Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 1 (1.1.1936) inkl. Mitteilungen der Synagogen-Gemeinde zu Stettin und Pommerns
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Spiegel, in dem wir uns selbst erkennen. Der Weg des Lernens fährt miausweichlich zu den Wurzeln unseres Seins. Je tiefer wir nach ihnen graben, desto stärker wird unsere Schöpferkraft sein, desto stärker auch die Garantie, daß Wir „jüdisch“ schaffen. Hier liegt etwa der Sinn des Lebenswerks von Ch. N. Bialik. Die schwerere Frage ist die Erneuerung der Halacha, um so viel schwerer, als das Tun schwerer ist, als das Lernen und Begreifen. Wir stehen hier noch ganz am Anfang. Auf der einen Seite ist als Forderung festzuhalten, daß das ga&ze jüdische Leben unter ein jüdisches Gebot zu stellen ist, wie jede Epoche darum gerungen hat, ihr Leben bis in den Alltag hinein jüdisch zu formen. Wir wissen aber auf der anderen Seite, daß es nicht angeht, die Form des Schulchan Aruch in ihrer zeitgebundenen Gesamtheit einem neuen jüdischen Leben aufzwingen zu wollen. Ein Erstarrtes, dessen lebendige Quellen nicht mehr fließen, kann nicht gewaltsam zum Leben erweckt werden; eine neue Gemeinschaft wird sich ihr Gesetz zu formen haben. Diese „Reform“ aber kann nicht von außen her, durch Kürzung und Verkleinerung des alten erfolgen, sondern nur von innen her, als umfassende Neugestaltung des Ueberlieferten. Der Maßstab für die Neugestaltung aber wird 'die Lebendigkeit des „erfüllten“ Gebotes sein, auf der anderen Seite die Verantwortung und Autorität der Legislative, die dafür zu bürgen hat, daß die Kontinuität des jüdischen Geistes nicht durchbrochen wird, die eine Einheit blieb auf dem Weg von der Bibel zur Mischna und von der Gemara zur Mischne Thora. Wir haben die Anfänge dieser Entwicklung dort, wo sich die gestaltende Kraft des Volksgeistes einen Ausdruck zu schaffen beginnt, im Oneg Schabbath, der nicht im Haggadischen stecken bleiben darf, in Lied und Tanz, die auch für den Chässid der Zugang zur Frömmigkeit waren. Es bleibt zu hoffen, daß aus diesen Kräften auch die Erneuerung des Ritus aus der Frömmigkeit des Herzens und die Erfüllung des Gebotes aus ungebrochenem Willen wächst. Die letzte Forderung, in die der Weg der Thora mündet, ist die Bejahung des Ziels, das dem Anfang erst seinen Sinn gibt, der Glaube an die messianische Endzeit, in die die Geschichte mündet. Dieser Glaube bürgt uns dafür, daß das jüdische Volk, das sich heute wieder in einer ungeahnten Weise seinen Weg in die Geschichte hinein bahnt, nicht wieder entartet. Denn es wäre verhängnisvoll, wollte das Volk sich selbst als Endziel der Entwicklung setzen, aus sich selbst heraus die „Stimme Gottes“ hören. Der Sinn der Massiashoffnung liegt darin, daß wir keine gelebte Zeit als Erfüllung betrachten, daß f?r nicht hochmütig werden ob unserer Leiden und unserer Kraft, sondern demütig bleiben in dem Wissen um den endlosen Weg, der endlich zum Ziel führen wird. So ergibt sich uns das Problem der Religion als das Problem der Einheit von Ausgang, Weg und Ziel des jüdischen Geistes. Dieser Einheit, ihrer Forderung, und Formung, soll unser Bemühen gelten und das der Kommenden. Einweihung der neuen Räume der Jüdischen Volksschule Am Montag, dem 2. Dezember 1935 morgens 9 Uhr, fand in Gegenwart der Vertreter des Gemeindevorstandes, des Schulvereins und der Elternschaft die feierliche Einweihung der Schulräume in der Wrangelstraße 3 statt Nach dem vierstimmigen Kanon „Mah towu“ („Wie schön sind deine Zelte Jacob“), gesungen von dem Schülerchor, übergab der 1. Vorsitzende der Gemeinde, Herr Rechtsanwalt Abrahamsohn, die Schule der Obhut des Schulleiters und wünschte ihr auch künftighin ein gutes Gedeihen. Nach einer Ansprache des Schulleiters, Herrn Oberkantor Reinowitz, an die Versammelten, die