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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-02-01 · 2 (1.2.1936) inkl. Mitteilungen der Synagogen-Gemeinde zu Stettin und Pommerns · p. Seite 13

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
2 (1.2.1936) inkl. Mitteilungen der Synagogen-Gemeinde zu Stettin und Pommerns
Date
1936-02-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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MITTEILUNGEN Synagogen - Gemeinde zu Stettin und der Synagogen-Gemeinden Pommerns Zuadtrifien für diesen Teil des Blattes sind za rieilten an das Verwaitungsbfiro der Synayogen*Gemelnde, Stettin, Rosengarten 5M0 Februar 1936 Vor dem Neumond Wenn am Lidit des Mondes, wir bemerken. Daß das Ende eines Monats naht. Wenn im Winterschlaf« ruht die Saat, Stehen staunend wir vor Seinen Werken. Denn noch immer dürfen wir uns stärken. Wenn uns Leid und Hunger arm gemacht. Wissen, Gnade wird uns gütig speisen, Auch im neuen Monat uns beweisen, Daß Er Seines Bundes hat gedacht Und uns Trost und Freude hat gebracht. J. T. S. V. Bar Kodiba Am 9. Januar 1936 fand die Makkabtterfeler des Bar Kochba im Saale von Karchowski - Fischer statt. Vom Chor der „Habonim“ frisch gesungene hebräische Lieder umrahmten ausgezeichnete turnerische Darbietungen, von denen insbesondere die Übungen am Barren und die Sprungübungen gefielen. Bezirksrabbiner Richter- Schivelbein hielt an die aufmarschierten Aktiven eine Ansprache, in der er ausführte, daß der Sport, würde er als Selbstzweck aufgefaßt, einen Rückfall in den „Hellenismus“ bedeutete, vielmehr seinen Sinn nur erfüll« lm Dienst der Ideenwelt der jüdischen Erneuerung. Im Kampf der Makkabäer ging es um die Entscheidung, ob der strenge und verantwortungsbeladene Geist des Judentums bestehen bleiben oder in dem Schmelztiegel des späteren Griechentums mit seiner ästhetisch-spielerischen Weltauffassung untergehen solle. Im Prinzip besteht kein wesentlicher Unterschied zwischen der Haltung der Makkabäer und der des mittelalterlichen Juden, der sich in leidendem Trotz gegen die Welt behauptete. Dennoch fühlt sich unsere Generation eher den Makkabäern verbunden, die im Angriff ihr Schicksal gestalteten. Der Kampf des Schwertes wird für uns zum Kampf der Arbeit. Sie hat indes ihren Sinn nur, wenn sie vom Geist der sittlichen Verantwortung getragen wird. Der Abend war im Besuch und Ertrag ein guter Erfolg, zumal ausnahmsweise auch die tanzlustige Jugend ausgiebig zu ihrem Recht kam. Jüdischer Kulturbund Der Kulturbund erfreute uns am 6. und 7. Januar mit einer richtigen Opernbexw. Operettenaufführung. Es gastierte das Ensemble des Kammersängers Emil Fischer aus Weimar. Herr Fischer sang nicht nur in den beiden aufgeführten Werken Offenbachs die Baßrolle, sondern er war auch der Regisseur der Darbietungen. Es war erstaunlich und gleichzeitig erfreulich, was er aus unseren kleinen und unzureichenden Podium gemacht hatte: eine ganz reizende Bühne, sicher viel schöner als jene, auf der vor 100 Jahren Offenbach seine ersten Einakter aufführen konnte und berühmt wurde. Auch die Werke selbst, die Herr Fiseber uns vorführte, zeigten den ganzen leicht-schalkhaften und doch stets vornehmen Genius Offenbachs. Es wurden die einaktige Oper „Das Mädchen von Elizondo“ und die einaktige Operette „Nr. 66“ aufgeführt. „Das Mädchen von Elizondo“, sprühend von Offenbachschen Einfällen, bot für die Musikkenner gleichzeitig ein charakteristisches Bild von der Kunst Offenbachs, seine berühmten Zeitgenossen, die sich der großen Oper gewidmet hatten, zu persiflieren. Wie Darum danken wir dem Einzig-Einen, Dessen Schöpfung neu sich offenbart. Wenn der Sterne Heer den Mond umschart Und ein Silberhauch vom Licht des Reinen Aus der dunklen Fläche wird erscheinen. Israeli dem Schöpfer sing' Dein Liedl Auf, gib frische Kraft dem alten Bunde. Wolle bis zur nächsten Neumondsstunde Treu und fromm bei allem, was geschieht. Ihm nur folgen, der Dein Handeln siehtl Käthe Kaufmann. er in diesem „Mädchen von Elizondo“ Rossini mit seinem „Barbier von Sevilla“ mit unnachahmlicher Grazie, Keckheit und Kunst karikierte, davon waren die Ciceroarie und das Ständchen des liebeshungrigen Gasthausbesitzers wirklich herzerfrischende Beispiele. In „No. 66“ dagegen zeigte sich Offenbach in allen Sätteln der kleinen Buffooperette, sei es in einstimmigen, sei es besonders auch in mehrstimmigen Liedern, witzig, und doch durch und durch voller Musik. Die aufführenden Künstler verstanden es allerdings vorzüglich, uns diese Werke Offenbachs, die trotz ihres ca. 100 jährigen Alters unverstaubt sind, nahezubringen. Neben dem vorzüglichen Gesang und Spiel von Emil Fischer trug dazu wesentlich Frau Bella E r d o e s bei, die mit frischer Stimme und einem reizenden Spiel die Gunst der Hörer eroberte. Auch Herr Edgar L i s s n e r verstand es, gesanglich und schauspielerische so mitzuwirken, daß sich ein rundes und überaus erfreuliches Gesamtbild ergab. Am 19. Januar brachte der Kulturbund einen Opernarienabend, der von dem Baritonisten Wilhelm Guttmann (früher an der Charlottenburger städtischen Oper) und der Sopranistin Edit Maerker bestritten wurde. Das Programm bestand aus Solis und Duetten aus den bekanntesten Opern deutscher und ausländischer Komponisteh. Der strahlende Glanz der Stimme und die künstlerisch vollendete Darstellungskunst Wilhelm Guttmanns faszinierten. Man vergaß vorübergehend, im Konzertsaal zu sein, und glaubte den Sänger auf der Bühne singen und spielen zu sehen. Ganz hervorragend gelang ihm die Arie des Königs aus dem „Don Carlos“ von Verdi, die ein Meisterstück verinnerlichter Kunst ist. Ebenso riß er fort mit der etwas äußerlichen, aber vorzüglich gemachten Ballade des Nelusco aus der „Afrikanerin“ von Meyerbeer. Frenetisch wurde der Beifall, als er als Zugabe das „Flohlied“ von Mussorgsky brachte. Hier zeigte er sich sowohl als Sänger wie als Schauspieler und Vortragskünstler auf voller Höhe. Außerordentlich sympathisch wirkte auch die Stimme von Fräulein Edit Maerker. Diese Stimme mit ihrem großen Umfang, mit ihrer klaren Höhe und mit ihrem runden kraftvollen Klang muß fesseln und wirkte gera'Be im Zusammenklang mit dem Bariton des Herrn Guttmann in den Duetten vorzüglich. Besonders die Arie der „Butterfly“ gelang ihr außerordentlich. Bedauerlich war, daß die Sängerin hin und wieder durch eine leichte Indisposition, die die Mittellage und die Tiefenlage ihrer Stimme betraf, behindert wurde. Gerade aber hieran konnte man 13

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