Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 10 (27.9.1935)
- Date
- 1935-09-27
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/10279732-10021717-10021683--256-3981001- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Einführung.des Bezirksrabbiners in Koblenz. Auf Anregung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und auf Grund der von ihm zugesagten Unterstützung hat die Synagogengemeinde Koblenz beschlossen, das seit mehreren Jahrzehnten verwaiste Rabbinat wieder zu besetzen und im Einvernehmen mit dem Preußischen Landesverband zu einem Bezirksrabbinat für die zahlreichen Gemeinden der Umgebung auszugestalten. Der Rabbinatsbezirk wird außer Koblenz die dem Landesverband angeschlossenen Gemeinden der Kreise Mayen, Cochem, St. Goar und Simmern, sowie die rechtsrheinischen Gemeinden Vallender, Bendorf-Sayn, Neuwied, Dierdorf und Puderbach umfassen; insgesamt handelt es sich um rund 30 Gemeinden mit zum Teil allerdings nur geringer Seelenzahl. Der Landesverband erhofft aus der Einrichtung des Bezlrksrabbinats gerade für die kleinen Gemeinden des Hunsrücks und der Seitentäler des Rheins eine Stärkung und Vertiefung des jüdischen Lebens und die Schaffung eines engen und fruchtbaren Zusammenhalts zwischen den verstreuten jüdischen Gemeinschaften. Zum Bezirksrabbiner ist Herr Dr. Max Vogelstein, Berlin, der Sohn des bekannten Breslauer Rabbiners gewählt worden. Herr Dr. Vogelstein hat sich neben praktischer Tätigkeit als Rabbiner und akademischer Religionslehrer besonders durch seine wissenschaftlichen Arbeiten ausgezeichnet, auf Grund deren er auch seit über einem Jahr an der vom Preußischen Landesverband geschaffenen Jüdischen Lehrerbildungsanstalt in Berlin als Dozent tätig war. * Sonntag, den 8. September 1935, fand in Koblenz die feierliche Amtseinführung des neuen Bezirksrabbiners, Dr. Max Vogelstein, statt. In der festlich geschmückten Synagoge hatten sich die Vertreter der Gemeindekörperschaften und zahlreiche Mitglieder der Synagogengemeinde Koblenz und der umliegenden zum Bezirk des neuen Rabbinats gehörenden Gemeinden versammelt. Als Vertreter des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, mit dessen Hilfe das neue Rabbinat geschaffen worden ist, war der Dezernent des Landesverbandes, Herr Rabbiner Dr. Julius Galliner, Berlin, erschienen. Ferner waren die Rabbiner Dr. Galliner aus Gelsenkirchen, Dr. 1 aupheimer aus Bad Ems, Dr. Seligsohn aus Bonn und der Vater des neuen Bezirksrabbiners, Gemeinderabbiner Dr. Vogelstein aus Breslau anwesend. Der Vorsitzende der Synagogengemeindc Koblenz, Herr Moser, begrüßte den neuen Rabbiner und wies darauf hin, daß die Gemeinde Koblenz ihr starkes religiöses Interesse dadurch bewiesen habe, daß sie nach nunmehr 35jähriger Pause das Rabbinat wieder erneuert habe. Darauf führte Rabbiner Dr. Galliner-Berlin namens des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden den Bezirksrabbiner in sein neues Amt ein. Er dankte dem bisherigen Lehrer und Prediger der Gemeinde Koblenz, Herrn Huhn, für seine jahrzehntelangen treuen Dienste, dankte dem Vorstand der Synagogengemeinde Koblenz für das große Verständnis, das er der Anregung des Landesverbandes entgegengebracht habe, und für den Gemeinschaftssinn, den er mit der Schaffung des Bezirksrabbinats gegenüber * den umliegenden kleinen Gemeinden bewiesen habe. Er dankte schließlich dem neuen Rabbiner, der aus der Arbeit des Landesverbandes — als Dozent der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt .in Berlin — komme und diese ihm liebgewordene Tätigkeit aufgegeben habe, um die neuen fruchtbaren ihm gestellten Aufgaben als Bezirksrabbiner in Koblenz zu übernehmen. Indem er auf die vielseitigen Pflichten des Bezirksrabbiner hinwies, die sich von denen eines Ortsrabbiners im Grundsätzlichen kaum unterscheiden, legte er dem jungen Kollegen besonders die seelsorgerische Betreuung der ihm anvertrauten jüdischen Menschen nahe, damit sie nicht nur in ihrer materiellen, sondern auch in ihrer seelischen Not Beistand und Trost finden. Den Gruß der rheinischen Rabbiner überbrachte Rabbiner Dr. Seligsohn aus Bonn, der dem neuen Amtskollegen freundschaftliches und vertrauensvolles Zusammenarbeiten versprach. Bezirksrabbiner Dr. Max Vogelstein hielt nunmehr eine Ansprache, in der er für die ihm dargebrachten Glückwünsche dankte und das Versprechen abgab, seine Verpflichtungen gegenüber der Gemeinde Koblenz, dem Landesverband und seinen Kollegen mit aller Kraft und Hingabe zu erfüllen. In tiefer Ergriffenheit nahm dann der Vater des neuen Bezirksrabbiners, Herr Rabb. Dr. Hermann Vogelstein aus Breslau, das Wort. Er wies auf die 70jährige rabbinische Tradition seiner Familie hin und darauf, daß er selbst vor 40 Jahren das Amt des Rabbiners angetreten habe. Mit den Segensworten, die er an seinen Sohn richtete, schloß die erhebende Feier, die von weihevollen Gesängen des Koblenzer Synagogenchors umrahmt war. Anschließend fand im Gemeindehaus eine Aussprache mit den Vertretern der Bezirksgemeinden statt, in der Rabbiner Dr. Julius Galliner ausführlich über die Arbeit des Landesverbandes berichtete, iind verschiedene Fragen des Bezirksrabbinats geklärt wurden. Persönliches Aus Bad Ems wird uns mitgeteilt, daß Herr Seligmann (Sem) Löwenstein, Zürich, am 23. September seinen 75. Geburtstag beging. Der Jubilar, einer der Mitbegründer der südafrikanischen Stadt Johannesburg, hat sich seit seiner Rückkehr nach Europa als großer Wohltäter besonders auch im jüdischen Leben betätigt. In Zürich lebend,* hat er das Band mit seiner Heimatgemeinde Bad Ems stets aufrechterhatten und ebenso seine Gemeinde Bad Ems mit ihm. Es ist vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden oft angeregt worden, daß die Beziehungen zwischen den Gemeinden und ihren fortziehenden Mitgliedern aufrechterhalten werden sollen. Die Tatsache, daß der 75. Geburtstag des in Zürich lebenden Herrn Löwenstein von seiner Geburtsgemeinde Bad Ems als ein Fest begangen wird, kann in dieser Richtung beispielgebend wirken. Wir schließen uns deshalb mit unsern Glückwünschen herzlich an. Dieses Zeichen JL FRIEDA MEHLER: * u Feiertags-Märchen bürgt für Qualität und Preiswürdigkeit mit Zeichnungen von Dodo Bürgner Preis RM 1.50 BERTHOLD LEVY BUCHDRUCKEREI UND VERLAG Berthold Levy Verlag, Berlin C2 4U MUBMli flvren WM MicnnamHonsOTi T