selbsterlebte Geschichte. So haben es schon die ältesten Geschlechter gehalten. Sie haben alle Kräfte des Herzens, der Seele und des Geistes in die Schattengestalten des Altertums versenkt, und damit hörten die Schemen auf, Schatten zu sein, und erwachten zu einem neuen Leben, zu einer Wiedergeburt in jeder Generation. Die Lebenden wußten sich eins mit den lange dahingegangenen Geschlechtern. „In jedem Geschlecht muß einer sich so ansehen, als wäre er selber aus Mizrajim gezogen“, verlangt die Haggada. Die Erlösung, die den Vätern geschah, ist unsere eigene Erlösung. „Nicht unsere Väter allein hat der Ewige aus Mizrajim erlöst, sondern auch uns hat er mit ihnen erlöst.“ So blieb für uns Mizrajim nicht ein einmaliges historisches Faktum, sondern es wurde zum Sinnbild eines ewigen Geschehens, zum Gleichnis unseres persönlichen Lebens und zum Symbol für das Schicksal jeder jüdischen Generation. II. Erst im Laufe der Geschlechter ist die Haggada ein geschichtlicher Bericht geworden. Erst die Späteren erzählten von der Vergangenheit und gliederten in ihren Ablauf die Gegenwart ein. Dagegen war für die Väter in Mizrajim, in der weltgeschichtlichen Stunde des Auszuges, die Haggada reine Gegenwart, Bericht über die eigene Zeit. Als Mose seinem Volke gebot: „Du sollst deinem Sohne an diesem Tage also erzählen um deswillen, was der Ewige mir getan, als ich auszog aus Mizrajim“, trug er ihm auf, das eben in der frischen Gegenwart Erlebte den Kindern weiter zu geben, damit sie es den Kindeskindern überlieferten und es mithin dauernd im Gedächtnis lebendig erhielten. Wir erneuen den Ursinn der Haggada, wenn wir unseren Kindern von der Gegenwart sprechen und am Sederabend demnach nicht nur erzählen von dem, was unseren Vätern widerfuhr, sondern auch von dem, was wir selber erfahren haben, in diesen Tagen, in dieser Zeit. Wer aber von seiner Gegenwart reden will, muß sie zuerst selber erleben, ergreifen und festhalten. Viele haben sich in den jüngsten Jahren in die Briefe ihrer Eltern und Großeltern vertieft, die bisher in Schubladen und Mappen vergilbten. So ist das Verständnis des eigenen Lebens und seiner Vorgeschichte gewachsen. Die Jahrzehnte vor ihrer Geburt und damit das eigene Dasein sind ihnen erst dadurch recht klar geworden. Von unseren Eltern und Vorfahren, von Aufstieg und Niedergang, von der Hoffnung und der Enttäuschung des Judentums an der Schwelle unserer Tage werden wir unseren Kindern erzählen. Wir werden ihnen die teuer erkaufte geschichtliche Erfahrung, die wir gemacht haben, nicht verschweigen. Viele Juden in Deutschland werden in diesem Jahre mit ernsten Gedanken den 11. März begangen haben. An diesem Tage erging im Jahre 1812 das „Edikt betreffend die bürgerlichen Rechtsverhältnisse der Juden in den preußischen Staaten“. Hier erklärte Friedrich Wilhelm III. „die in unseren Staaten jetzt wohnhaften, mit Generalprivilegien, Naturalisationspatei\ten, Schutzbriefen und Conces- Gemeinde - Mitteilungen: Duisburg .. Seite 11 Bremen. „ 12 Magdeburg. „ 15 Halle. „ 17 Stettin. 18