einen nachhaltigen Eindruck hinterließ, schloß die wahrhaft erhebende Feier mit einem Iwrith-Liede „B’weth ßifrenu“ („In unserer Schule“), wobei erstmalig die „Mundharmoniker“ den Chor unterstützten. Wir wünschen der Schule, daß sie auch in den neuen Räumen unser Bestes, die Kinder, zu aufrechten Menschen and treuen Juden höranbilden möge im Sinne den tätigsten Gründers der Schule, des Herrn Rabbiner Dr. I?1 k 1 ' Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß Tische and Sttthle anr weiteren Einrichtung als Spenden na der Schulleitung gern entgegeaaouunea werden. Die Januar-Sammlungen der Jüdischen Winterhilfe 1. Eintopfspende. Die Sammlung findet am gleichen Tage statt, an dem die Eintopfspende 'der allgemeinen Winterhilfe erfolgt, am zweiten Sonntag. Sie wird durchgeführt voß den Jugendlichen der Gemeinde. 2. Pfundsajuunluug. Diese wird von den Mitgliedern des Israelitischen Frauenvereins am d i 11 e n Sonutag und den beiden darauf folgenden Tagen abgeholt. Sie kann durch einen Geldbetrag abgelöst werden, oder direkt zur Sammelstelle bei Frau Wolff, Bismarckstraße 18, Eingang Bogislavstraßc gebracht werden. 3. Kleidersammlung. Der Abholdienst kann jederzeit durch Postkarte oder telefonisch 26663 böi der Geschäftsstelle der Jüdischen Winterhilfe angefordert werden. Wir bitten, alle Gaben so zurechtz ul egen, daß unsere Helferinnen nicht vergebens kommen! Central-Verein der Juden in Deutschland Landesverband Pommern. Am 3. Dezember sprach in einer geladenen Versammlung der Vorsitzende des Landesverbandes Pommern R. A. D r. Brock, Stettin über das Thema: Unsere Lage und Haltung In dieser Zelt. Der Vortragende besprach die Nürnberger Gesetze sowie ihre Auswirkung und gab einige Proben aus der vielgestaltigen C. V.-Arbeit. Er verlangte ein unbedingtes Zusammenstehen und gegenseitiges Helfen, damit es möglich werde, die Schwere unserer Situation zu meistern. Fast alle jüdischen Getreidehändler Pommerns und eine große Zahl aus den angrenzenden Gebieten waren am 10. Dezember in Stettin versammelt, um nach einleitenden Ausführungen von Dr. Rubinstein, Berlin, Mitarbeiter der Hauptgeschäftsstelle des C. V., in gemeinsamer Aussprache sich über die vielfachen Sonderfragen ihres Berufszweiges zu unterhalten und ihre Erfahrungen gegenseitig auszutauschen.. Otto Michelsohn, Syndikus. Aus der Frauenarbeit in Stettin Der Haaafraaeakreis versammelt sich am 7. Januar um 16Vt Uhr im Altersheim, Kronenhofstr. 27. Der nächste Ortagrappea-Naehmlttag findet in Verbindung mit dem Provinzialverirand am 14. Jaaaar um 4 Uhinachm. Friedrteh-Karl-Str. 31, statt Frau Stransky wird von der Vorstaadstagnng des JMischen Frauenbundes fas Berlin berichten. . f ___, Erda der Berufstätigen. Am 8. Jaaaar, 2S1/» Uhr bei Frau Dr. Aronheim, Bismarckstr. 19: Referat von Frau Stransky: Aas deas Leben berühmter jüdischer Frauen and Mütter. Am 22. Januar abends um Vf9 Uhr bei Frau Dr. Weltmann, Kaiser-Wilhelm-Str. 43: Vortrag mit Lichtbädern von Herrn Dr. Cohn. Siagekreis am 16. u. 2 9. Januar abends Vt9 Uhr, bei Frl. Bamberger, Bismarckstr. 17. Die Arbeltsgemeinsekaftea laufen fort. Wiederbeginn der Baehbeapreehaagea am 15. Januar 4Vf Uhr, Friedrich-Karl- Str. 31. Maalkkreis alle 14 Tage Dienstag abends bei Frau Braun, Grabower Str. 29. Phflassphlekrela' Dienstag 20Vt Uhr und Donnerstag 16Vs Uhr bei Frau Wollstein, Kaiser-Wilhelm-Str. 5. ' - Unterriehtskarse im Aaabesaera voa Kleidung u. Wäsche bei FrL Bamberger, Bismarckstr. 17. Die Beratungsstelle nebst Wahnaagsaaehwela, Rosengarten 9—10, Mittelhaus part. ist jeden Dienstag und Donnerstag von lOVs—17l/s Uhr geöffnet. Arhtltaaaehwels, Geschäftsstelle Falkenwalder Str. 24 bei Frau Hirsch (Tel. 31690). Sprechstunden: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag von 10—12 Uhr, Mittwoch von W—17 Uhr. 14